Algerien

Mr. Marlboro: Das ist der einäugige Gotteskrieger

Moktar Belmoktar, Chef der dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahestehenden «Maskierte Brigade» hat sich zur Geiselnahme bekannt.

Moktar Belmoktar, Chef der dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahestehenden «Maskierte Brigade» hat sich zur Geiselnahme bekannt.

Mokhtar Belmokhtar steht hinter der blutigen Geiselnahme in In Amenas. DerAlgerier hatte seine Karriereals Dschihadist eigentlich schon an den Nagel gehängt.

Für einen Terroristen, der von den algerischen Behörden bereits ein halbes Dutzend Mal für tot erklärt worden wurde, ist Mokhtar Belmokhtar ziemlich aktiv. Dass die blutige Geiselnahme Dutzender ausländischer Arbeiter auf dem Gelände der Erdgasanlage In Amenas im Osten Algeriens auf das Konto des selbst ernannten Gotteskriegers und mächtigen Warlord geht, scheint ausser Zweifel zu stehen.

Zu dem Angriff, der offenbar Dutzenden Ausländern wie Angreifern das Leben gekostet hat, bekannte sich die Gruppe Muwaqiun bil-Dam («die mit Blut unterschreiben»). Ihr Anführer ist Belmokhtar. Dieser soll bei dem Angriff auf das Gasfeld nicht vor Ort gewesen zu sein. Die algerische Regierung bezeichnete ihn aber als Drahtzieher der Geiselnahme.

Mr. Marlboro

Noch vor zwei Jahren war der heute so gefürchtete Dschihadist nicht viel mehr als ein Berufskrimineller, wenn auch ein besonders gerissener. Mit Lösegeldentführungen, vor allem aber mit dem Schmuggel von Zigaretten und Drogen in den Weiten der Sahara erzielten er uns seine etwa 500 Männer zählende Truppe gewaltige Gewinne. Sein Spitzname «Mr. Marlboro» stammt aus dieser Zeit.

Ihren Aktionsradius weitete die Gruppe seit der Jahrtausendwende über die algerische Grenze nach Mali, Mauretanien, Niger und Libyen aus. Der lokalen Bevölkerung präsentierte sich Belmokhtar als ein Robin Hood der Wüste. Seine grosszügigen Geldgeschenke sicherten ihm Unterschlupf vor den Behörden in einem Gebiet so gross wie Westeuropa. Zu keinem Zeitpunkt versuchte die Gruppe, der Bevölkerung einen streng religiösen Lebensstil aufzuzwingen. Das brachte ihr die Kritik rivalisierender Islamistenorganisationen ein. «Gewinnstreben hatte klare Priorität gegenüber fundamentalistischen Überzeugungen», hält der Maghreb-Experte Geoff Porter dazu fest. Eine strategische Gefahr für die Länder Nordafrikas oder Europa sei von der Gruppe zu diesem Zeitpunkt nicht zu erkennen gewesen.

Die Wende kam nach dem libyschen Bürgerkrieg im Jahr 2011, der eine Waffenflut in ganz Nordafrika auslöste. Mit ihrem Millionenvermögen kaufte die Gruppe im grossen Stil Waffen aus den geplünderten Arsenalen des libyschen Diktators Muammar Gaddafi. Und Belmokhtar besann sich seiner radikalislamischen Wurzeln.

In Afghanistan ein Auge verloren

Geboren in der algerischen Oasenstadt Ghardaia, hatte er sich einst als 19-Jähriger den Aufständischen in Afghanistan angeschlossen. Bei den Kämpfen am Hindukusch verlor er ein Auge und gewann den Respekt islamistischer Terrorgruppen in seiner Heimat. Als Anführer der Al-Kaida-nahen Salafistengruppe für Predigt und Kampf soll er für zahlreiche blutige Anschläge während des algerischen Bürgerkriegs verantwortlich gewesen sein. Doch als ihn die algerische Armee Ende der 1990er-Jahre immer tiefer in die Wüste drängte, tauschte er sein Dschihadisten-Dasein gegen eine Karriere als Schmuggelfürst ein.

Nun hat ihn der Mali-Konflikt zurück auf die Landkarte des islamistischen Terrorismus katapultiert. An der Eroberung Nordmalis beteiligte sich Belmokhtar mit einer eigenen Brigade. Das Kidnapping der ausländischen Arbeiter soll der Vorbote weiterer Angriffe auf westliche Einrichtungen sein. Einer seiner Vertrauten sagte gestern gegenüber Medien: «Nun tragen wir den Konflikt in die Welt hinaus.»

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