Ein Selbstmordattentäter riss vor der Polizeiakademie in Kabul mindestens 20 Kadetten mit in den Tod. Mindestens 25 weitere Menschen seien bei der Detonation am Freitagabend verletzt worden, sagte ein Beamter im afghanischen Innenministerium der Nachrichtenagentur dpa.

Es war der zweite Anschlag in Kabul innerhalb von weniger als 24 Stunden. In der Nacht zu Freitag waren bei der Detonation einer Bombe in einem Lastwagen nach Regierungsangaben mindestens 15 Menschen getötet und 250 weitere verletzt worden.

Der Attentäter vor der Polizeiakademie hatte sich den Angaben aus dem Ministerium zufolge als Kadett ausgegeben und in eine Schlange vor dem Eingang eingereiht. Die jungen Männer hätten darauf gewartet, nach dem Wochenende - das in Afghanistan am Freitag ist - durch die Sicherheitskontrolle zurück in die Polizeiakademie zu gelangen, hiess es.

Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Krankenwagen zahlreiche Verletzte in transportierten transportierten.

Zunächst bekannte sich niemand zu dem neuen Anschlag. Nach dem Anschlag aus der vorherigen Nacht hatten die radikal-islamischen Taliban mitgeteilt, sie prüften den Vorfall.

Attacke auf Armee-Geheimdienst

Kabuls Polizeichef Abdul Rahman Rahimi sagte, Ziel des nächtlichen Anschlags sei eine Einheit des Armee-Geheimdienstes auf einer Basis in einem Wohnviertel gewesen. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat, zu der es kurz nach einem Führungswechsel bei den Taliban kam.

Das Gesundheitsministerium sprach sogar von mehr als 400 Verletzten. Viele von ihnen hätten allerdings leichte Verletzungen etwa durch Glassplitter erlitten.

Dutzende Wohnhäuser und Läden wurden durch die Explosion zerstört oder beschädigt. Einige Dächer stürzten ein. Die in der ganzen Stadt hörbare Detonation riss einen Krater von rund zehn Metern Tiefe und einem Durchmesser von etwa 15 Metern in die Strasse.

Die Vereinten Nationen hatten erst am Mittwoch in ihrem Halbjahresbericht erklärt, dass in den ersten sechs Monaten dieses Jahres in Afghanistan fast 5000 Zivilisten getötet oder verletzt worden seien. Die UNO machte die Taliban und andere Aufständische für 70 Prozent der zivilen Opfer verantwortlich.