Berlin

Schlafen bei Kim Jong Un: Wie das nordkoreanische Regime mit Berliner Rucksacktouristen Geld verdient

Das stalinistisch anmutende Gebäude in Berlin, indem heute das Cityhostel untergebracht ist, gehört Nordkorea.

Das stalinistisch anmutende Gebäude in Berlin, indem heute das Cityhostel untergebracht ist, gehört Nordkorea.

Das Cityhostel in der deutschen Hauptstadt ist in einem Gebäude untergebracht, das Nordkorea gehört – immer noch. Monatlich fliessen so 38'000 Euro Miete an Kim Jong Un.

Seit Jahren zieht sich ein bizarrer Rechtsstreit zwischen Deutschland, Berlin, einem Betreiber einer Jugendherberge und dem nordkoreanischen Staat in die Länge. Gestern wurde vor dem Verwaltungsgericht Berlin der nächste Akt in der skurrilen Geschichte geschrieben.

Doch der Reihe nach: Mitten in Berlin, an bester Lage, in der Nähe zu Brandenburger Tor und Checkpoint Charly, befindet sich das in einem riesigen Plattenbau untergebrachte Cityhostel. Die Herberge mit insgesamt 435 Betten ist vor allem bei jungen Partygängern und Rucksacktouristen aus aller Welt beliebt.

Ein Schlafplatz im Mehrbettzimmer gibt es hier schon zum Schnäppchenpreis von 17 Euro pro Nacht. Günstiger wirds kaum in der deutschen Hauptstadt.

Jährlich eine halbe Million für Pjöngjang

Just angrenzend an das Cityhostel befindet sich, gut gesichert, die Botschaft der Volksrepublik Nordkorea. Die Nähe des Hostels zur diplomatischen Vertretung des kommunistischen Regimes alleine wäre an sich kein Problem.

Nur: Der hässliche Plattenbau, in dem heute die preisbewussten Touristen nächtigen, gehört ebenfalls der Volksrepublik Nordkorea. Das mehrere Stockwerke hohe Gebäude ist ein Überbleibsel aus DDR-Zeiten, als das nordkoreanische Regime in der Hauptstadt der DDR noch protzig Präsenz markieren wollte.

Die diplomatische Delegation ist längst verkleinert, seit Jahren wird nur noch ein Teil des Areals von Nordkorea als Botschaft genutzt, der Plattenbau wird vermietet. Früher war hier auch mal ein Fitness-Center eingemietet, seit 2007 wird das Haus an eine GmbH, die Hotels und Herbergen betreibt, vermietet.

Zu einem stolzen Preis: Gemäss Recherchen deutscher Zeitungen bezahlt die GmbH für das Haus eine Monatsmiete von 38000 Euro. Macht jährlich fast eine halbe Million Euro. Einnahmen, die der auf Devisen angewiesene nordkoreanische Staat gerne verbucht.

Doch das Devisengeschäft mit Nordkorea ist EU-weit verboten. Der UN-Sicherheitsrat hat bereits 2016 derartige Geschäfte mit Nordkorea untersagt, später zog die EU mit einer ähnlichen Verordnung nach. Experten gehen nämlich davon aus, dass das Regime in Pjöngjang mit Devisen sein Atomprogramm finanziert.

Der deutsche Nachrichtendienst warnte vor zwei Jahren, der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un finanziere mit den Einnahmen aus Berlin «Beschaffungsaktivitäten» für das Raketenprogramm, teilweise auch für das «Nuklearprogramm», wie es 2018 hiess.

Landet Fall vor Europäischem Gerichtshof?

Die Ausgangslage in Berlin ist verworren. Die Betreiber des Hostels behaupten, sie würden die Miete seit 2017 auf ein Sperrkonto überweisen, auf das Nordkorea keinen Zugriff habe. Und auf Druck des Auswärtigen Amtes der deutschen Bundesregierung hat Nordkorea den Betreibern bereits im Februar 2018 selbst gekündigt – hat aber fällige Gerichtskosten bislang nicht vorgeschossen, was auf Taktiererei Pjöngjangs schliessen lässt.

Bei der gestrigen Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Berlin lehnten sich die Betreiber gegen das baldige Aus für ihr Cityhostel auf. Weil die GmbH an Nordkorea keine Miete entrichte, verstosse man nicht gegen internationale Sanktionen und betreibe kein Devisengeschäft mit dem kommunistischen Regime, sagte der Anwalt der Betreiber vor Gericht.

Gut möglich, dass der bizarre Streit nun in die nächste Runde geht: Der Anwalt des Cityhostels beantragte beim Gericht eine Prüfung des Sachverhaltes vor dem Europäischen Gerichtshof. Diktator Kim Jong Un dürfte nichts dagegen haben, wenn noch eine Weile Rucksacktouristen im Cityhostel auf dem Gelände seiner Botschaft nächtigen.

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