Mercedes-Benz

Die bessere Wahl?

Mercedes S-Klasse Coupé AMG

Mercedes S-Klasse Coupé AMG

Die zweitürige Version der mächtigen S-Klasse heisst nun wieder Coupé und verwöhnt die Passagiere.

Mercedes schickt nach der Limousine die zweite Version des Flaggschiffs ins Rennen, das Coupé mit nur zwei Türen aber ganz viel Luxus. Mit an Bord sind Features, die kaum jemand wirklich braucht – aber es ist halt technisch machbar. Entsprechend ist dann auch die Argumentation von Daimler bei Nachfragen. So zum Beispiel, wenn man wissen will, wieso sich das S-Klasse-Coupé auch in die Kurve legen kann, ähnlich wie ein Neigezug. «Weil wirs können» heisst es da. Die Kurvenneige-Funktion stellt das Auto so 
in die Kurve (die kurvenäusseren Räder werden etwas ausgefahren, die kurven inneren Räder federn etwas weiter ein), dass der Wagen wie ein Neigezug düst. Das soll die auf die Insassen wirkenden Querbeschleunigungswerte minimieren. Tut es auch, das System funktioniert perfekt, man spürt die Veränderung einigermassen deutlich. Die Frage ist nur, wozu das Ganze? Das System funktioniert nur bei moderater Kurvenfahrt, also dann, wenn gar nicht viel Querbeschleunigung aufgebaut wird. Es ist also kein Feature zum schnell Fahren. Und bei gesitteter Fahrweise ist der Wagen auch in Komfortstellung des Fahrwerks, also ohne Neigung, super bequem. Aber das System zeigt einzig die technischen Möglichkeiten auf. Wobei man in der Schweiz wohl nicht viele Autos mit der Neigetechnik sehen wird. Denn wegen des grösseren Bauraumbedarfs an der Vorderachse gibt es dieses Feature nur in Verbindung mit Hinterradantrieb. In der Schweiz sind die Allradversionen aber klar gefragter.

Das S-Klasse-Coupé, der Wagen wurde ja von der unsäglichen Bezeichnung CL befreit, ist ein unglaublich luxuriöses Auto. Nicht nur wegen der Innenausstattung, nicht nur, weil sein Biturbo-V8 richtig Dampf hat (455 PS), und nicht nur, weil die Sitze, die Haptik und die Ergonomie hervorragend sind. Sondern, weil man nichts hört. Es ist unglaublich, wie man es in Stuttgart geschafft hat, Wind- und vor allem Abrollgeräusche zu minimieren. Dieses Auto grenzt vom – wir nennen es mal Schallkomfort – an einen Rolls-Royce. Wenn es nicht sogar besser ist. So will man es doch haben, wenn man sich eine Luxuskarosse kauft. Wir jedenfalls würden das Coupé jederzeit dem Viertürer vorziehen, denn auf Nutzwert kommt es bei einem solchen Auto eh nicht an. «Den Scheinwerfer des S-Klasse-Coupés gibts natürlich auch als Ersatzteil, falls jemand dieses Schmuckstück bei sich zu Hause ausstellen möchte.» Wieso man das tun sollte? Weil es die LED-Scheinwerfer auch mit je 47 Swarovski-Steinen als Linsen gibt. Rolling Stones also im Fall der zweitürigen S-Klasse. Klar, man fokussiert sich damit auf den russischen und chinesischen Markt, dass derzeitige Walhalla der Automobilhersteller. Und dort scheinen solche Ausstattungen durchaus gefragt zu sein.

Doch Daimler kann natürlich mehr, als Scheinwerfer mit Swarovski-Steinchen zu dotieren. Bereits nach den ersten Metern im neuen Benz ist klar, Luxusautos zu bauen, haben sie in Stuttgart nicht verlernt. Da ist zum Beispiel das einstellbare, vorausschauende Fahrwerk (zwei Kameras und ein Laserabtaster sehen vor das Auto und stellen die Dämpfung auf kommende Unebenheiten ein). Die Seitenneigung ist für ein Auto dieses Kalibers gering und der mögliche Kurvenspeed – besonders in der Sport-Stellung des Fahrwerks – durchaus beachtenswert. Das ist alles fein gemacht. Wem die gut 450 PS nicht reichen, der hat natürlich immer die Option, sich bei AMG umzusehen. Der ehemalige Tuner und nun in den Konzern integrierte Autobauer aus Affalterbach hat immer noch einen Trumpf im Ärmel. Im Falle der S-Klasse heisst es: S 63 AMG Coupé. Und das ist dann: ziemlich grob! 585 PS, 900 Nm, alles fein, auch die Bremsen oder das Fahrwerk. Das AMG-Tier geht richtig gut, auch der Sound passt hervorragend zum Auto. Dank Allradantrieb sprintet das mächtige Auto gemäss Daimler in 3,9 Sekunden auf 100 km/h, der Topspeed ist allerdings wie bei den normalen Mercedes-Benz auf 250 km/h limitiert. Für eine Handvoll Euros kann man das Vmax-Limit aber natürlich auch aufheben lassen.

Wir finden das S-Klasse-Coupé, egal, ob als AMG oder S500, ein ziemlich gelungenes Auto. Und vielleicht schafft es später auch noch der etwas schwächere, aber sehr gute 400er-Motor aus der E-Klasse in diese Baureihe. Damit wäre sicher auch an der Preisfront noch etwas zu machen. 167’500 Franken sind für das Coupé mindestens fällig, der AMG wird mindestens 225’000 Franken kosten. Markteinführung ist am 27. September.

Meistgesehen

Artboard 1