Unter den Strassen ist sie der Superstar: die Transfogarascher Hochstrasse in Rumänien. Gebaut wurde die spektakuläre Bergstrasse von 1970 bis 1974 im Auftrag des damaligen Staatschefs Nicolae Ceausescu als militärische Verbindung, die aber auch einen touristischen Zweck erfüllen sollte. Die Bauarbeiten im rauen Gebirge waren äusserst mühsam und kosteten, je nach Quelle, 40 bis 400 Menschen das Leben.
Der militärische Zweck der Gebirgsstrasse als Verbindung für rasche Truppenbewegungen im Zusammenhang mit dem angespannten Verhältnis zur damaligen Sowjetunion nach den Ereignissen des Prager Frühlings ist inzwischen nicht mehr relevant. Vielmehr ist die Gebirgsstrasse heute zu einer weltbekannten Touristenattraktion gereift. Das verdankt die kurvenreiche Strasse vor allem dem britischen TV-Magazin «Top Gear» um Starmoderator Jeremy Clarkson, der die Transfogarascher Hochstrasse zur weltbesten Destination für kurvenhungrige Autofans kürte. Auf der Suche nach der ultimativen Strasse entdeckten die Briten, unterwegs in edlen Boliden von Aston Martin, Ferrari und Lamborghini, 2009 diesen Pass. Seitdem ist der bis dato unbekannte Weg ein fester Begriff in der Autowelt – und für viele eine Traumdestination. Natürlich immer verknüpft mit der Frage, welches Fahrzeug denn auf diesem Asphalt gewordenen Traum den besten Fahrspass bieten kann.


Japanischer Held

Ein heisser Tipp ist der Mazda MX-5. Der kleine Roadster aus Japan ist seit 1989 unterwegs und wurde seither stetig verbessert und gepflegt. Ein kompaktes, bezahlbares Leichtgewicht, das nicht mit immensen Leistungsdaten imponieren, sondern mit unverfälschtem Fahrgefühl verführen will. Das macht den MX-5 zum absoluten Rekordhalter unter den zweiplätzigen Roadstern: mehr als 1,6 Millionen Mal wurde der Japaner verkauft. Eine riesige Fangemeinde rund um den Globus verehrt den Hecktriebler für seine bis heute erhaltene Einfachheit. Daran hat sich auch mit der jüngsten Überarbeitung für das aktuelle Modelljahr nichts geändert.
Optisch ist das Facelift kaum zu erkennen. Stattdessen hat sich Mazda darauf konzentriert, technische Details so zu verfeinern, wie es sich die Kunden wünschen. So lässt sich das Lenkrad nun nicht nur in der Höhe, sondern auch in der Tiefe verstellen, damit auch Grossgewachsene besser Platz finden. Hinzu kommt das leicht überarbeitete Navi, dass nun auch Apple Car Play und Android Auto unterstützt, sodass der Klassiker auch in dieser Hinsicht auf der Höhe der Zeit ist. Diese Funktion lässt sich übrigens bei älteren Modellen auch nachrüsten.
Geblieben ist das einfache wie geniale Grundrezept. Beschränkung auf das Wesentliche für möglichst geringes Gewicht. So verfügt der MX-5 weiterhin über ein manuell zu betätigendes Stoffdach, das sich in Rekordzeit öffnen und schliessen lässt – und obendrein eine Menge Gewicht spart. Nur knapp 1100 Kilogramm bringt der Roadster auf die Waage. Das macht ihn enorm agil, vor allem, weil der MX-5 mit der Überarbeitung etwas mehr Leistung bekommen hat. Der 2-Liter-Saugmotor wurde in vielen Details modifiziert und leistet nun 184 statt 160 PS. Das maximale Drehmoment stieg von 200 auf 205 Nm. Der Saugmotor generiert sein Leistungsplus vor allem dank einer neuen Abgasanlage, die darüber hinaus für einen etwas kernigeren Klang sorgt, und dank angehobener Maximaldrehzahl; der Vierzylinder dreht nun bis 7000 U/min (bisher 6000 U/min), was ihn eine Spur lebendiger wirken lässt und ab und an einen Schaltvorgang spart – auch wenn man im MX-5 ausgesprochen gerne zum Schalthebel greift. Denn der kurze Hebel wird äusserst knackig und präzise geführt.
Nach wie vor verbaut Mazda im MX-5 eines der besten Schaltgetriebe auf dem Markt, was den Fahrspass nochmals steigert. Hinzu kommen der Hinterradantrieb und das sportliche, aber keineswegs bretthart abgestimmte Fahrwerk, womit der kleine Roadster zur Ideal-
besetzung für die Erkundung der Transfogarascher Hochstrasse wird.
Als Startpunkt wählen wir die Stadt Sibiu. Schon hier ist zu spüren, dass man sich im Zentrum Rumäniens auf den Tourismus an der berühmten Hochstrasse eingestellt hat. In der ganzen Stadt sind die Randsteine rot-weiss gefärbt, als befände man sich auf einer Rennstrecke. Auf ebenen, gut ausgebauten Schnellstrassen geht es aus der Stadt hinaus über eine grosse Ebene in Richtung der Berge. Der MX-5 entpuppt sich hier als angemessen komfortables Reiseauto mit gutem Federungskomfort. Nach rund 35 Kilometern beginnt schliesslich die Transfogarascher Hochstrasse. Langsam ansteigend mit sanften Biegungen zwischen mächtigen Tannen und schroffen Felswänden. Wer zeitig aufbricht, kann nicht nur die kühle, frische Morgenluft geniessen, sondern auch noch verkehrsfreie Strassen, bevor Tagestouristen und Einheimische für viel Getümmel sorgen.


