Mercedes

Der Chauffeur wird schon bald überflüssig

Mercedes S-Klasse

Mercedes S-Klasse

Normalerweise ist der beste Platz im Auto ja vorne links – also am Lenkrad mit dem Fuss auf dem Gaspedal. Bei der neuen S-Klasse von Mercedes ist die Frage der Platzwahl komplizierter.

Bis heute und wohl auch noch länger heisst es Autofahren – und nicht Autoreisen. Und ganz ehrlich: Das ist auch gut so. Schliesslich macht es am meisten Spass, selbst am Steuer zu sitzen. Die Ingenieure von Mercedes sind trotzdem nicht die Ersten, die von einem Auto träumen, das dereinst ganz selbst fährt. Autonomes Fahren heisst das dann und soll die individuelle Mobilität bald prägen. Und ehrlich: Zu kaum einem Auto würde das besser passen, als zur neuen S-Klasse. Denn anders als in vielen Autos neigt man im Flaggschiff von Mercedes dazu, auch einmal hinten rechts Platz zu nehmen. Der Business-Sitz verspricht schon auf den ersten Blick viel Komfort – und hält den Erwartungen problemlos stand. Die S-Klasse ist ein Fahrzeug, das nicht selten von einem Chauffeur bewegt wird, während der Geschäftsmann oder die Geschäftsfrau hinten entspannt sitzt und den nächsten Termin vorbereitet. Und wer müde ist, streckt die Beine und schläft.
 

Mercedes S-Klasse

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Den Chauffeur braucht es noch immer. Der Gesetzgeber will das so. Aber dank unzähligen Kameras, Laser und Sensoren ist die neue S-Klasse mittlerweile in der Lage, nicht nur Spurlinien zu erkennen, sondern auch einem vorausfahrenden Fahrzeug zu folgen. Ist der Tempomat mit Abstandsregelung aktiviert, könnte der Fahrer theoretisch zurücklehnen und müsste nichts mehr tun. Im Stop-and-go-Verkehr funktioniert das einwandfrei, wie ein Selbstversuch auf einer abgesperrten Strasse in Kanada gezeigt hat. Die neue S-Klasse beschleunigt und bremst automatisch – sogar um Kurven. Schwierig wird es, wenn die Spurlinien fehlen. Zwar ist autonomes Fahren weiterhin möglich, die S-Klasse orientiert sich in diesem Fall aber nur noch am Vorausfahrer und kommt dieser von der Fahrbahn ab, folgt ihm die S-Klasse auch in den Strassengraben. Trotzdem: Was dereinst möglich ist, lässt sich bereits eindrücklich erahnen. Zumal das System auch bei Autobahntempo funktioniert. Ein Sicherheitsgewinn ist es aber schon jetzt. Auch sonst haben die Ingenieure von Mercedes viel Wert auf Komfort und Luxus gelegt. So kommt ein System zum Einsatz, das Unebenheiten der Fahrbahn wie beispielsweise Temposchwellen erkennt und Dämpfer und Federn so voreinstellt, dass die Erschütterungen im Innenraum möglichst gering sind. Und das funktioniert tadellos. Der Vergleich zu einem Modell ohne dieses System ist fantastisch.
 
In der Schweiz wird es die S-Klasse vorerst mit drei Motoren geben. Als Einstiegsmodell dient der Diesel mit 258 PS. Dieses Modell hat auf ersten Testfahrten durch gute Verbrauchswerte überzeugt. Knapp über sechs Liter waren es – für ein fast zwei Tonnen schweres Auto ein sehr guter Wert. Ganz anders sieht es aber beim V8-Benziner mit 455 PS aus. Mercedes spricht von 8,6 Litern, am Ende waren es knapp 12 Liter. Das ist weit entfernt von asketischen Werten, wie sie von den Ingenieuren proklamiert werden. Näher ran kommt der Hybrid mit 306 PS und im Herbst folgt dann noch ein Plug-in-Hybrid. Bewegen lässt sich die S-Klasse in allen Versionen so, wie man das erwarten darf von einem Auto der Oberklasse: sehr komfortabel mit trotzdem ausreichend Power – und mit einem wunderbaren Raumgefühl. Ganz toll: Im Innenraum sind Aussengeräusche kaum zu hören. So lässt sich der wunderbare Sound der Highend-Musikanlage noch ungestörter geniessen.
 
In der Schweiz ist die neue S-Klasse ab 105 500 Franken (Diesel) erhältlich. Für den langen Radstand kommen je nach Modell 5000 bis 7000 Franken dazu. Das ist nicht günstig. Aber gemessen an Luxus und Innovationen durchaus angemessen.

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