Terror in London

Spendenwelle für Familie des getöteten Polizisten ++ Scotland Yard vermeldet zwei weitere Festnahmen

Im Verlaufe des Donnerstags erlag ein 75-jähriger Mann seinen Verletzungen. Somit verloren beim Attentat vier Opfer plus der Angreifer selbst ihr Leben. Im Zuge der Ermittlungen wurden bisher neun Personen festgenommen – in der Nacht auf Freitag waren zwei weitere Verdächtige in Gewahrsam genommen worden. Der IS hatte sich am Donnerstag zum Terrorakt bekennt.

Einen Tag nach dem Anschlag im Londoner Regierungsviertel hat die Terrormiliz IS die Tat für sich beansprucht. Ein "Soldat" des IS habe die Operation ausgeführt, meldete die IS-Propaganda-Agentur Amak am Donnerstag über das Internet unter Berufung auf nicht näher genannte Kreise der Extremisten.

Der Angreifer sei damit Aufrufen gefolgt, Bewohner von Staaten der internationalen Koalition anzugreifen. Die Echtheit der Nachricht liess sich zunächst nicht überprüfen. Sie wurde aber über die üblichen IS-Kanäle verbreitet. Auf diesem Weg hatten sich die Extremisten auch zu anderen Attentaten in Europa bekannt.

In Grossbritannien nahmen die Fahnder am Donnerstag bei Razzien sieben Verdächtige fest, unter anderem in der Hauptstadt und in Birmingham. Der Terrorabwehr-Chef von Scotland Yard, Mark Rowley, sagte, der Angreifer habe wohl auf eigene Rechnung gehandelt und sei "vom internationalen Terrorismus" angestiftet worden.

Die Polizei geht nach eigenen Angaben davon aus, die Identität des Angreifers zu kennen. Sie gebe den Namen aber in dieser "sensiblen Ermittlungsphase" nicht heraus, sagte Rowley.

Der Angreifer sei in Grossbritannien geboren worden, sagte die britische Premierministerin Theresa May vor dem Parlament in London. Der Mann sei vor einigen Jahren bei einer Untersuchung des Inlandgeheimdiensts MI5 zu "gewalttätigem Extremismus" im Visier der Ermittler gewesen.

Dieses Bild, das von einem Twitter-User verbreitet wurde, soll vom Angriff vor dem Londoner Parlamentsgebäude stammen.

Die Polizei korrigierte die Zahl der Toten von fünf auf vier, ohne weitere Angaben dazu zu machen. Unter den Toten ist auch der Attentäter. Rund 40 Menschen wurden verletzt. 29 Menschen wurden am Donnerstag noch in Spitälern behandelt. Sieben von ihnen sind laut Scotland Yard in einem kritischen Zustand.

Verletzte stammen aus elf Ländern

Der Attentäter war zunächst auf der Westminster-Brücke mit einem Auto in die Passanten gerast. Später krachte der Wagen - ein grauer SUV - in den Zaun des Parlaments, wo der Attentäter einen Polizisten niederstach, bevor er von Sicherheitskräften erschossen wurde. Neben dem Polizisten kamen auf der Brücke eine Frau Mitte 40 und ein Mann Mitte 50 ums Leben.

Bei dem Anschlag seien Menschen aus mindestens elf Ländern betroffen, sagte May weiter. Unter den Verletzten seien zwölf Briten, drei französische Schüler, zwei Rumänen, vier Südkoreaner, zwei Griechen und jeweils eine Person aus Deutschland, Polen, Irland, China, Italien und den Vereinigten Staaten.

Laut BBC wurde das bei dem Anschlag verwendete Fahrzeug in Birmingham gemietet. Die mittelenglische Stadt gilt als Hochburg der Islamistenszene in Grossbritannien.

Einer der mutmasslichen Drahtzieher von Brüssel und Paris, Mohamed Abrini, hatte dort gewohnt. Er sitzt seit seiner Festnahme in Belgien im April vergangenen Jahres in Haft. Der Anschlag in London ereignete sich am Jahrestag der Brüsseler Anschläge vom 22. März 2016 mit 32 Toten.

"Wir haben keine Angst"

Premierministerin May sagte im Parlament, "wir haben keine Angst, und unsere Entschlossenheit wird angesichts des Terrorismus niemals wanken". May hatte zuvor mit den Abgeordneten eine Schweigeminute im Gedenken an die Opfer abgehalten.

An der Parlamentssitzung nahm auch der französische Aussenminister Jean-Marc Ayrault teil. Er hatte zuvor die Angehörigen der drei verletzten französischen Schüler getroffen.

Die Tat löste international Bestürzung und Anteilnahme aus. Paris schaltete die Beleuchtung des Eiffelturms ab, das Brandenburger Tor in Berlin sollte in den Farben der britischen Flagge angestrahlt werden. Für 19.00 Uhr ist eine Gedenkveranstaltung auf dem Trafalgar Square in London geplant.

"Wir dürfen uns nicht beugen; wir dürfen nicht zulassen, dass die Terroristen Erfolg haben und unseren Lebensstil zerstören oder Gemeinden spalten", sagte der Londoner Bürgermeister Sadiq Kahn.

Meistgesehen

Artboard 1