Mordende Jugendliche

Schwedens Bandenkriege: Die Täter werden immer jünger – und zum Problem für die Regierung

In Botkyrka südlich von Stockholm wurde im August ein zwölfjähriges Mädchen erschossen.

In Botkyrka südlich von Stockholm wurde im August ein zwölfjähriges Mädchen erschossen.

Die Coronasituation in Schweden hat sich beruhigt. Doch schon macht ein anderes trauriges Thema Schlagzeilen: die tödliche Banden-Rivalität.

Es war ein grosser Schock: Eine Zwölfjährige starb im August vor einem McDonalds im Stockholmer Vorort Botkyrka im Kugelhagel.

Sie war ein unbeteiligtes Opfer eines seit Jahren andauernden Konflikts, an dem sich allein im Grossraum Stockholm 50 Banden mit 1500 Mitgliedern beteiligen. Während die um Drogenabsatzmärkte konkurrierenden Banden früher mit Messerstichen ihre Rivalen einschüchterten, wird heute gezielt gemordet.

Mindestens 15 Zufallsopfer

Häufig kommen dabei automatische Schusswaffen zum Einsatz. Mindestens 15 Unbeteiligte wurden seit 2010 in Schweden durch verirrte Kugeln oder Bombenattentate getötet.

2018 verglich eine Studie 13 europäische Länder und kam zum Schluss, dass es nirgendwo so viele Schiessereien unter 15- bis 29-Jährigen gibt wie in Schweden. Die engen Wohnblöcke in den Vororten, die Integrationsprobleme in den Quartieren mit hohem Migrationsanteil und die nach Griechenland, Spanien und Italien vierthöchste Jugendarbeitslosigkeit in der EU sind mögliche Erklärungen.

Nicht nur die Angriffe auf andere Banden nehmen zu, sondern auch Sprengstoffattentate: Wer Autos oder gar Gebäude in die Luft jagen kann, gibt eine klare Warnung an Rivalen ab. Im letzten Jahr gab es in Schweden 257 Sprengungsversuche, mehr als doppelt so viele wie 2018.

Schon Achtjährige sind gewalttätig

Sowohl Täter wie auch Opfer werden jünger. Schwedens Polizeichef Anders Thornberg erklärte, die Polizei treffe zunehmend auf gewaltbereite Jugendliche zwischen 8 und 14 Jahren, die Waffen und Drogen bei sich hätten.

Das Bandenproblem wird jetzt auch bedrohlich für die links-grüne Regierung, da sich die Lage trotz dickem Massnahmenkatalog wenig verbessert. Die rechtsnationalen Schwedendemokraten fordern eine Beschränkung der Einwanderung.

Andere Stimmen verlangen eine sofortige Aufstockung der Polizei. Polizeichef Anders Thornberg hat keine schnelle Lösung parat: Die Situation könnte noch schlimmer werden, ehe man «die Entwicklung umkehren» könne. Das Bandenproblem sei über Jahrzehnte gewachsen, auch die Lösung brauche Zeit.

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