Blamage

«Wollte sehen, was passieren würde» – so erklärt Trump seine Desinfektionsmittel-Aussage

US-Präsident Donald Trump hat sich blamiert - aber natürlich, das war alles gewollt.

US-Präsident Donald Trump hat sich blamiert - aber natürlich, das war alles gewollt.

US-Präsident Donald Trump will seine umstrittenen Äusserungen zu möglichen Therapieansätzen gegen das Coronavirus nach viel öffentlicher Kritik als Sarkasmus verstanden wissen. Er habe keineswegs Amerikaner dazu aufrufen wollen, Desinfektionsmittel zu sich zu nehmen.

«Ich habe Reportern (...) sarkastisch eine Frage gestellt, nur um zu sehen, was passieren würde», sagte Trump am Freitag im Weissen Haus in Washington. «Ich dachte, das wäre klar.» Trump gab an, er habe keineswegs Amerikaner dazu aufrufen wollen, Desinfektionsmittel zu sich zu nehmen. Er habe lediglich eine «sehr sarkastische» Frage an eine «feindliche Gruppe» von Reportern gestellt.

Bei seiner üblichen Corona-Pressekonferenz am Freitagabend (Ortszeit) gab sich Trump dann auffallend schmallippig: Das Briefing, das sonst mitunter zwei Stunden dauert, beendete er nach gut 20 Minuten - ohne Fragen zu beantworten.

Trump hatte am Donnerstagabend (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz im Weissen Haus Forscher unter anderem dazu ermuntert, im Kampf gegen das Coronavirus Möglichkeiten zu prüfen, Menschen direkt Desinfektionsmittel zu spritzen.

Anlass für seine Äusserung waren Ausführungen eines Regierungsexperten zum Thema gewesen: William Bryan vom Heimatschutzministerium hatte zuvor erklärt, dass Bleich- und Desinfektionsmittel den Erreger Sars-CoV-2 auf trockenen metallischen Flächen wie einer Türklinke rasch abtöteten. Trump nahm darauf Bezug und sagte: «Gibt es einen Weg, wie wir so etwas machen könnten - durch spritzen oder fast säubern ... wäre interessant, das zu prüfen.» Das sei natürlich Ärzten zu überlassen. «Aber es klingt für mich interessant.»

Dies stiess auf viel Kritik und Spott - und zog öffentliche Warnungen nach sich. Die Katastrophenschutzbehörden der US-Bundesstaaten Washington und Maryland warnten Bürger im Anschluss vor der Einnahme von Desinfektionsmitteln. Auch der britische Konsumgüterkonzern Reckit Benckiser, zu dessen Marken Sagrotan gehört, erklärte am Freitag, dass Desinfektionsmittel «unter keinen Umständen» verabreicht werden sollten.

Präsidentschaftskandidat Joe Biden: Ich kann's nicht glauben, dass ich das sagen muss, aber trinken Sie bitte kein Bleichmittel.

Mittlerweile wird auch so langsam klar, weshalb Donald Trump auf die Idee mit den Desinfektionsmitteln kam. Wie The Guardian herausfand, wurde der US-Präsident am Sonntag von einem gewissen Mark Grenon kontaktiert, der ihm sein Bleichmittel schmackhaft machen wollte. Grenon betreibt eine religiöse Radioshow, wo er kürzlich über die angeblichen Heilungserfolge von Bleichmittel referierte. Die Gesundheitsbehörden warnen jedoch von einer Einnahme, da sie im schlimmsten Fall tödlich sein könnte.

Trump hatte am Donnerstagabend zudem über Optionen sinniert, starkes Licht «in den Körper» zu bringen, um Corona-Infektionen zu behandeln. Bryan hatte zuvor geschildert, dass sich die Lebensdauer des Virus bei direkter Bestrahlung mit Sonnenlicht dramatisch verkürze.

Hier blieb Trump am Freitag bei seiner Position. Vielleicht gebe es etwas mit Blick auf Licht und den menschlichen Körper, das helfe, sagte er. Dies müsse man sich anschauen. Das sei jedoch Sache von Ärzten. «Ich bin kein Arzt.»

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hatte schon Mitte des Monats erklärt, dass UV-Strahlung nicht zur Heilung einer Covid-19-Erkrankung geeignet sei: «Wer denkt, Sonnenstrahlen würden den Virus in uns abtöten und damit COVID-19 heilen, irrt. Im Gegenteil: UV-Strahlung kann unter anderem dazu führen, dass die körpereigene Immunabwehr unterdrückt wird.»

50 000 Menschen tot

Gemessen an absoluten Zahlen sind die USA international am schwersten von der Corona-Pandemie getroffen: Bis Freitagabend (Ortszeit) verzeichneten die Forscher der Universität Johns Hopkins dort mehr als 890 000 bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus. Mehr als 50 000 Menschen kamen demnach USA-weit infolge der Epidemie ums Leben.

Die US-Regierung sieht inzwischen jedoch Fortschritte bei der Eindämmung der Corona-Krise. Trump sagte, in 18 Bundesstaaten sei die Zahl der erfassten Infektionen in den vergangenen Tagen zurückgegangen. Es gebe inzwischen auch einen Überschuss an Beatmungsgeräten in den USA. Seine Regierung habe daher zugesagt, Geräte nach Mexiko, Honduras, Indonesien, Frankreich, Spanien und Italien zu schicken - «und wir werden (sie) wahrscheinlich nach Deutschland schicken, sollten sie sie brauchen». (cma/sda/dpa)

Meistgesehen

Artboard 1