Kurve um Kurve

Die Kurvenkombinationen auf der Passstrasse, welche auf über 2000 Meter Meereshöhe führt, scheinen dem kompakten MX-5 wie auf den Leib geschneidert. Fliessende Wechselkurven, regelmässig unterbrochen durch gleichmässige Spitzkehren. Hinzu kommen in den Fels gefräste Tunnels, die den dramatischen Eindruck verstärken. Aller Euphorie zum Trotz ist Vorsicht geboten: Viele der Kurven ziehen im Verlauf leicht zu. Hinzu kommen feuchter Asphalt im Schatten von Felsen und Bäumen, zahlreiche Schlaglöcher und weitere Überraschungen: Grosse Schafherden weiden entlang der Strasse; ohne Schutzzaun oder dergleichen, weswegen sie oft gleichgültig und gemächlich die Strasse queren.
Mit jeder Kurve scheint sich die erhabene Szenerie aus Felsen und Bäumen zu lichten und gibt den Blick auf das beeindruckende Panorama allmählich frei. Man gewöhnt sich an die Umstände und beginnt den Rhythmus der Strasse zu verstehen. Und man versteht, warum sich der Mazda MX-5 seit Jahren höchster Beliebtheit erfreut. Er kommuniziert mit dem Fahrer, teilt ihm jederzeit mit, wie es um die Haftung an den vergleichsweise schmalen Reifen steht. Er kündigt an, wenn sich der Gummi nicht mehr länger mit dem Asphalt verzahnen kann, und ist frei von bösen Überraschungen. Vor allem aber verzeiht er viel: Schlaglöcher und Bodenwellen nehmen Federn und Dämpfer souverän in sich auf, sodass keine Unruhe aufkommt und man immer Reserven hat.


Der ideale Begleiter am Berg

Vor allem aber bietet der Roadster ungefiltertes Fahrgefühl. Er fordert den Fahrer nur so sehr, wie der Fahrer das Auto fordert. So erlebt man das Fahren zwar sehr bewusst, ist aber nicht komplett absorbiert und kann auch die eindrucksvolle Landschaft geniessen. Einen besseren Begleiter für eine Tour über die legendäre Passstrasse kann man sich kaum wünschen.
Dass der Klassiker unter den Roadstern auch für unsere Schweizer Bergstrassen, die sich vor der «besten Strasse der Welt» keineswegs verstecken müssen, perfekt geschaffen ist, wird mit dem Tag in Rumänien restlos bestätigt. Wenn es heutzutage noch Autos gibt, die auch in Zukunft als Klassiker gewertet werden, gehört der Mazda MX-5 definitiv dazu. Er ist vielleicht kein schillernder Superstar vom Schlage eines Ferrari oder Lamborghini – gewiss aber ein Geheimtipp von Weltklasseformat – wie einst die Transfogarascher Hochstrasse.
Der Mazda MX-5 kostet ab 24 900 Franken.