Flüchtlinge

Hausarrest aufgehoben: Sea-Watch-Kapitänin Rackete kommt wieder frei

Carola Rackete freigesprochen

Carola Rackete freigesprochen

Am Dienstagabend ist das Urteil gefallen. Die deutsche Kapitänin der "Sea-Watch 3" wurde freigesprochen und von den Vorwürfen entlastet. Matteo Salvini ist mit der Freilassung nicht glücklich. (2.7.2019)

Die Kapitänin der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch, Carola Rackete, kommt frei. Ein italienischer Ermittlungsrichter im sizilianischen Agrigent hob den Hausarrest am Dienstag auf, wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete.

Es seien keine weiteren freiheitsentziehenden Massnahmen angeordnet worden. Italiens Innenminister Matteo Salvini erklärte gleichzeitig, die Ausweisung Racketes sei vorbereitet. Sie stelle eine Gefahr für die nationale Sicherheit dar.

Rackete hatte vergangene Woche das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" mit mehr als 40 Bootsflüchtlingen an Bord unerlaubt in die italienischen Hoheitsgewässer gesteuert. In der Nacht auf Samstag fuhr sie - ebenfalls trotz eines Verbots - in den Hafen der sizilianischen Insel Lampedusa. Am Samstag war sie festgenommen und unter Hausarrest gestellt worden. Die "Sea-Watch 3" wurde beschlagnahmt.

Ein italienischer Ermittlungsrichter hat den Hausarrest gegen die Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete aufgehoben. (Bild vom 26. Juni)

Ein italienischer Ermittlungsrichter hat den Hausarrest gegen die Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete aufgehoben. (Bild vom 26. Juni)

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung und will den genauen Fortgang des Rettungseinsatzes untersuchen. Im schlimmsten Fall droht Rackete eine Haftstrafe.

Auf dem Meer gewartet

Die deutsche Organisation Sea-Watch hatte nach der Rettung von insgesamt 53 Flüchtlingen vor der libyschen Küste am 12. Juni mehr als zwei Wochen auf dem Meer vergeblich auf eine Erlaubnis zum Anlegen in Italien gewartet.

Rackete rechtfertigte ihre Entscheidung, das Anlegen zu erzwingen, mit der verzweifelten Lage an Bord und der Sorge, dass Menschen über Bord in den Tod springen könnten. Die Staatsanwaltschaft sieht eine solche Notlage nicht, auch weil 13 Flüchtlinge das Schiff unter anderem aus gesundheitlichen Gründen schon früher verlassen konnten.

«Beschämend für ein Land wie Deutschland!»

«Beschämend für ein Land wie Deutschland!»

Nach der Festnahme von Carola Rackete und der Beschlagnahmung der Sea Watch 3 in Lampedusa, nimmt die Hilfsorganisation zum Vorfall Stellung und übt Kritik an der deutschen Regierung. (2.7.2019)

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte wenige Tage vor dem unerlaubten Einlaufen der "Sea-Watch 3" in den Hafen von Lampedusa einen Eilantrag unter anderem von Rackete abgelehnt, mit dem Schiff in Italien anlegen zu dürfen.

Nach ihrer Festnahme wurden in Deutschland und Italien jede Menge Spenden für Sea-Watch gesammelt - mehr als eine Million Euro kamen unter anderem durch den Aufruf von den Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf zusammen. Damit sollen die Gerichtskosten für Rackete und eventuell ein neues Schiff finanziert werden, erklärte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer.

Verteilung der Flüchtlinge gefordert

Italien will keine NGO-Schiffe anlegen lassen, wenn nicht gewährleistet ist, dass die Flüchtlinge auf andere EU-Staaten verteilt werden. Über die 53 Menschen wird noch immer verhandelt. Sie befinden sich weiterhin auf Lampedusa. Fünf Staaten wollen sich an einer Lösung beteiligen.

Mehrere Jahre Gefängnis für «Sea-Watch 3»-Kapitänin

Mehrere Jahre Gefängnis für «Sea-Watch 3»-Kapitänin?

30. Juni: Carola Rackete hat trotz Androhung einer Haftstrafe das Schiff vor der italienischen Insel Lampedusa angelegt. Sie habe nur ihren Job gemacht – Menschen in Seenot retten. Italiens Innenminister, Matteo Salvini, ist da anderer Meinung.

In den Fall Rackete hatte sich selbst der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eingeschaltet und Italien wegen der Festnahme kritisiert. Die deutsche Regierung hatte sich generell gegen eine "Kriminalisierung von Seenotrettern" ausgesprochen, aber von den Helfern auch die Einhaltung geltenden Rechts gefordert.

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