Gegen den in China verschwundenen Interpol-Präsidenten Meng Hongwei wird gemäss den chinesischen Behörden wegen Korruption ermittelt. Seine Ehefrau, Grace Meng, trat am Sonntag in Lyon vor die Presse. Allerdings wollte sie sich nicht kenntlich ablichten lassen – zu gross ist ihre Angst um ihre eigene Sicherheit und diejenige ihrer Kinder. Zur Pressekonferenz wurde sie von zwei französischen Polizisten begleitet.

Grace Meng glaubt, dass ihr Mann sie vor seiner Festnahme mit einer ungewöhnlichen Botschaft warnen wollte. Vier Minuten nachdem er ihr eine Nachricht mit dem Text «Warte auf meinen Anruf» gesendete hatte, schickte er ihr ein Messer-Emoji. Das war am 25. September – seither hörte sie nichts mehr von ihm.

Auf die Nachricht «Warte auf meinen Anruf» folgte ein Messer-Emoji.

Auf die Nachricht «Warte auf meinen Anruf» folgte ein Messer-Emoji.

«Ich glaube, er meinte, dass er in Gefahr sei», zitiert «CBS News» Grace Meng. Zuvor habe er ihr noch ein Bild mit einem Bären und einem Pferd geschickt. Es soll ihre beiden gemeinsamen Kinder darstellen – eines liebt Pferde, das andere «sehe aus wie ein Bär».

Grace Meng beim Interview am Sonntag.

Grace Meng beim Interview am Sonntag.

Ihr Ehemann sei nach einer Dreiländertour weiter nach China gereist. Nichts Ungewöhnliches, meinte Grace Meng. Schliesslich sei ihr Mann regelmässig zwischen Lyon und China gependelt. 

Im Rahmen der Anti-Korruptionskampagne von Chinas Präsidenten Xi wurden in der Vergangenheit duzende Politiker verhaftet und zu langen Haftstrafen verurteilt. Der ehemalige Sicherheitschef Zhou Yongkang verbüsst sogar eine lebenslange Inhaftierung. Dieser habe mehrfach versucht, Meng Hongwei aus dem Ministerium für öffentliche Sicherheit zu entlassen. Grace Meng sagte, dass das Verhältnis zwischen ihrem Ehemann und Zhou wahrlich nicht gut war. Ob die Feindseligkeit zwischen den beiden Männern eine Rolle für die jüngste Verhaftung spielte, wollte Grace Meng nicht beantworten. (vom)