Ausserdem werfen sie ihm einen autoritären Regierungsstil vor. Davon abgesehen, blieben die politischen Ziele der Demonstranten auch nach zweieinhalb Monaten weitestgehend unkonkret. Das Spektrum der sie unterstützenden Parteien reicht von links bis weit rechts. Mancherorts forderten die Demonstranten am Samstag aber unter anderem den Rücktritt der Führung des staatlichen Senders RTS.

Das Motto der Proteste leitet sich von einer Aussage des Präsidenten ab, derzufolge dieser auf die Forderung der Demonstranten selbst dann nicht eingehen würde, wenn dies von fünf Millionen Bewohnern gefordert würde. Serbien hat sieben Millionen Einwohner.

Gegen die Vucic-Regierung gingen am Samstag auch Menschen in den Städten Nis, Novi Sad, Kragujevac, Pirot, Prokuplje, Gornji Milanovac, Bela Crkva und Boljevac auf die Strasse, berichteten Lokalmedien. Ausgelöst hatte die Proteste der brutale Angriff auf einen linken Oppositionspolitiker im vergangenen November im Süden des Landes. Die Täter sind bis heute unbekannt.

Diese Woche reagierte Vucic auf die Demonstrationen mit einer Tour durch südserbische Städte und Dörfer. Er sprach zu Versammlungen und traf Mitarbeiter von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen. Beobachter vermuten, Vucic bereite sich mit der Tour auf vorgezogene Neuwahlen vor.