Alles wird anders bei Volvo. Neue Strategie, neue Modelle, neues Design und neues Image. Nur eines bleibt bestehen: Die Schweden wollen anders sein als der Rest der Autowelt.
Bis 2020 beschert uns Volvo ein oder gar zwei neue Modelle pro Jahr. Nach dem neuen XC90 begann 2015 der Aufbruch in die Zukunft. 2016 folgten schliesslich die S90 Limousine und der V90 Kombi auf derselben modularen Plattform.
Nach der luxuriösen 90er-Reihe kommt nun die Mittelklasse in Form der 60er-Modelle. Auch hier macht Volvo wieder den Anfang beim SUV, dem XC60. Der XC90 war schon immens wichtig für die Marke, schliesslich ist er Topmodell und Aushängeschild. Nun gilt es aber richtig ernst, denn mit dem XC60 erneuern die Schweden nun ihren Bestseller. Auch in der Schweiz mauserte sich der SUV in den vergangenen neun Jahren zum Liebling: Über 20 000 Stück wurden verkauft. Bei der Neuauflage darf man sich also keine Patzer erlauben.
Die Anlagen für eine Fortsetzung des Erfolges sind da, schliesslich basiert der XC60 auf der gleichen modularen Plattform wie sein grösserer Bruder, der XC90. Gleich geblieben ist, wie es die Plattform vorschreibt, der Abstand zwischen Vorderachse und Armaturenbrett. Insgesamt baut der XC60 aber 27 Zentimeter kürzer als sein grosser Bruder, was ihn vor allem in der Stadt deutlich wendiger macht.
Im Vergleich zum Vorgänger wuchs der XC60 um gut vier Zentimeter in der Länge und um einen in der Breite; zudem wurde er rund sechs Zentimeter flacher. Das sorgt für stimmigere Proportionen und mehr Raum im Innern.
Im Interieur ist wie bei allen neuen Volvo-Modellen Wohlfühlstimmung mit geschmackvollem Design angesagt. Das Cockpit unterscheidet sich von den grösseren Modellen durch eine geschwungene Zierleiste über das Armaturenbrett, wahlweise in edlem Naturholz. Des Weiteren gibt es edel vernähtes Leder, hübsche Aluminium-Einlagen und durchweg gute Qualität auf Oberklasse-Niveau. Sogar die Flaschenhalter in der Tür sind aus angenehm weich geschäumtem Material anstelle von Hartplastik gefertigt, um noch hochwertiger zu wirken. Bei so viel Liebe zum Detail erstaunt es allerdings, dass die Abdeckung auf dem Mitteltunnel aus zwar solidem, aber eben nicht gerade nobel wirkendem Hartplastik gefertigt wurde. Schliesslich liegt die Hand oft genau da auf, wenn man entspannt unterwegs ist.


Komfort ist Trumpf
Und entspannt unterwegs sein kann man mit dem XC60 so gut wie mit kaum einem SUV in seiner Klasse.
Ein Grund dafür ist das optionale Luftfahrwerk, das bei den ersten Testfahrten mit an Bord war. Es ist durch und durch auf Komfort getrimmt und federt selbst grobe Schläge souverän und sanft weg. Zwar erlaubt der XC60 in zügig gefahrenen Kurven viel Seitenneigung – doch er ist eben ein konsequenter Gleiter. Selbst im «Dynamic»-Modus, den man per Drehknopf auf der Mittelkonsole anwählen kann, bleibt der Komfort grösstenteils erhalten. Vielleicht hätte man die verfügbaren Modi noch etwas ausgeprägter gestalten können – der sportliche Modus unterscheidet sich von der Komfort-Einstellung nur in Nuancen, aber schliesslich spielt dies eh nur eine untergeordnete Rolle. Denn: Man will der Konkurrenz aus Deutschland zwar tüchtig einheizen, diese aber auf keinen Fall einfach nur kopieren. Dass man daher konsequent auf Fahrkomfort setzt, ist nicht nur passend und sinnvoll, sondern auch charmant. So hat man dem XC60 auch eine sehr effektive Geräuschdämmung samt Akustikverglasung mit auf den Weg gegeben, sodass man im Innern vornehme Stille geniessen kann. Auffällig ist vor allem, wie wenig Geräusche man vom Fahrwerk vernimmt; auch bei Schlaglöchern und Temposchwellen poltert nichts.
Trotz der klaren Ausrichtung auf besten Komfort lässt sich der XC60 aber präzise dirigieren und folgt den Lenkbefehlen zielgenau. Man könnte ihn also durchaus auch flott durch die Kurven hetzen. Als nötig erachtet man dies im ruhigen Gleiter aber nicht.
Dank der neuen Plattform hat sich das Platzangebot vor allem auf der Rückbank verbessert. Hier bietet der Schwede viel Kopf- und Beinfreiheit und, vor allem mit Panorama-Glasdach, viel Licht. Der Kofferraum fasst 505 Liter.


Volle Ladung Hightech
Ein wichtiger Bestandteil der Neuausrichtung von Volvo ist neben dem Design natürlich vor allem die Technik: Höchste Sicherheit und fortschrittliche Antriebe sollen es sein. Damit sich Volvo die teure Entwicklung leisten kann, müssen die Kosten auf möglichst viele Modelle verteilt werden – und das ermöglicht die modulare Plattform.
So ist vieles am XC60 schon aus den 90er-Modellen bekannt. Auch der kompaktere SUV kann beispielsweise bis 130 km/h selbstständig die Spur halten, verhindern, dass das Auto von der Strasse abkommt (auch ohne Markierungen) oder für Autos, Menschen oder grössere Tiere im Notfall bremsen, oder neu auch automatisch ausweichen. Mit dem neuen Modell hat Volvo die Technik der bewährten Plattform also nochmals ein Stück verfeinert.
Als Antrieb stehen – ebenfalls als Teil der Zukunftsstrategie – lediglich Vierzylinder-Motoren im Angebot. Grössere Motoren wollen die Schweden nicht mehr anbieten. Der 2-Liter-Diesel ist mit 190 PS und 400 Nm (5,1 l/100 km) oder 235 PS und 480 Nm (5,5 l/100 km) erhältlich. Bei der ersten Testfahrt erfreute die stärkere Variante mit tiefem Geräuschniveau, kultiviertem Lauf und gleichmässiger Leistungsentfaltung.
Sportlicher wirkt der Top-Benziner im T6 mit 320 PS aus ebenfalls zwei Litern Hubraum (7,7 l/100 km). Dank Turbo- und Kompressoraufladung bietet er jederzeit genügend Kraft, um den mindestens 1800 kg schweren SUV in Schwung zu bringen. Als Top-Modell bietet Volvo den XC60 zudem als T8 mit Plug-in-Hybridantrieb und 407 PS an. Er soll bis zu 45 Kilometer rein elektrisch schaffen und laut Prüfstand nur 2,1 l/100 km verbrauchen.
Erhältlich ist der neue XC60 ab Mitte Juli. Die Preise beginnen bei 54 000 Franken für den Basis-Diesel. Der starke Benziner kostet ab 65 450 Franken. Für das Topmodell, den T8, sind mindestens 77 950 Franken fällig – für so viel Luxus und Hightech ist das aber angemessen.