Irgendwie begann unser Test des Skoda Rapid mit einer Zeitreise. Türe auf, es roch leicht nach Plastik. Reingesetzt, es fühlte sich irgendwie sehr vertraut an. Das etwas dürre Lenkrad, die leicht abwaschbaren Oberflächen. Das hatten wir doch alles schon irgendwann mal... Ja, genau, Skoda Octavia der ersten Serie, der war irgendwie genau so, fühlte sich genau so an. Nein, nicht der Octavia, der von 1959 bis 1971 gebaut wurde. Wir meinen den ersten Octavia der Neuzeit, der bis ins Jahr 2000 fabriziert wurde. Ein spröder Charme, fernab des reisserischen Bling-Bling-Kults, form follows function in Reinkultur. Und doch, irgendwie extrem vertrauenerweckend. Und es gibt viel Platz. Das Kofferraumabteil stellt ohne  das Abklappen der Rückbank schon 550 Liter zur Verfügung. Das ist mehr als so mancher schicker Kombi. Klappt man die Lehnen im Fond ab entsteht so viel Platz, dass man bis vor zwanzig Jahren den Raum (1490 Liter) noch für ausreichend befunden hätte, um das  Löwengehege eines Zoo's darin zu installieren. Schade nur, dass nach dem umlegen der Lehnen eine Stufe übrig bleibt. Ein flacher Laderaumboden hätten wir von Skoda eigentlich schon erwartet. Wie gesagt, Platz gibts genug, auch im Fond. Und weil Skoda-Ingenieure offenbar Pragmatiker sind, braucht niemand die Bedienungsanleitung zur Hand zu nehmen, wenn er mit dem Rapid fahren möchte. Einfach Schlüssel drehen, Gang rein und los gehts. So herrlich einfach. Ach ja, das Fahren. Fahren tut er auch. Völlig unaufgeregt, aber gut. Wir ersparen uns einen Beschreibung wie der 1200er-Vierzylinder so läuft. Das Auto fährt so, wie es muss. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und er verraucht – zumindest in unserem Fall –  nicht viel Benzin. Im Testschnitt kamen wir mit 6,3 Litern aus. Das finden wir für rund 120 PS: angemessen.

Doch bleiben wir bei den praktischen Dingen. Vor vielen Jahren hat Skoda als erster Massenhersteller diese kleinen, praktischen Haken im Kofferraum installiert. Die konnte man Ausklappen und dann die Einkaufstaschen darin einhängen, damit sie im Kofferraum eines Octavia Combi nicht herumrutschten. Dann gabs da den Superb mit in der Fondtüre integrierten Regenschirm. So einfach, so praktisch. Und was bietet und der Rapid? Ja, jetzt gibts den Eiskratzer an der Innenseite des Tankdeckels. Man kann das Auto also von Schnee und Eis befreien, ohne erst eine Türe öffnen zu müssen. Und was müssen wir feststellen?

Skoda Rapid Eiskratzer

Skoda Rapid Eiskratzer



Keine der anderen Konzernmarken macht den Eiskratzer-Trick nach. Die Tschechen scheinen einfach zu schlau zu sein für die Herren Ingenieure in Wolfsburg, Ingolstadt oder Barcelona. Wir waren jedenfalls während des Test mehr als einmal dankbar, dass es noch Praktiker unter den Automenschen im VW-Konzern gibt.

Also, der Rapid ist ein einfaches, praktischen nahezu emotionsbefreites Automobil. Und er ist erschwinglich. Die Preise beginnen bei 17'490 Franken. Dafür gibt bei VW gerade mal einen: fünftürigen Polo. Nicht zuletzt deshalb wird der Rapid sicher auch den Octavia aus dem eigenen Stall konkurrenzieren. Denn wer nicht gerade eine Grossfamilie durch die Weltgeschichte kutschieren muss, dem wird der Platz im Rapid reichen. Und die etwas höhere Ladekante ist bei der richtigen Hebetechnik auch kein Problem. Der Octavia-Kombi kostet nämlich in der Basisausführung fast vier Tausender mehr.