Automobildesigner ist kein einfacher Beruf. Denn die Optik eines Autos ist mit das wichtigste Kriterium, wenn sich Kunden für ein neues Auto entscheiden. Darauf reagieren die Hersteller mit immer mehr Modellvariationen. Bei Mercedes stehen inzwischen mehr als 40 Modelle im Angebot – vom fünftürigen Kompaktwagen über die imposante Luxuslimousine bis hin zum grossen Geländewagen. Allein auf Basis der kompakten A-Klasse sind es bis anhin drei Modellvarianten, die vierte kommt noch dieses Jahr auf die Strasse. Bislang jüngster Spross der Mercedes-Kompaktklasse ist der neue CLA, eine viertürige Coupé-Limousine, die vor allem mit ihrem dynamischen Design punkten will.
Dafür wurde die Spurweite gegenüber der A-Klasse um 45 (vorne) respektive 55 Millimeter (hinten) verbreitert. So wirkt das Auto flacher, breiter und sportlicher, sowohl optisch als auch auf beim Fahren. Zudem wurde der CLA mit grösseren Rädern ausgerüstet, um ihn noch bulliger dastehen zu lassen. Natürlich geht die dramatischere Form mit sportlich abfallender Dachlinie etwas zulasten der Alltagstauglichkeit. Die Kopffreiheit ist etwas knapper, der Einstieg eine Spur ungemütlicher. Trotzdem ist der CLA uneingeschränkt auch zu viert – oder für kurze Strecken – zu fünft nutzbar. Der Kofferraum der 4,69 Meter langen Limousine schrumpfte im Vergleich zum Vorgänger leicht, fasst aber immer noch ausreichende 460 Liter – ein «Shooting Brake» als Kombiversion folgt später dieses Jahr. Doch dürfte es den wenigsten CLA-Kunden um maximales Ladevolumen gehen. Viel mehr bildet der CLA ein ideales Einstiegsmodell: Je nach Marktregion sind bis zu 70% der Kunden Neuzugänger, die davor andere Marken bevorzugten. Kein Modell zieht derart viele junge Kunden zur Marke, die in den meisten Fällen nach dem CLA weitere Modelle von Mercedes kaufen. Der CLA will aber weit mehr als ein einfacher Lockvogel sein, sondern ein echter Mercedes. Das gilt für die zweite Generation, die nun an den Start geht, erst recht.
Das Design wurde im Vergleich zum Vorgänger deutlich harmonischer und flüssiger. Am Heck wurde der Kofferraumdeckel ohne Kante integriert, die Front wirkt aggressiver als beim Vorgänger und steht leicht überhängend, wodurch der Wagen optisch näher an die Strasse rückt, weil sich die Front quasi selbst in den Schatten stellt.
Im Innenraum wurde ebenfalls gnadenlos aufgeräumt. Wie in der A-Klasse wird das Cockpit von zwei grossen Bildschirmen dominiert. Über diese lassen sich sämtliche Funktionen entweder per Touchpad auf der Mittelkonsole, direkt per Touchscreen oder über die gut funktionierende Spracheingabe steuern. Insgesamt wirkt das Cockpit des CLA Coupé von Mercedes solide verarbeitet und durchwegs edel.
Stimmig wirkt der CLA auch in Sachen Fahrverhalten, vor allem mit dem serienmässigen Fahrwerk, das einen guten Kompromiss aus Sportlichkeit und Federungskomfort bietet. So ist der CLA zwar kein kompromissloser Sportler, meistert Kurven aber souverän und leichtfüssig. Das aufpreispflichtige Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern kann man sich also getrost sparen, zumal die zur Verfügung stehenden Abstimmung, Sport oder Komfort, entweder zu straff oder zu lasch wirken.
Ohne Fehl und Tadel gibt sich bei der ersten Ausfahrt der neue Top-Diesel im CLA 220d, der beim Marktstart am 1. Mai allerdings noch nicht verfügbar sein wird. Der 2-Liter-Selbstzünder erfüllt bereits jetzt die Abgasnorm Euro 6d, die erst ab 2020 Pflicht sein wird. Er leistet 190 PS und 400 Nm Drehmoment, wirkt kraftvoll und kultiviert, auch dank der serienmässigen 8-Gang-Doppelkupplungsautomatik, und soll laut Werk nur 4,2 l/100 km Diesel verbrauchen. Zum Verkaufsstart wird es vier Benziner mit 136 bis 224 PS, je nach Version mit Schalt- und Automatikgetriebe sowie Front oder Allradantrieb geben. Die Preise starten bei
42 200 Franken. Effizienzkönig ist der CLA 180d mit 136 PS. Er will nur 3,8 l/100 km verbrauchen. Das liegt nicht nur am effizienten Antrieb, sondern auch an der ausgefeilten Aerodynamik. Mit einem cw-Wert von 0,23 und einer Stirnfläche von rund 2,19 Quadratmetern kommt der CLA auf einen Gesamtluftwiderstand von 0,51 Quadratmetern. Ähnlich wenig wie ein Rennrad-Fahrer. Das ist beachtlich – und macht die Aufgabe der Designer noch schwieriger. Denn das Design muss nicht nur für das Auge funktionieren, sondern auch im Windkanal. Verschlechtert sich der Luftwiderstands-Beiwert (cW), also der Index für die Windschnittigkeit, um nur einen Hundertstel, bedeutet das einen Mehrverbrauch von 0,5 l/100km bei 140 km/h.