Syrien

Keine vorschnelle Militäraktion

Viele Kinder sind laut Hilfsorganisationen unter den Opfern des mutmasslichen Giftgasangriffs auf Douma

Viele Kinder sind laut Hilfsorganisationen unter den Opfern des mutmasslichen Giftgasangriffs auf Douma

Nach einem erneuten mutmasslichen Einsatz von Giftgas in Syrien prüfen die USA «Handlungsbedarf». Der Kommentar.

Zur Bewertung von Berichten über Gräueltaten ist es notwendig, dass man ihren Verfassern vertrauen kann. In Syrien ist es allerdings schwierig, vertrauenswürdige Quellen zu finden. So ist die Hilfsorganisation «Weisse Helme», die am Wochenende ein mutmassliches Giftgas-Massaker mit entsetzlichen Bildern dokumentierte, dafür bekannt, dass sie eng mit der «Armee des Islam» kooperiert. Die Rebellengruppe hatte bereits über ihre Kapitulation verhandelt, entschied sich dann aber, ihren aussichtslosen Kampf gegen die Assad-Armee fortzusetzen.

Über das menschenverachtende Vorgehen dieser Streitmacht ist viel berichtet worden. Es besteht kein Zweifel, dass ihr jede Schandtat zuzutrauen ist. Dazu gehören auch Giftgasangriffe, die in Ost-Ghuta aber nicht notwendig wären, um die geschwächten Rebellen zu schlagen. Das heisst aber nicht, dass in den Vorstädten von Damaskus kein Giftgas eingesetzt wurde. Rebellen und das Regime beschuldigen sich gegenseitig, für das mutmassliche Massaker verantwortlich zu sein. Und der Westen reagiert meist reflexartig, wenn neue Horrormeldungen aus Syrien kommen.

Dabei wäre es vernünftiger, eine unparteiische Untersuchung abzuwarten, bevor man handelt. Dies will offenbar auch US-Präsident Trump, der sich – trotz erster Schuldzuweisungen an Russland und Iran – für eine «Verifizierung» der Berichte aus Ost-Ghuta aussprach – und damit richtig lag. Für eine Militäraktion wäre danach immer noch Zeit, falls sich herausstellen sollte, dass Assad erneut Giftgas gegen seine eigenen Landsleute eingesetzt hat.

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