Grossbritannien

Nach den Wahlen könnte Schottland sich vom Königreich loslösen wollen

Denken laut über eine Loslösung vom Vereinigten Königreich nach: die Schotten.

Denken laut über eine Loslösung vom Vereinigten Königreich nach: die Schotten.

Auch Nordirland liebäugelt mit einer Vereinigung mit der irischen Republik und einem Verbleib in der EU.

Im Schatten von Boris Johnsons Wahlsieg gab es am Donnerstag auch Ergebnisse, die dem Premierminister Kopfzerbrechen bereiten dürften. Dazu zählt das hervorragende Abschneiden der Befürworter schottischer Unabhängigkeit.

Die Nationalpartei SNP holte 45 Prozent der Stimmen und 48 der 59 schottischen Unterhausmandate. «Schottland hat erneut Nein zum Brexit gesagt», folgerte SNP-Chefin Nicola Sturgeon. Kommende Woche werde ihre Regierung einen Plan für das zweite Schottische Unabhängigkeitsreferendum binnen sechs Jahren vorlegen.

In der Downing Street sieht man das anders. Johnson will an der Einheit des gesamten Vereinigten Königreichs festhalten. Begehren aus Edinburgh will er ohne Antwort zurückgehen lassen.

Ähnlich sieht die Situation in Nordirland aus. Sinn Féin, einst das Europafeindliche Vehikel der republikanischen Terrortruppe IRA, hat sich längst in eine moderne, EU-freundliche Partei gewandelt. Am Donnerstag gewann sie das wichtigste Duell in der britischen Provinz: In Nord-Belfast jagte John Finucane, Sohn eines von loyalistischen Terroristen erschossenen IRA-Anwalts, dem Fraktionschef der Unionistenpartei DUP das Mandat ab.

Die nach Dublin orientierten katholischen Nationalisten sind neu deutlich stärker als die Königs-treuen protestantischen Unionisten.

Allerdings werden nur die beiden Vertreter der gemässigten Social Democratic and Labour Party die irlandfreundlichen nordirischen Bürger in Westminster vertreten. Sinn Féin will bei der traditionellen Blockade des Parlaments bleiben.

Bei der nächsten Gesprächsrunde über die Wiederherstellung der nordirischen Regionalregierung stehen Sinn Féin und die Unionistenpartei wegen ihrer erheblichen Stimmverluste unter Druck, nach drei Jahren endlich zu einer Einigung zu kommen. Antreiber dürfte die überkonfessionelle Allianzpartei sein, die 8,8 Prozent hinzugewann und nach vierjähriger Pause wieder einen Vertreter nach London entsendet.

Johnson persönlich wird Zeit und politische Energie investieren müssen, um die Streithähne zu zähmen. Sonst dürften die Stimmen für eine Volksabstimmung lauter werden, welche die Wiedervereinigung Nordirlands mit der Republik im Süden zum Ziel hat.

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