Wahlen Afghanistan

Nichts kann sie abhalten: Afghanen gehen trotz Anschlägen wählen

Trotz Anschlägen: Präsidentschaftswahlen in Afghanistan

Trotz Anschlägen: Präsidentschaftswahlen in Afghanistan

Am Samstag haben Afghanen ihre Stimme für den neuen Präsidenten abgegeben. Trotz Angriffen und Bedrohungen der Taliban scheuten sich die Wähler nicht.

Bei der Präsidentenwahl in Afghanistan sind zwei Menschen getötet worden. Mindestens weiter 17 seien verletzt worden, teilten lokale Behördenvertreter mit. Die Wählerinnen und Wähler trotzen der Angstmache.

Die Wahlen hatten am Samstagmorgen begonnen. Bilder in sozialen Medien zeigten Menschen aus mehreren Provinzen, die ihre Stimme abgaben oder vor Wahllokalen warteten. Mehr als 72'000 Soldaten, Polizisten und Geheimdienstmitarbeiter sicherten die Wahl. Wegen der prekären Sicherheitslage konnte allerdings rund ein Drittel der Wahlzentren nicht öffnen.

Für die Wahl haben sich trotz der Drohungen der Taliban 9,7 Millionen der schätzungsweise 34 Millionen Afghanen registrieren lassen. Insgesamt treten bei der Wahl 18 Kandidaten an. Amtsinhaber Ghani und sein Erzrivale Abdullah Abdullah gelten als Favoriten. Mit Ergebnissen wird nicht vor dem 19. Oktober gerechnet. Sollte keiner der Kandidaten im ersten Anlauf mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten, ist für November eine Stichwahl vorgesehen.

Mit Ergebnissen der Wahl wird nicht vor dem 19. Oktober gerechnet. Sollte keiner der insgesamt 18 Kandidaten im ersten Anlauf mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten, ist für November eine Stichwahl vorgesehen.

Von Anschlägen überschattet

Bei der Explosion einer Mine in einem Wahllokal in der östlichen Provinz Nangarhar im Bezirk Surchrod seien mindestens eine Person getötet und drei verletzt worden, sagte der Provinzrat Sohrab Kaderi am Samstag. Ein Wahlbeobachter wurde bei dem Einschlag einer Rakete in der Nähe eines Wahllokals in der nördlichen Provinzhauptstadt Kundus getötet. Das berichtete der Provinzrat Maulawi Abdullah.

Zudem wurden mindestens 13 Zivilisten und ein Polizist in der südlichen Stadt Kandarhar verletzt, als eine in einem Lautsprecher einer Moschee versteckte Bombe detonierte. Die Moschee sei als Wahllokal genutzt worden, sagte ein Polizeibeamter. In Kandahar wurden Behördenangaben zufolge seit Freitagabend mindestens 31 Sprengsätze von den Sicherheitsbehörden entschärft oder kontrolliert gesprengt.

Auch aus der Hauptstadt Kabul gab es Berichte über kleinere Explosionen und Verwundete. Behördenvertreter sagten, sie wollten diese erst später kommentieren, man sammle noch Informationen.

Probleme mit Wählerlisten

Ausserdem behindern nach Berichten örtlicher Medien und Wahlbeobachter Organisationsmängel die Präsidentenwahl in Afghanistan. Die grössten Schwierigkeiten gebe es mit Wählerlisten, sagte der Chef der unabhängigen Wahlbeobachtungsorganisation Freies und Faires Wahlforum (FEFA), Jusuf Raschid Wähler, die sich zur Wahl registriert hätten, könnten ihre Namen nicht in den Listen ihres Wahlbüros finden.

Andere Namen würden nicht in den biometrischen Geräten erscheinen. Die Unabhängige Wahlkommission (IEC) hatte vor der Wahl erklärt, Wählerstimmen ohne biometrische Erfassung seien ungültig. Damit soll Wahlfälschung verhindert werden. Vor der Wahl waren die Wählerlisten der Stimmbüros daher auf biometrische Geräte gespielt worden. Sie erfassen unter anderem zwei Fingerabdrücke und Fotos der Wähler, bevor diese ihre Stimme abgeben.

Nach jeder Erfassung eines Wählers wird ein Aufkleber mit QR-Code gedruckt und auf den Stimmzettel geklebt. Auch die Wahlbeobachtungsorganisation TEFA, die eigenen Angaben zufolge Beobachter in allen 34 Provinzen hat, nannte als grösstes Problem das Fehlen von Wählernamen in den biometrischen Geräten.

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