Sie war bisher als die stillere der Zwillingstöchter von Präsident George W. Bush bekannt: Während Jenna in jungen Jahren durch Alkoholexzesse für Schlagzeilen sorgte und nun als Fernsehkorrespondentin arbeitet, hielt sich Barbara häufig im Hintergrund.

Dies hat nun ein Ende. Gestern schaltete die Homosexuellen-Organisation Human Rights Campaign eine Videobotschaft der mittlerweile 29-Jährigen auf, in der sie sich für die Legalisierung von gleichgeschlechtlichen Ehen ausspricht.

Fairness und Gleichheit

«Ich bin Barbara Bush», sagt die Präsidententochter in dem 22 Sekunden langen Video, «und ich bin eine New Yorkerin, die sich für Gleichberechtigung bei der Eheschliessung einsetzt.» New York definiere sich über Fairness und Gleichheit. «Jeder sollte das Recht haben, diejenige Person zu heiraten, die er liebt.»

Der Hintergrund: Interessengruppen bemühen sich darum, die Schwulen-Ehe auch im Staat New York zu legalisieren – nachdem ein entsprechender Gesetzesentwurf 2009 im Staatsparlament scheiterte.

Barbara Bush, die als Designerin in Manhattan arbeitet, geht mit ihrer Video-Botschaft auf Konfrontationskurs zu ihrem Vater. Dieser setzte sich als Präsident für die Verabschiedung eines Verfassungszusatzes ein, in dem der Begriff Ehe als ein Bündnis zwischen einem Mann und einer Frau definiert worden wäre – scheiterte damit aber kläglich.

Selbst Vizepräsident Dick Cheney, sonst ein loyaler Verbündeter, versagte Bush die Unterstützung: Denn seine Tochter Mary lebt seit Jahren mit ihrer lesbischen Partnerin zusammen, mit der sie zwei Kinder hat.

«Eine gesunde Familiendynamik»

Die Absatzbewegung der Bush-Tochter erinnert an den Lärm, der Meghan McCain regelmässig verursacht. Die 26-Jährige hat sich darauf spezialisiert, öffentlich ihrem Vater John McCain zu widersprechen. So setzt sie sich ebenfalls für Homosexuellen-Eheschliessungen ein; auch unterstützte sie die parlamentarischen Bemühungen, das amerikanische Militär für bekennende Schwule zu öffnen.

Die junge Republikanerin sieht in den offen ausgetragenen Meinungsverschiedenheiten allerdings kein Problem. «Ich glaube, es zeigt eine gesunde Dynamik in einer Familie. Wir sollten nicht alle dasselbe denken.»