Jeep

Der eigenwillige Stadtindianer

Jeep Cherokee Limited

Jeep Cherokee Limited

Der Jeep Cherokee mit dem grossen Dieselmotor macht vor allem auf der Strasse eine gute Figur – er kann aber auch anders.

Dem Fiat-Konzern – also der Fiat Chrysler Automobiles – geht es finanziell nicht so schlecht. Nicht unschuldig daran ist die Marke Jeep, die sich weltweit hervorragend verkauft – und so zum Beispiel indirekt Marken wie Alfa Romeo rettet. Vorneweg: Die Jeep-Modelle der Neuzeit haben nichts mehr mit den hemdsärmligen Armee- und Arbeitsfahrzeugen von früher zu tun. Der Autor, selbst einst Besitzer eines der legendären CJ-7, hat die Weiterentwicklung der Marke zu einem Adventure- und Lifestyle-Brand genau mitverfolgt. Und festgestellt, dass es die Amerikaner in italienischer Hand ziemlich schlau angehen. Denn die Jeep-DNA ist nun mal das Gelände. Und, so viel ist klar, offroad können auch die neusten Modelle noch. Zumindest wenn man sich für die richtige Variante der Modellreihe entscheidet. Im Fall des Cherokee wäre das der Trailhawk.

Jeep Cherokee Limited

Jeep Cherokee Limited

Im Test stand aber ein Limited, also das Luxusmodell der Cherokee-Baureihe. Neu gibt es in diesem Modell einen 2,2 Liter grossen Vierzylinder-Diesel, der satte 200 PS leistet und maximal 440 Nm an den Getriebeeingang schickt. Gekoppelt ist der Motor an eine Neunstufenautomatik. Auf dem Papier ist der Cherokee damit bestens motorisiert. Aber in der Realität? Dort auch, zumindest wenn er einmal in Schwung ist. Denn all die Leistung und das Drehmoment merkt man dem Jeep zum Beispiel beim Anfahren nicht an. Es fühlt sich etwas zäh an. Das mag auch am Gewicht liegen. Denn der Fünfsitzer wiegt leer 1935 kg. Da relativieren sich die Papierangaben dann wieder. Ist er aber erst einmal in Fahrt, ist der Cherokee wirklich sehr angenehm zu fahren, beschleunigt durchaus vehement. Beim Cruisen aber ist er akustisch angenehm zurückhaltend. Und: Anders als die Modelle, welche bin in die Neunzigerjahre produziert wurden, hat der aktuelle Cherokee eine funktionierende Federung, eine Lenkung, die das tut, was der Fahrer will, und eine hervorragende Ausstattung. Einzig die ewige Schalterei der Automatik ist gewöhnungsbedürftig, aber wohl nötig, um auf einen geringen Verbrauch zu kommen. Und der ist zwar nicht sensationell tief, 6,8 Liter pro 100 Kilometer sind für die Fahrzeugmasse und -Masse aber ein guter Wert. Auch wenn Jeep einen offiziellen Verbrauch von lediglich 5,7 l/100 km nennt.


Das Ambiente ist sehr gediegen. Schöne, bequeme Ledersessel, eine wirklich gelungene Ergonomie und eine gute Übersicht machen das Fahren mit dem Cherokee einfach. Navi- und Infotainmentsystem mit Touchscreen sind ebenfalls einfach und intuitiv zu bedienen, Gefallen hat uns auch die schnelle Routenneuberechnung sowie der etwas amerikanisch-basslastige Sound aus der Audioanlage. Wie erwähnt ist der Federungskomfort gut, dafür die Seitenneigung des Aufbaus bei schneller Kurvenfahrt massiv. Aber das stört irgendwie nicht, denn der Cherokee vermittelt mit keiner Faser, dass er ein Sportfahrzeug sein will.

Mit dem von uns getesteten Cherokee kann man Anhänger bis zu einem Gewicht von 2,5 Tonnen ziehen, eine Zahl, die sicher auch für Pferdesportler interessant sein dürfte. Unser Fazit: Der Cherokee mit dem derzeit stärksten Dieselmotor im Programm macht seine Sache ganz gut. Wer mit der speziellen Optik klarkommt, findet im Jeep ein Fahrzeug etwas ausserhalb der Norm, mit hoher Langstreckentauglichkeit (Tankinhalt 60 Liter, also fast 1000 km Reichweite) und unbestrittenen Qualitäten abseits der Strasse. Aber man muss auch bereit sein, ziemlich tief in die Tasche zu greifen. Unser Testwagen mit Vollausstattung, einem ganzen Paket an Fahrassistenzsystemen war mit 61 300 Franken angeschrieben.

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