Infiniti

Der Japaner, der wie ein Deutscher ist

Infiniti Q30

Infiniti Q30

Der adrette Q30 wird der edlen Nissan-Tochter Infiniti endlich die längst verdiente höhere Beachtung verschaffen.

Selbstverständlich hat Infiniti mit dem neuen Q30 ein hübsches Automobil geschaffen, Design können sie, das haben sie mit diversen Concept-Cars in den vergangenen Jahren bewiesen; da darf man sich auch wirklich auf die zukünftigen Modelle freuen (derer zwei kommen 2016 neu, mindestens). Und dass sie jetzt erstmals im C-Segment antreten, wird die Marktperformance von Infiniti in Europa entscheidend verbessern - was allerdings auch nicht besonders schwierig ist, in den vergangenen 12 Monaten wurden 16 474 Fahrzeuge verkauft, 9 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum in den Vorjahren. Doch das ist halt nicht einmal ein Tropfen auf einem kalten Stein, auch wenn man berücksichtigen muss, dass sich Infiniti mit seinen bislang erst vier Händlern und drei Service-Partner in der Schweiz noch im Aufbau befindet. Aber alles kommt gut, irgendwann.

Infiniti Q30

Infiniti Q30

Um es klar und deutlich zu schreiben: der Q30 ist eigentlich ein Mercedes. Er basiert auf dem Frontantriebsbaukasten aus Stuttgart, er ist quasi ein Zwillingsbruder des GLA. Das geht weit, denn sogar das Innenleben - inklusive des Multifunktionshebels - wird vielerorts vom Stern übernommen. Natürlich gibt es andere andere Linien, andere Trims, die sind auch schön gemacht, definitiv auf Premium-Niveau, doch den entscheidenden Fortschritt sehen wir jetzt nicht. Mit den Sitzen kamen wir auch nicht wirklich klar. Objektiv gut sind das anständige Kofferraumvolumen von 368 Liter und überhaupt die Platzverhältnisse, trotz kompakten Aussenmassen sitzen auch die hinteren Passagiere im 5-Türer sehr angenehm.


Auch in Sachen Antrieb bleibt Mercedes der Hauptlieferant. Es gibt drei Benziner, ein 1,6-Liter-Turbo mit 122 oder 156 PS und den 2-Liter-Turbo mit 211 PS sowie den 2,2-Liter-Diesel mit 170 PS, die alle aus Stuttgart stammen; von Renault kommt ein 1,6-Liter-Dieselchen mit 109 Pferden, doch der wird in der Schweiz beim mindestens 1,4 Tonnen schweren Wagen wohl kaum eine Rolle spielen. Es gibt dazu alle nur erdenklichen Antriebsvarianten, nur Front-, aber auch Allradantrieb, manuelle und Doppelkupplungs-Schaltereien. Am meisten überzeugen konnte uns die stärkste Version, genannt «Sport», auch wenn das 7-Gang-DKG diese Sport-Thematik nur teilweise unterstützt; auch manuell bedient dauern die Schaltvorgänge irgendwie zu lange.


Nichts zu kritteln gibt es am Fahrverhalten. Zwar baut der 4,43 Meter lange Q30 doch 1,5 Meter hoch (als «S» sind es 2 Zentimeter weniger), doch die Abstimmung lässt trotz sehr gutem Komfort kaum Wankbewegungen zu, und das ist erfreulich. Ebenfalls aussergewöhnlich: es gibt nicht nur unterschiedlich ausgelegte Fahrwerke bei Premium und Sport, auch werden sie dem Gewicht des Wagens angepasst, die schwereren Varianten sind etwas straffer ausgelegt. Auch die elektronisch unterstützte Lenkung gefällt durch ihre Präzision. Überzeugend schliesslich die Ruhe, die im Fahrzeug herrscht - und die viel zu einem guten Gesamteindruck des in England gebauten Japaners beiträgt.

Erhältlich ist er ab 31900 Franken mit dem schwächsten Benziner - und das ist im Vergleich zum GLA von Mercedes doch um ein paar Tausend Franken günstiger. Womit dann auch gleich, neben dem Design, das beste Argument für den ab Januar 2016 in der Schweiz erhältlichen Infinti Q30 erwähnt ist. Es muss dabei aber auch erwähnt sein, dass sich die Preise bei den stärkeren Modellen immer mehr angleichen, der Infiniti den GLA gar überholt; ein Vergleich in Sachen Ausstattung gestaltet sich allerdings schwierig, bei der Nissan-Tochter ist schon viel in Serie verbaut, was bei Mercedes dann noch Aufpreis kostet.

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