Kämpfer der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) seien am Samstagabend von drei Seiten aus auf die Industrieanlage im nördlich gelegenen Baidschi vorgerückt, berichteten ein Polizeioffizier und Augenzeugen. Nach heftigen Kämpfen gelang es den Regierungstruppen dann am Sonntag, die Dschihadisten wieder aus der Anlage zu vertreiben.

Es seien 30 Extremisten getötet worden, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte am Sonntag. Angaben zu Verlusten der irakischen Armee gab es nicht. Sieben Selbstmordattentäter hätten sich beim IS-Vorstoss am Samstagabend in die Luft gesprengt, meldete die Nachrichtenseite Al-Mada. Die irakische Armee erhielt Unterstützung von Kampfflugzeugen.

Die sunnitischen Extremisten versuchen seit Wochen, die strategisch wichtige Anlage rund 200 Kilometer nördlich von Bagdad in ihre Gewalt zu bringen. Im Juni gelang es ihnen, in den weitläufigen Raffineriekomplex einzudringen. Die Terrorgruppe IS beherrscht bereits grosse Teile im Norden und Westen des Iraks.

Die Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten wurden durch einen Angriff auf eine sunnitische Moschee mit 70 Toten am Freitag und fast 40 Toten bei mehreren Anschlägen am Samstag weiter angeheizt. Im Zentrum der Angriffe vom Samstag stand Kirkuk. Die nordirakische Stadt wurde von drei Bombenanschlägen erschüttert. Mehr als 20 Menschen wurden getötet.

Warnung vor Katastrophe

Die UNO warnte am Samstag vor einer Katastrophe in der überwiegend von schiitischen Turkmenen bewohnten Stadt Amerli im Nordirak. Die Lage der Menschen in der seit zwei Monaten von IS-Kämpfern belagerten Stadt sei "verzweifelt" und erfordere ein sofortiges Eingreifen, erklärte der UNO-Sondergesandte Nikolai Mladenow.

Die Lieferwege für Wasser und Lebensmittel seien versperrt. Mladenow appellierte an Iraks Regierung, die Belagerung durch die Extremisten aufzubrechen.

US-Vizepräsident Joe Biden sprach sich in einem Beitrag in der "Washington Post" für ein föderalistisches System aus, um der Spaltung des Landes zu begegnen. Er sicherte Bagdad zudem weitere Unterstützung im Kampf gegen den IS zu.

Nach der Enthauptung des US-Journalisten James Foley durch IS-Kämpfer erwägt Washington inzwischen auch, die Luftangriffe auf die Dschihadisten in Syrien auszuweiten.

Wachsende Angst vor Rückkehrern

In westlichen Ländern wächst die Angst vor islamistischen Kämpfern, die aus den Kriegsgebieten im Irak und in Syrien zurückkehren. "Diese Männer haben gelernt zu töten und zu hassen. Sie stellen eine Gefahr für unser Land dar", sagte der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere der "Bild am Sonntag".

Seine britische Amtskollegin Theresa May kündigte an, neue Gesetze gegen radikale Islamisten vorzubereiten und stimmte die Bürger auf einen langen Kampf gegen eine "tödliche Extremistenideologie" ein. Auch der kanadische Geheimdienstchef warnte vor zurückkehrenden Islamisten.

Die Diskussion über islamistische Kämpfer aus dem Westen ist erneut aufgeflammt, weil der Mörder des US-Journalisten James Foley britischer Staatsbürger sein soll. Gemäss der "Sunday Times" sollen britische Geheimdienste den Mann identifiziert haben: Es sei ein 23-Jähriger aus London. Die IS-Miliz hatte ein Video veröffentlicht, auf dem die Enthauptung des 40-Jährigen zu sehen ist.