Ein edles und durchgestyltes Auto muss nicht gross sein. So die Idee hinter dem Audi A1. Der Kleinste mit vier Ringen lockt mit scharf gezeichneten Linien und vielen Hightech-Ausstattungen, wie man es sonst meist nur in grossen Limousinen und SUVs vermutet. Das alles natürlich auch zu einem entsprechend hohen Preis.
Zwar ist das Basismodell schon ab 25 700 Franken zu haben. Mit etwas Ausstattung, die den A1 erst zu dem macht, was er sein soll, wird daraus schnell das Doppelte. Der Testwagen mit Dreizylinder-Motor, 116 PS und Automatikgetriebe kommt auf stolze 51 217 Franken, obwohl er noch nicht alles mit an Bord hat, was die Aufpreisliste zu bieten hätte.
Zum Vergleich: Ein Škoda Fabia, der auf derselben Plattform aufgebaut ist, kostet mit praktisch identischer Motor-Getriebe-Kombination gut 20 000 Franken weniger. Die Frage drängt sich auf: Warum verrechnet Audi für den A1 so viel mehr?
Einerseits sind es natürlich die Assistenzsysteme, die den Preis nach oben treiben: Parkassistent (1030 Franken), Radartempomat (720 Franken) und Notbremshelfer (270 Franken). Hier lohnt es sich, auch zu investieren. Vor allem der Radartempomat überzeugt im Test mit ruckfreiem, flüssigem und sicherem Handeln. Nur der integrierte Spurhalte-Helfer wirkt ab und an etwas übereifrig, der Notbremsassistent lässt sich gelegentlich von entgegenkommenden Lastwagen irritieren. Insgesamt können die Systeme im Alltag aber zu mehr Sicherheit beitragen – und sind ihr Geld wert. Ebenfalls hochwertig wirkt das digitale Cockpit mit klarer und moderner Darstellung, ergänzt durch das grosse Touchscreen-Navi (2540 Franken Aufpreis), das sich intuitiv leicht bedienen lässt und den Innenraum noch moderner wirken lässt. Dazu passt das gute B&O-Soundsystem, das aber weitere 980 Franken Aufpreis kostet.
Trotzdem fühlt sich der A1 nicht wie ein 50 000-Franken-Kleinwagen an: Die Sitze werden weiterhin manuell verstellt. Ein Keyless-System ist genauso wenig an Bord wie elektrisch anklappbare Spiegel oder ein Totwinkelwarner. Details, die bei manchem Konkurrenten schon ab Werk verbaut werden. Im A1 kostet gar die Mittelarmlehne vorne 200 Franken Aufpreis. Für genauso viel Unbill sorgt die Materialanmutung im Innenraum: Türtafeln, A-Säulen und Mittelkonsole sind fast komplett aus wenig hochwertigem Hartplastik gefertigt. Sogar die Verkleidung der manuellen Handbremse ist nicht etwa ein Ledersack, sondern eine Hülle aus hartem Kunststoff. Da ist es auch nur ein schwacher Trost, dass die Verarbeitung exakt und solide ist – sogar der deutlich preiswertere Škoda Fabia kommt im Innenraum mit weniger Plastikflächen aus.
Man wird den Verdacht nicht los, dass man bei Audi mit dem neuen A1 der sinkenden Rendite entgegenwirken möchte. Es wurde schlichtweg gespart. Nicht nur bei den Materialien im Innenraum, sondern auch bei den verfügbaren Ausstattungen. Ein Schiebedach ist nicht erhältlich. Genauso eine elektrische Heckklappe oder der für die Marke prägende Allradantrieb. Dinge, die in einem Kleinwagen nicht unbedingt notwendig sind. Aber auch Dinge, die den Unterschied zwischen einem «normalen» Kleinwagen und einem Premium-Produkt ausmachen könnten.
Zweifellos hat der Audi A1 auch seine Stärken. Die Sitzposition für den Fahrer ist vielfach einstellbar, die Sitze sind bequem gepolstert. Das Fahrverhalten ist durchaus agil, vor allem mit dem optionalen S-Line-Sportfahrwerk. Wer lieber etwas komfortabler unterwegs ist, verzichtet allerdings besser auf diese Option. Über jeden Zweifel erhaben ist der Antrieb. Der 1,0-Liter-Motor läuft kultiviert und die Automatik schaltet passend. Mit 5,3 l/100 km übertrifft er den Werksverbrauch um nur 0,4 l/100 km.
Doch das können andere Kleinwagen auch – und meist zu einem deutlich tieferen Preis. Das sportliche Design mit Referenzen an die legendären Rallye-Wagen der Marke genügt als Antwort auf die Frage nach dem Warum leider nicht.