Italien

Junge Kapitänin der «Sea Watch 3» fordert Innenminister Salvini heraus

© Malta Today

Die 31-jährige Deutsche Carola Rackete ist Kommandantin der «Sea Watch 3». Sie hat angekündigt, 42 gerettete Flüchtlinge trotz des Verbots von Innenminister Matteo Salvini nach Lampedusa zu bringen.

Die «Sea Watch 3» der gleichnamigen deutschen Hilfsorganisation dümpelt bereits seit zwei Wochen knapp ausserhalb der italienischen Hoheitsgewässer vor Lampedusa, dem südlichsten Punkt Europas. Die Insel befindet sich auf Sichtweite des Schiffs, keine zwei Stunden Fahrt entfernt.

Auf dem Deck befinden sich auf engstem Raum 42 Flüchtlinge, unter der sengenden Sonne des südlichen Mittelmeers. «Die Migranten sind verzweifelt, einige drohen mit einem Hungerstreik, andere wollen ins Meer springen oder sich die Pulsadern aufschneiden», sagte Carola Rackete gegenüber der Römer Zeitung «La Repubblica».

Die junge Kapitänin aus dem deutschen Bundesland Niedersachsen hatte nach der Rettung der Flüchtlinge per Funk um Zuweisung eines sicheren Hafens gebeten, aber sowohl von den italienischen als auch von den maltesischen Behörden eine Absage erhalten. «Holländisches Schiff, deutsche Hilfsorganisation – also die Hälfte der Migranten nach Amsterdam, die andere Hälfte nach Berlin. Und dann Beschlagnahmung des Piratenschiffs. Punkt», twitterte Italiens Innenminister Matteo Salvini.

Dank eines neuen Dekrets, das er vor wenigen Tagen durchs Parlament geboxt hat, kann der Chef der rechtsradikalen Lega nun Schiffen, die er als «Gefahr für die nationale Sicherheit» betrachtet, die Einfahrt in italienische Hoheitsgewässer verweigern. Schiffsbesatzungen, die sich nicht daran halten, drohen Bussen bis zu 50 000 Euro

Rackete drohen Busse und Anklage

Nach wochenlangem Nervenkrieg will Carola Rackete dies nun in Kauf nehmen: Sie erklärte, dass sie die Flüchtlinge trotz des Verbots nach Lampedusa bringen werde. «Ich habe keine andere Wahl, denn die Migranten an Bord sind am Ende ihrer Kräfte», erklärt sie. Auch sie selber ist von der Warterei auf See gezeichnet und sagt, dass sie in der Nacht kaum noch schlafen könne.

Rackete weiss, dass sie bei der Missachtung von Salvinis Weisung in Italien nicht nur eine hohe Busse und die Beschlagnahmung ihres Schiffs, sondern auch eine Anklage wegen Beihilfe zur illegalen Immigration und wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung riskiert. Damit droht ihr eine langjährige Zuchthausstrafe. «Ich hoffe, dass die italienischen Richter feststellen werden, dass wir weder Schlepper noch eine Gefahr für die nationale Sicherheit sind, wie Salvini behauptet.»

Die Flüchtlinge waren von der 22-köpfigen Crew der «Sea Watch 3» am Morgen des 12. Juni vor der libyschen Küste aus Seenot gerettet worden. Damals waren es noch 53 Personen gewesen. Elf von ihnen hat Italien inzwischen an Land gehen lassen: Schwangere, Kleinkinder und Kranke. Den Vorschlag Salvinis, die verbliebenen Migranten nach Holland oder Deutschland zu bringen, bezeichnet Rackete als lächerlich: «Man müsste ja ganz Europa umrunden.»

Ausserdem spricht das internationale Seerecht eine klare Sprache: Menschen in Seenot müssen immer gerettet und dann in den nächsten sicheren Hafen gebracht werden. Und dieser ist im vorliegenden Fall nun einmal Lampedusa.

Die junge Kapitänin der «Sea Watch 3», die nun vor ihrer bisher schwierigsten Entscheidung steht, hatte Nautik studiert und sich danach zur Schiffsführerin ausbilden lassen. Daneben verfügt sie über einen Mastertitel in Naturschutz. Bevor sie im Jahr 2016 zur Organisation «Sea Watch» stiess, nahm sie auf Eisbrechern an Polarexpeditionen teil; später fuhr sie auch für «Greenpeace».

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