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Elektrische Raumgleiter

Opel Zafira e-Life

Opel Zafira e-Life

Mit dem Opel Zafira-e Life und dem Mercedes EQV gehen zwei neue Grossraumlimousinen mit E-Antrieb an den Start.

E-Autos gehören mehr und mehr zum Strassenbild. Im September waren 13,4% der neu zugelassenen Personenwagen Batterie-elektrisch; insgesamt wurden 2020 in der Schweiz bereits 11169 Stromer eingelöst; 26,5% mehr als im Vorjahr.

Das liegt zum einen sicherlich an der kontinuierlich wachsenden Ladeinfrastruktur und am allgemein steigenden Interesse an alternativen Antrieben. Vor allem aber ist der Zuwachs bei den Neuzulassungen eine direkte Folge des wachsenden Angebots an E-Autos. Nachdem die Stromer fast ausschliesslich in Kleinwagen-Segmenten zu Hause waren, folgten in den letzten Jahren zahlreiche Kompaktwagen, Limousinen und SUV. Und nun scheint auch die Zeit der elektrischen Grossraumlimousinen gekommen zu sein. Fast gleichzeitig schicken Opel und Mercedes ihre Vertreter dieser Liga an den Start.

Konzeptionell sind sich der Zafira-e Life und der EQV durchaus ähnlich. Sie basieren beide auf der Plattform ihrer jeweiligen Geschwister mit Verbrennungsmotor, verfügen über eine E-Maschine, welche die Vorderräder antreibt und verstauen ihre Akkupakete im Unterboden. Denn hier haben die grossen Vans einen entscheidenden Vorteil: Sie bieten viel Platz, um die Batterien unterzubringen. Damit kann der grösste Nachteil dieser Bauform ein Stück weit kompensiert werden. Denn eine Grossraumlimousine, basierend auf einem Kastenwagen, liegt denkbar ungünstig im Wind. Der hohe Luftwiderstand sorgt für erhöhten Verbrauch und damit weniger Reichweite; das lässt sich nur mit einem grossen Akku kompensieren.

Opel schickt den Zafira-e Life wahlweise mit einem 50-oder 75-kWh-Akku auf die Strasse, der EQV von Mercedes ist ausschliesslich mit 90-kWh-Batterie zu haben. Damit schaffen beide Raumriesen mehr als 300 Kilometer Reichweite laut WLTP-Messung.

Damit sollten auch längere Reisen möglich sein, auch wenn die aerodynamischen Nachteile gerade auf der Autobahn zum Tragen kommen. Dafür verfügen aber beide Grossraumlimousinen über eine Schnelllademöglichkeit; beim Opel dauert das Aufladen mit maximal 100 kW 30 bis 45 Minuten, je nach Batteriegrösse. Der Akku des EQV lädt mit maximal 110 kW und ist damit ebenfalls nach 45 Minuten wieder zu 80% vollgeladen.

Damit ist auch der Familienurlaub machbar – zumal beide Kandidaten keine Kompromisse beim Platzangebot einfordern. Der Innenraum bleibt bei den E-Varianten unangetastet, sodass bis zu neun Personen und reichlich Gepäck Platz finden. Der Opel ist in drei Karosserielängen von 4,60 bis 5,20 Metern zu haben, beim EQV hat man die Wahl zwischen zwei Versionen mit 5,14 oder 5,37 Metern Aussenlänge.

Nicht nur für die Familie

Sowohl der Opel Zafira-e Life als auch der Mercedes EQV können mit ihrem Platzangebot für Familien durchaus interessant sein, sofern man wirklich auf ein so grosses Auto angewiesen ist. Als weitere wichtige Zielgruppe für die elektrischen Personentransporter fassen die beiden Hersteller gewerbliche Kunden, wie zum Beispiel Hotels, Taxiunternehmen oder Eventveranstalter ins Auge. Gerade als Shuttlebus für Kurz- und Mittelstrecken sind die elektrisch angetriebenen Grossraumfahrzeuge ideal geeignet. Nicht nur, weil sie lokal emissionsfrei unterwegs sind und durch den E-Antrieb mit konkurrenzlos tiefen Unterhaltskosten glänzen, sondern auch, weil sie mit den E-Auto-typischen Fahreigenschaften ihren Verbrenner-Pendants eindeutig überlegen sind.

Sowohl der Opel als auch der Mercedes überzeugen auf der ersten Testfahrt mit gleichmässigem Durchzug und ruckfreiem, praktisch geräuschlosem Antrieb. Der Opel Zafira-e Life teilt sich den Antrieb mit dem kompakten Corsa; in der Stadt fällt das nicht weiter auf. Trotz mehr als zwei Tonnen Gewicht beschleunigt der Zafira-e scheinbar mühelos und schwimmt problemlos im Verkehr mit; ausserorts und auf der Autobahn wirkt der Antrieb dann träger und braucht etwas mehr Anlauf, um auf Autobahntempo zu kommen. Das Fahrwerk ist komfortabel ausgelegt, dank der tief im Auto montierten Batterie fällt die Seitenneigung in Kurven dennoch erstaunlich gering aus.

Das gilt auch für den Mercedes, der gegen Aufpreis mit einer Luftfederung für noch besseren Komfort erhältlich ist. Auch die Geräuschisolierung ist besser als im Opel und der Innenraum wirkt hochwertiger gestaltet und verarbeitet, womit der EQV dem Ruf der Marke und vor allem dem deutlich höheren Grundpreis gerecht wird.

Dementsprechend bietet der Stern auch beim Antrieb etwas mehr. Hier bietet die E-Maschine maximal 204 PS und mit 362 Nm rund 100 Nm mehr Durchzugskraft als beim Opel. Damit beschleunigt der EQV kräftiger und souveräner; die Höchstgeschwindigkeit ist bei 140 km/h abgeregelt, gegen 150 Franken Aufpreis sind 160 km/h möglich, was sich aber höchstens lohnt, wenn man öfters auf deutschen Autobahnen unterwegs sein will.

Für den Zafira-e Life öffnet Opel noch diesen Herbst die Bestellbücher; der Basispreis für die Schweiz steht noch nicht fest, er dürfte aber bei knapp unter 60000 Franken liegen. Die Version mit grösserem 75-kWh-Akku folgt Anfang 2021.

Der EQV von Mercedes kann bereits bestellt werden, spielt aber mit mindestens 78610 Franken in einer deutlich höheren Preisliga. Die Version mit langem Radstand kostet ab 79579 Franken.

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