Es überrascht uns dann doch ein wenig, wenn zur Demonstration des Kofferraumvolumens nicht Golfbag, Fallschirmausrüstung oder anderes Lifestyle-Equipment als Referenz herangezogen wird, sondern einfach ein Sack Kartoffeln. Und dreckige Wanderstiefel. Das liegt nicht nur daran, dass man die Vorzüge der serienmässigen Wendematte im Kofferraum anpreisen will, nein, Skoda ist einfach auf herzlich direkte Art bodenständig geblieben. Da muss es nicht die grimmige Suche nach Perfektion sein, die Audi schon länger betreibt, und auch ist dem Octavia der Druck fremd, das beste, also «das Auto» zu werden, unter dem der Golf steht. Die Tschechen greifen einfach in die prall gefüllten Regale des Wolfsburger-Gemischtwarenladens und bauen ein Auto, das ihnen sinnvoll erscheint.
Gut, so einfach ist das freilich nicht, aber doch erwecken manche Details den Eindruck, dass Skoda ein wenig pragmatischer an die Dinge herangeht. Die besagte Wendematte ist ein Beispiel, der in den Tankdeckel integrierte Eiskratzer, eine hinter den Sitzen verstaubare Hutablage, eine 230V-Steckdose zwischen den Vordersitzen – und wir könnte noch lange so weitermachen.

 Das alles macht den Octavia sympathisch.

Ein Auto, das sich trotz aller Moderne, Fahrerassistenzsystemen und Umweltschutzaktivitäten dann doch noch um die einfachen Dinge kümmert. So auch um die Bierkiste im Kofferraum, die dank flexibler Klettverschluss-Halterungen auch bei scharfer Fahrt immer an ihrem Platz bleibt.

Und zügig kann der im Gegensatz zum Vorgänger deutlich gewachsene Tscheche. Wie seine Konzernbrüder basiert er auf dem MQB (Modularer QuerBaukasten, wie alle neuen Modelle des Konzerns, also auch Audi, Seat und VW – noch ist Porsche hier eine Ausnahme), allerdings bis auf den 180-PS-Benziner ohne die Mehrlenker-Hinterachse und auch ohne adaptive Dämpfer. Macht aber nichts, denn es fährt trotzdem gut. Komfortabel, mit ein wenig mehr Seitenneigung als beim Topmodell und auch etwas weniger talentiert beim Slalomwedeln. Aber letzteres macht man im Alltag ja dann doch auch eher selten.

Bei den Motoren geht unsere Empfehlung zum 150PS-TDI. Der hat immer genügend Kraft und gibt sich beim Verbrauch hinreichend bescheiden. Zwar beherrscht der kleine 1.6 TDI diese Disziplin noch etwas besser, dafür hört bei den 105 PS der Spass nach der Ortsgrenze recht schnell auf. Leise Kritik am Zweiliter verdient das Geräusch: es ist - wie auch im Gelf, ein wenig zu «dieselig». Gerade kalt bröselt der Zweiliter deutlich vor sich hin.

Dabei ist der Octavia an sich sehr gut gedämmt: Abroll- und Windgeräusche dringen kaum ans Fahrerohr, da steht der Skoda seinen Premiumbrüdern nicht nach. Auch sonst durfte er im Innenraum aus dem Vollen schöpfen.

Skoda Octavia

Skoda Octavia

Grosses Achtzoll-Infotainment mit Annäherungsensorik, leichter Bedienbarkeit und feiner Grafik. Dazu Müdigkeitserkennung, Spurverlassenswarnung, neun Airbags, City-Notbremsfunktion und überhaupt – alles eben, was der Konzern so anzubieten hat.

Aber das hatten wir ja schon. Was wir noch nicht hatten ist der grosse Kofferraum. Zwar wird das Schrägheck hier in der Schweiz (Kombianteil 98%, die restlichen zwei haben sich wohl bei der Bestellung vertan) kaum eine Rolle spielen, dennoch fasst das Abteil im Heck 590 Liter und übertrifft damit das Gros der Lifestyle-Laster. Und auf die Anzahl der Netze wäre wohl auch jeder Mittelmeer-Fischkutter stolz...

Preise gibt es für die Schweiz noch keine, sie werden sich aber «am Vorgänger» orientieren. Als Abschlussbemerkung noch ein Hinweis zu den Benzinern: wenn es kein Diesel sein soll und sie mit dem 180-PS-Modell liebäugeln - fahren Sie bitte auch den 1400er mit 140 PS. Denn beide haben 250 Nm und fahren im Alltag nahezu identisch. Nicht, dass es hinterher heisst, wir hätte Sie nicht gewarnt.