Ausserdem stehe die Gruppe dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahe, sagte Regierungschef Ali Larayedh am Dienstag in Tunis. "Wir haben beschlossen, Ansar Al-Scharia als terroristische Organisation einzustufen", fügte er hinzu. Die Salafisten unterhielten Verbindungen zur Gruppe Al-Kaida im islamischen Maghreb (Aqmi) und anderen militanten Islamisten. Tunesien werde Ansar Al-Scharia mit allen Mitteln bekämpfen, betonte der Ministerpräsident.

Der Regierungschef warf den Salafisten überdies vor, hinter den militanten Aufständischen zu stehen, gegen welche die tunesische Armee seit Monaten in einer Bergregion an der Grenze zu Algerien kämpft. Ansar Al-Scharia sei in mehrere "Terroranschläge in Tunesien" verwickelt, darunter Angriffe auf Sicherheitskräfte und Mordanschläge, sagte Larayedh.

Die Ermordung des Oppositionspolitikers, Anwalts und Islamisten-Kritikers Belaïd hatte im Februar zum Sturz der ersten Regierung unter Führung der islamistischen Partei Ennahda geführt. Durch das Attentat auf den links-nationalen Abgeordneten Brahmi im Juli verschärfte sich die politische Krise in Tunesien.

Opferfamilien beschuldigen Regierungspartei

Die Familien der Opfer und Teile der Opposition machen die Regierungspartei für die Taten verantwortlich. Bisher lehnte es die Regierung ab, Ansar Al-Scharia als Terrororganisation einzustufen. Die Opposition warf der Ennahda daraufhin vor, zu nachgiebig mit den Salafisten umzugehen.

Ansar al-Scharia dementierte bisher eine Beteiligung am bewaffneten Kampf in Tunesien. Im Mai drohte ihr Anführer Abou Iyadh, der in Afghanistan kämpfte, der Regierung in Tunis jedoch mit "Krieg".

Unter dem Oberbegriff Salafismus versammelt sich eine Vielzahl islamistischer Parteien und Kleingruppierungen, die ein Ziel verbindet: Sie wollen den Staat und die Gesellschaft der Gegenwart nach dem Vorbild der frühislamischen Gesellschaft des siebten Jahrhunderts ausrichten.