Jaguar F-Pace

Fahrvergnügen aus der Dose

Das erste SUV mit Raubkatze am Kühler.

Jaguar F-Pace

Das erste SUV mit Raubkatze am Kühler.

Mit dem F-Pace kommt das erste Jaguar-SUV – Fahrbericht.

Bitte schmeissen Sie nie wieder eine Aludose in den Müll; sie gehört in die Recycling-Tonne, wo sie die Chance auf ein zweites Leben bekommt. Wer weiss, vielleicht wird aus der unscheinbaren Bierdose ja mal ein Jaguar. Denn: Die britische Marke setzt auf Recycling. Rund 30 Prozent des im neuen F-Pace verwendeten Aluminiums soll aus Wiederverwertung stammen. Insgesamt sind das rund 30000 Tonnen pro Jahr; bis 2020 soll sogar 75 Prozent des verwendeten Materials aus der Wiederverwertung stammen.

Dass sich die Briten so viele Gedanken darüber machen, woher sie den kostbaren Rohstoff gewinnen könnten, macht Sinn; schliesslich ist der neue
F-Pace zu rund 80 Prozent aus Alu gebaut. Das soll ihn leichter und stabiler und somit vor allem sportlicher und handlicher machen. Wichtige Attribute für den Briten, will er doch die markentypische Dynamik genauso wie jeder andere Jaguar verkörpern. Zudem warten in diesem Segment schon namhafte Gegner auf den F-Pace: Audi Q5, BMW X3, Porsche Macan. Sie alle wollen in erster Linie mit Fahrspass auf der Strasse punkten; Offroad-Fähigkeiten sind selten gefragt. Das trifft sich gut, für Ausflüge ins unwegsame Gelände ist beim britischen Konzern ohnehin Land Rover zuständig. Da bleibt also noch genügend Spielraum für ein SUV von Jaguar.

Leichtfüssig auf der Strasse

1,6 bis 1,8 Tonnen bringt das gut 4,7 Meter lange SUV je nach Antrieb auf die Waage. Damit zählt er tatsächlich nicht zu den schwersten im Segment. Dass er sich auf kurvenreichen Strecken derart leichtfüssig anfühlt, liegt aber nicht nur am Gewicht, sondern viel mehr an der geschickten Abstimmung. Das Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern – eine höhenverstellbare Luftfederung bietet Jaguar nicht an – gibt sich straff, aber alles andere als unkomfortabel. Auch gröbere Unebenheiten stecken Federn und Dämpfer mit extralangen Wegen sehr kontrolliert und souverän weg. Um den sportlichen Eindruck noch zu verstärken, wurde die Lenkung sehr direkt abgestimmt, was den grossen Jaguar sehr flink in die Kurve zieht. Einmal in der Kurve hilft die Elektronik fleissig mit, die richtige Linie zu halten. Mit gezielten Bremseingriffen werden die Lenkbewegungen unterstützt, sodass sich das SUV noch kompakter und handlicher anfühlt.
Innen wurde die Schulterlinie bewusst hochgezogen. Das erschwert das Finden der richtigen Sitzposition, sorgt aber auch dafür, dass man sich im
F-Pace richtiggehend eingebettet fühlt.

Für Vortrieb sorgt die bekannte Motorenpalette. In der Basisversion, ab 49500 Franken, steckt ein 2-LiterDiesel unter der kraftvoll gewölbten Haube. Mit 180 PS und 430 Nm Drehmoment wirkt der F-Pace damit keineswegs untermotorisiert und kommt mit Handschaltung und Hinterradantrieb auf einen Durchschnittsverbrauch von nur 4,9 l/100 km. Natürlich gibt es auch bei dieser Motorisierung die hervorragende 8-Gang-Automatik und Allradantrieb zu kaufen. Beides ist bei den
3-Liter-V6-Motoren serienmässig. Als Diesel leistet er 300 PS und schickt satte 700 Nm Drehmoment an die Räder. Trotz bescheidenem Normverbrauch von 6,0 l/100 km schiebt der Brite so vehement an, läuft aber seidig und kultiviert. Für den Strassenalltag die wohl passendste Motorisierung; auch wenn der V6-Benziner, den es mit 340 oder 380 PS gibt, im Topmodell lautstark protestieren kann. Der aus dem sportlichen F-Type entliehene Motor unterstreicht den sportlichen Anspruch des Briten deutlich, will dafür aber auch an der Tankstelle entschädigt werden.

Auf Wunsch rollt der F-Pace auf bis zu 22 Zoll grossen Felgen – die Grössten im Segment. Auf den kleineren 20-Zoll-Rädern rollt der Brite aber geschmeidiger.

Jaguar F-Pace, 22-Zoll Felgen

Auf Wunsch rollt der F-Pace auf bis zu 22 Zoll grossen Felgen – die Grössten im Segment. Auf den kleineren 20-Zoll-Rädern rollt der Brite aber geschmeidiger.

Für jeden Spass zu haben

Auch wenn sich der neueste Jaguar-Spross vor allem auf der Strasse wohl fühlt: Eine gute Portion Offroad-Kompetenz hat man sich von Land Rover dennoch geborgt. Bis 60 Zentimeter Wattiefe sind möglich, bergauf und bergab sorgt die intelligente Elektronik für Grip und Sicherheit, sodass der Fahrer eigentlich gar nichts mehr tun muss.

Clevere Details für die Abenteuer des Lebens finden sich auch sonst zu Hauf: Rückfahr- und Rundumkamera sind empfehlenswert, da die hohe Schulterlinie die Übersicht etwas einschränkt. Dafür bietet der Brite auch in der zweiten Reihe ordentlich Beinfreiheit und eine verstellbare Rückenlehne. Der Kofferraum schluckt beachtliche 650 Liter – Jaguar spricht vom praktischsten Jaguar aller Zeiten. Praktisch ist auf jeden Fall das Gummi-Armband, welches Jaguar mitliefert. Es ist wasserdicht und kann beispielsweise beim Joggen oder Schwimmen getragen werden. Der Schlüssel kann derweil im Auto bleiben, das sich danach per Armband wieder aufschliessen lässt.

Mit fairem Einstiegspreis, viel sportlichem Talent und genügend Geländetauglichkeit stellen die Briten damit eine echte Alternative im SUV-Segment auf die Räder. Das soll den F-Pace schon im ersten Jahr zum meistverkauften Jaguar in der Schweiz machen und in rund 90 Prozent der Fälle neue Kunden zur Marke bringen. Also bitte: Keine Aludosen wegschmeissen – sie werden in England dringend gebraucht!

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