Jetzt ist es anders. 1,6-Liter-Turbo mit weiterhin 200 PS. Schwimmsättel, so ein hauseigenes Diff, und von Hand schalten dort bei 7500/min, wo der Drehzahlbegrenzer einst einsetzte, darf man auch nicht mehr, denn es gibt jetzt EDC, also: Doppelkupplungsgetriebe, 6 Gänge. Das Ding knallt bei 6000/min die nächste Welle rein, es ist also Schluss mit Drehorgie. Wieso Renault nicht einmal mehr einen Wert für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h geben mag, ist gerade bei einem solchen Fahrzeug ein Rätsel, aber Vmax bei 230 km/h, das ist immerhin beachtlich für so einen Zwerg. Leergewicht: 1204 Kilo. Was richtig, richtig gut ist: die Farbe Gelb, sie heisst dann Sirius - und kostet (in Frankreich) satte 1600 Euro Aufpreis. Was uns auch gefällt: der Clio R.S. wird in Dieppe, im ehemaligen Alpine-Werk, zusammengebaut.

Aber das sind Details, es geht ums Fahren. Bei solchen Geräten geht es ganz allein ums Fahren, und wenn man innen sitzt, dann hat man vielleicht noch das handgenähte rote Dings oben am Lenkrad im Aug', Mittelstellung, und alles andere ist egal, sowohl Dieppe wie Sirius. Zuerst einmal: gute, gute Sitze, wie Schraubstöcke. Und: er tönt wild, der 1,6-Liter. Sonor im Leerlauf, bissig bei höheren Drehzahlen. Für sportlichen Motorsound in allen Drehzahlbereichen sorgt die Auspuffanlage mit verchromtem Doppelendrohr. Zusätzlich überträgt die R.S.-Soundpipe Schwingungen aus dem Ansaugtrakt in den Innenraum. Das Resonator-Rohr verfügt über eine schwingende Membran. Druckschwankungen werden von dieser verstärkt und direkt zu den Insassen weitergeleitet. Und dann gibt es noch, optional, ein System, das «Motorensound; simulieren kann, etwa vom Nissan GT-R oder von der Alpine A110. Ja, er geht bestens, der Clio R.S., und auch dies EDC ist sehr anständig. Er dreht gut bis an den Begrenzer, in der schärfsten Stellung, und die Übergänge sind, sagen wir mal: sportlich. Wir waren allerdings erstaunt, dass Runterschalten nicht so prächtig geht. Fahrwerk: gut, richtig gut, er schiebt erfreulich wenig über die vorderen Räder, die Balance stimmt, die Vorderachse scheint gut gelungen. Und aus dem Bogen raus kommt er halt schon prachtvoll, 200 PS, 1200 Kilo, das macht Laune. Es muss aber auch gleich noch geschrieben sein: ein Kinderspielzeug ist der Renault nicht, man muss ihn präzis bewegen, nicht zu heftig in die Bremsen, denn dann wird er hinten leicht, und dann wird er schwierig. Aber das Gewedel nimmt er ausgesprochen flott, weil er so klein und kurz ist, ist man ausgesprochen agil, und wir haben das Gefühl, am Berg wird er zu den feinsten Spielsachen überhaupt gehören.

(In diesem Zusammenhang: wir sind auch den Peugeot 208 GTI gefahren, direkt vor dem Clio R.S., und der Peugeot ist viel einfacher zu beherrschen. Und er geht, rein subjektiv, besser (er hat auch 200 PS, leider auch Turbo). Und er ist zwar nicht so ein Radau-Bruder, sondern macht das lockerer, souveräner, vielleicht auch ein wenig diskreter - und ist auch deshalb eine spannende Alternative. Genaueres dürfen wir leider erst Ende März schreiben.) Was bleibt – wir wissen es jetzt gar nicht so recht. Die Vorgänger des Clio R.S. erschienen uns ehrlicher, direkter, auch fröhlicher. Ja, wir trauern dem Sauger nach, ja, wir haben das Gefühl, dass die Brembos einfach gröber zupackten, und ja, wir gehören zu den Retro-Deppen, die bei solchen Autos gerne händisch schalten. Und ja, auf den Elektro-Lärm können wir auch verzichten. Aber der Clio R.S. ist weiterhin ein «wild thing», wie es das aus dem grossen, grossen Volkswagen-Konzern nicht gibt, und allein schon deshalb gibt es Pluspunkte.

Den Renault Clio R.S. gibt es in der Schweiz ab März, er wird 30'900 Franken kosten. Das ist deutlich mehr als bisher, da gab es den Sauger nämlich ab 27'900 Franken. Doch es ist halt nichts mehr wie früher, ganz besonders bei Renault nicht.