Vom Norden her kamen die Rebellen bis auf zehn Kilometer an die Stadt heran, die zwischen Tripolis und Gaddafis Heimatstadt Sirte liegt. Auch von Westen her rückten Truppen an, sagte der örtliche Rebellensprecher Abdul Baset Naama.

Man versuche trotz des Vorstosses weiterhin mit den Stammesältesten über eine friedliche Kapitulation zu verhandeln. Das Ultimatum laufe am Sonntagvormittag um 10.00 Uhr ab, sagte ein Vertreter des Militärrates der Nachrichtenagentur AFP.

Auch die anderen verbleibenden Hochburgen Gaddafis - Sirte, Dschufra und Sabha - wollen die Rebellen einkesseln. Das sagte der Vorsitzende des Nationalen Übergangrats Mustafa Abdul Dschalil. Er sprach von einem Ultimatum, das in der kommenden Woche verstreiche und sagte, bis dahin solle die Belagerung aufrechterhalten bleiben.

Geheimdienste arbeiteten mit Gaddafi

Im Gebäude des libyschen Geheimdienstes in Tripolis tauchten unterdessen brisante Dokumente auf. Sie wurden von Forschern der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch und Journalisten ausgewertet. Nach Medienberichten geht aus den Dokumenten hervor, dass westliche Geheimdienste eng mit Gaddafi zusammengearbeitet haben.

Hinweise auf derartige Verbindungen gab es zwar auch schon zuvor. In den jetzt aufgetauchten Unterlagen finden sich jedoch neue Einzelheiten zu den Verbindungen zwischen westlichen Ländern und dem Gaddafi-Regime. Viele dieser Länder beteiligten sich an den NATO-Angriffen, die den Rebellen beim Sturz Gaddafis halfen.

Übergangsrat zieht bald um

Der Übergangsrat der neuen Machthaber in Libyen will in der kommenden Woche von Bengasi in die Hauptstadt Tripolis umziehen. Dies kündigte der Vorsitzende des Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil an, wie Rundfunksender in Tripolis am Samstag berichteten.

Beobachter gehen davon aus, dass sich das Gremium nach dem Umzug zur neuen Übergangsregierung des Landes erklären wird. Einzelne Minister waren danach bereits nach Tripolis gereist.