Syrien

Putin und Trump können Erdogan nicht bremsen

Der türlische Präsident Recep Tayyip Erdogan verfolgt den Beginn der Militär-Operation zusammen mit seinem Verteidigungsminister.

Der türlische Präsident Recep Tayyip Erdogan verfolgt den Beginn der Militär-Operation zusammen mit seinem Verteidigungsminister.

Der Einmarsch türkischer Truppen in Syrien war seit Anfang Woche erwartet worden. Präsident Erdogan will einen kilometerbreiten Schutzkorridor errichten. Die Offensive richtet sich gegen die Kurden in Syrien, in denen Erdogan eine Gefahr für sein Land sieht.

Die Türkei hat ihre angekündigte Intervention im Nordosten Syriens gestartet. Kampfjets bombardierten am Mittwochnachmittag mehrere Stützpunkte der syrischen Kurdenmiliz YPG. Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, der Einsatz solle den «Terror-Korridor» der YPG zerschlagen und gleichzeitig die Voraussetzungen für die Einrichtung einer «Sicherheitszone» zur Rückführung von Millionen syrischer Flüchtlinge aus der Türkei schaffen.

Die EU rief die Türkei auf, die Intervention abzubrechen. Erste türkische Luftangriffe richteten sich gegen YPG-Stellungen in Ras al-Ain, einer syrischen Stadt gegenüber der türkischen Grenzstadt Ceylanpinar (siehe Karte). Auch in Qamisli weiter östlich soll es am Mittwochnachmittag schwere Explosionen gegeben haben. Türkische Artillerie beschoss YPG-Stellungen in der Stadt Tel Abyad; laut Medienberichten sollen die Luftangriffe und der Artilleriebeschuss den Einmarsch von Bodentruppen nach Syrien hinein vorbereiten.

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Unmittelbar nach Beginn der Offensive warfen sich beide Seiten gegenseitig vor, Zivilisten in Gefahr zu bringen. Türkische Medien berichteten, die YPG habe als Reaktion die türkischen Städte Ceylanpinar und Nusaybin beschossen. Kurdische Quellen meldeten, türkische Kampfjets hätten Wohngebiete bombardiert. Bei der Operation mit dem Namen «Quelle des Friedens» sollen türkische Einheiten und Ankara-treue Rebellenverbände aus Syrien bis zu 30 Kilometer tief nach Syrien vorstossen.

Der erste Grenzübertritt türkischer Truppen wurde in vorwiegend von Arabern bewohnten Gegenden auf der syrischen Seite der Grenze erwartet. Dort hätten die türkischen Soldaten weniger Widerstand zu erwarten als in kurdischen Gebieten. US-Präsident Donald Trump hatte der Türkei am Sonntag mit dem Befehl zum Rückzug der amerikanischen Truppen aus dem Norden Syrien grünes Licht für den Einmarsch gegeben. In den USA gab es dafür Kritik, weil die YPG der wichtigste Verbündete der USA im Kampf gegen den Islamischen Staat war.

Die Türkei sieht die YPG als Terrorgruppe, weil sie der syrische Ableger der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ist.

Russland und die USA sind gegen den Angriff

US-Politiker bereiten neue Sanktionen gegen die Türkei vor, um Ankara für den Angriff auf die YPG zu bestrafen. Auch sonst hat die Türkei kaum Unterstützer in der internationalen Gemeinschaft. Frankreich und Grossbritannien wollen die türkische Intervention vor dem UNO-Sicherheitsrat zur Sprache bringen.

Bei einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, seinem wichtigsten Partner im Syrien-Konflikt, warb Erdogan am Mittwoch um Unterstützung für die Intervention. Moskau ist gegen die Militäraktion und will, dass die Türkei mit der syrischen Zentralregierung in Damaskus kooperiert.

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