Ihre Vorsitzende Kaja Kallas hat nun beste Chancen, die erste Ministerpräsidentin des baltischen Landes zu werden.

Auf Platz zwei kam die linksgerichtete Zentrumspartei von Regierungschef Juri Ratas mit 23 Prozent gefolgt von der rechtspopulistischen Ekre mit 17,8 Prozent. Die nationalkonservative und europakritische Partei konnte demnach mehr als doppelt so viele Stimmen erringen wie bei den letzten Wahlen. In den meisten Wahlumfragen hatte zuletzt die Zentrumspartei vorne gelegen.

Kallas dürften nun schwierige Koalitionsverhandlungen bevorstehen. Die 41-jährige Juristin war früher EU-Abgeordnete und hatte erst vor weniger als einem Jahr die Führung der wirtschaftsfreundlichen Reformpartei übernommen. Ihr Vater Siim Kallas gehörte zu den Parteigründern und war Ministerpräsident Estlands und EU-Kommissar.

Wirtschafts- und sozialpolitische Themen standen im Vordergrund des Wahlkampfes in dem Ostseestaat, der zuletzt durch den riesigen Geldwäscheskandal bei der estnischen Filiale der Danske Bank und zwei beim Doping erwischte Skilangläufer in die Schlagzeilen kam.

Zur Bestimmung der 101 Sitze im Parlament in Tallinn waren knapp eine Million Wahlberechtigte aufgerufen. Zur achten Wahl seit der wiedererlangten Unabhängigkeit Estland von der Sowjetunion 1991 traten 10 Parteien an. Die Wahlbeteiligung lag bei 63,1 Prozent.