Nach der Ankunft in Rabat steht der übliche Höflichkeitsbesuch beim Gastgeber König Mohammed VI. auf dem Programm. Später am Nachmittag besucht der Papst eine Imam-Schule und trifft schliesslich sechzig Migranten. Vor seiner Abreise am Sonntagnachmittag feiert der Pontifex eine Messe, zu der zwischen 7000 und 10'000 Gläubige erwartet werden.

In Marokko ist der Islam Staatsreligion. König Mohammed VI. beansprucht nicht nur die weltliche Macht, sondern sieht sich auch als "Oberhaupt der Gläubigen" - nicht nur für die mehr als 99 Prozent Muslime im Land, sondern auch für die dort lebenden Christen und Juden. Laut Vatikan sind nur rund 23'000 Menschen in Marokko katholisch. Die meisten von ihnen sind zugezogen, entweder aus Europa oder vor allem aus Ländern südlich der Sahara.

Hoffnungen und Zweifel

Auf die Schwierigkeiten für die Minderheiten in dem nordafrikanischen Königreich wiesen die beiden katholischen Bischöfe hin, die die Einladung an den Papst neben dem König ausgesprochen hatten. "Ich möchte, dass wir als Christen Marokkaner werden können, ohne unsere Religion zu wechseln", sagte der Erzbischof von Rabat, Cristobal Lopez Romero, im Vorfeld des Besuchs bei einer Pressekonferenz. Es gebe fast keine marokkanischen Christen.

Der Erzbischof des in Nordmarokko gelegenen Tanger, Santiago Angelo Martinez, äusserte ein anderes Anliegen. "Meine grösste Sorge ist die Achtung der Rechte von Migranten", sagte der Spanier. "Manchmal verlieren wir die Hoffnung und ich hoffe, dass der Besuch des Papstes hier ein wenig Fortschritt bringt."

Immer wieder wird der Umgang der marokkanischen Sicherheitskräfte mit Flüchtlingen angeprangert. Seit einiger Zeit werden Flüchtlinge aus Ländern der Subsahara in Bussen von der Mittelmeerküste in südliche Landesteile transportiert, um sie von den Grenzen Richtung Europa fernzuhalten. Flüchtlinge und Nichtregierungsorganisationen kritisieren aber auch Rassismus in der Gesellschaft.

Papst appelliert an Solidarität

Marokko rückte bei dem Thema Flüchtlinge zuletzt verstärkt in den Fokus, seit Italien einen harten Antimigrationskurs fährt und die Überfahrt von Libyen nach Italien stark erschwert ist. Die Hauptroute hat sich nach Ansicht der EU-Grenzschutzagentur Frontex inzwischen ins westliche Mittelmeer verlagert. Das spanische Festland ist von Marokko aus zwischen 15 und 150 Kilometer entfernt.

Von Marokko aus wagten im vergangenen Jahr Zehntausende Flüchtlinge die Überfahrt nach Spanien. In den ersten Wochen 2019 erreichten 5000 Menschen von Marokko aus Spanien. Etwa 120 Menschen starben bereits. Papst Franziskus sind die Schutzsuchenden ein Herzensanliegen; er ruft immer wieder zu mehr Solidarität mit Flüchtlingen auf.

Für Papst Franziskus ist es die erste Reise nach Marokko. Vor ihm besuchte Papst Johannes Paul II. 1985 das nordafrikanische Königreich. In einer Videobotschaft vor der Reise sagte Franziskus, er werde als "Pilger des Friedens und der Brüderlichkeit" nach Marokko kommen.