Es läuft rund bei Škoda. Die Auftragsbücher sind voll, die Kapazität der Werke in Tschechien
muss gar erhöht werden, um den Kunden zu lange Lieferfristen zu ersparen. Und das, obwohl
die VW-­Tochter bis anhin kein echtes SUV im Angebot hat, vom kompakten Yeti einmal
abgesehen. «Kein Hersteller war in den letzten Jahren ohne gutes SUV-­Angebot substanziell
erfolgreich», weiss Škoda­-Chef Bernhard Maier. Weltweit werden jährlich rund sieben Millionen
SUV verkauft, in Europa sind es rund zwei Millionen. Nur logisch also, dass Škoda nun mit der
siebten Baureihe im Portfolio den Schritt ins Gelände wagt. Ein wichtiger Schritt und ein grosser,
von langer Hand geplanter. Die offizielle Weltpremiere ist für den Pariser Autosalon im Oktober
angesetzt, auf die Strasse soll der Kodiaq, wie das neue SUV benannt wurde, gar erst Anfang
2017 rollen. Trotzdem lud Škoda bereits jetzt zur ersten Testfahrt in getarnten Vorserienautos.
Bilder vom neuen «Held von Škoda», wie ihn Designer Jozef Kaban nennt, dürfen noch nicht
veröffentlicht werden. Hinter verschlossenen Türen und mit abgeklebten Handy­-Kameras durften
die Journalisten aber schon einen ersten Blick auf den Neuling werfen. Und der überzeugt: Der
Kodiaq übernimmt die klare Formensprache von Superb und Octavia mit scharf gezeichneten
Linien und prägnanter Front. Der breit gezogene Kühlergrill mit den vertikalen Streben zeigt
Präsenz, das Škoda-­Logo thront auf einer kleinen Nase, die sich über die Haube zieht. Die
Flanke wird von einer durchgehenden Schulterlinie dominiert. Neu sind die eckigen Radhäuser mit robuster Plastikverkleidung. Ein optisches Merkmal, das künftig jedes SUV von Škoda kennzeichnen soll; damit tönt man bei Škoda auch klar an, dass der Škoda bestimmt nicht der letzte Geländegänger der Marke sein wird.
Am Heck fallen die liebevoll gestalteten Leuchten auf, die an tschechische Glaskristallkunst
erinnern wollen - und in Voll-­LED-­Technik strahlen. Die Dachlinie fällt eher steil ab,
schliesslich soll auch der Kodiaq mit grosszügigem Raumangebot glänzen; schon fast ein Muss
für einen Škoda. Auf 4,70 Metern Länge und 1,88 Metern Breite bringen die Ingenieure bis zu
2065 Liter Ladevolumen unter: Rekord. Optional kann der Kodiaq auch als Siebensitzer bestellt
werden. In der dritten Sitzreihe sitzen auch Personen bis knapp 1,80 m noch anständig; nur die Rückenlehne wirkt etwas steil, die Schenkelauflage etwas kurz. Dank der verschiebbaren zweiten Reihe kann man sich aber genügend Beinfreiheit schaffen. Für Kinder oder kürzere Strecken ist die dritte Reihe aber mehr als nur ausreichend. Mit der zusätzlichen Sitzgelegenheit weist der Kofferraum maximal 2005 Liter aus, ist also weiterhin riesig. Sind alle sieben Sitze hochgeklappt, bleiben noch 270 Liter Stauraum – 10 Liter mehr, als der kleine Fabia bieten kann. Kurzum: Die Raumverhältnisse sind grossartig.

Bewährte Technik
Aufgebaut ist der Kodiaq auf derselben Plattform wie der Konzernbruder VW Tiguan – nur halt
eben gut 20 Zentimeter länger. Beim Antrieb kann Škoda auf das Konzernregal zurückgreifen.
Für die Schweiz werden zwei Benziner und zwei Diesel zur Auswahl stehen. Basis ist der 1,4­
Liter­ TSI mit 150 PS und manuellem 6-­Gang­-Getriebe, ein automatisches DSG­-Getriebe mit
sechs Stufen gibt es gegen Aufpreis. Der 180 PS starke 2-­Liter­-Benziner kommt serienmässig mit 7-­Stufen-­DSG. Den 2-­Liter-Diesel gibt es mit 150 PS und manuellem Schaltgetriebe oder 7-Stufen-DSG. In der stärkeren Variante mit 190 PS ist das DSG Serienausstattung.
In den übrigen Märkten ist der Kodiaq auch mit Frontantrieb zu haben. In die Schweiz kommt er aber ausschliesslich mit 4×4; schliesslich hat er seinen Namen vom Kodiakbären, der in Alaska lebt. Ein guter Schwimmer und Kletterer. Mit einer Bodenfreiheit von 19 Zentimetern und einem Offroad-­Fahrprogramm, das unter anderem eine Bergabfahrhilfe beinhaltet, ist der Kodiaq für Fahrten abseits der Strasse gerüstet, auch wenn der Fokus bei der Entwicklung natürlich dem Fahren auf der Strasse galt. Die Prototypen für die ersten Testfahrten sind fast fertig, entsprechen aber noch nicht vollständig dem späteren Serientrimm. Die Feinabstimmung steht noch aus; viel zu tun scheint es aber nicht mehr zu geben. Dass die Windgeräusche noch etwas höher ausfallen, dürfte der aufgeklebten Tarnung zuzuschreiben sein. Ansonsten ist der Fahrkomfort tadellos.
Das grosse SUV fährt sich souverän wie ein Bär: Kaum hörbare Abrollgeräusche, guter
Federungskomfort und solider Geradeauslauf. Nur die Lenkung wirkt noch etwas leichtgängig.
Präzis agiert sie aber allemal – von der Trägheit eines Bärs ist nichts zu spüren. Angenehm ist
auch die erhöhte Sitzposition mit grosszügigem Einstellbereich, sodass man sich sofort zu Hause fühlt.
Zu Hause fühlt man sich auch aufgrund der simplen Bedienung. Besonders gefällig ist das Navi: Es stammt zwar ebenfalls aus dem Konzernbaukasten, wurde aber aufgehübscht. Anstelle der Plastik-­Tasten links und rechts des Bildschirms gibt es nun glatte, berührungsempfindliche Flächen. Das wirkt sehr edel. Eine nette Zusatzfunktion ist eine App, mit der man beispielsweise Navi-­Ziele vom Smartphone direkt ans Auto senden kann. Clever – genauso wie die inzwischen legendären kleinen Tricks, die ein Škoda zu bieten hat: Vom Eiskratzer im Tankdeckel über flexible Elemente, um die Ladung zu fixieren, bis hin zu Regenschirmen in den Türen. Und: Auch Škoda bietet nun einen automatisch ausfahrenden Türkantenschutz gegen Dellen bei zu engen Parklücken.
Nach über zwei Millionen Testkilometern steht mit dem Kodiaq also ein überzeugendes
Gesamtpaket bereit, das Škoda einen weiteren Schub verleihen dürfte. Dazu gehört freilich auch ein vernünftiger Preis. Der ist noch geheim. Anhaltspunkte liefert der Blick auf die Konkurrenz. Der Kodiaq bewegt sich aufgrund seiner Länge zwischen zwei Segmenten. Grösser als ein Ford Kuga oder Mazda CX­5, aber kleiner als Hyundai Santa Fe oder Kia Sorento. Günstigster ist hier der Mazda (ab 24 700 Franken), teuerster der Kia (ab 39 950 Franken). Bei Škoda dürfte es also ab knapp 30 000 Franken rundlaufen.