Am Rande der nordirischen Stadt Londonderry ist es in der Nacht auf Freitag zu gewaltsamen Ausschreitungen und tödlichen Schüssen auf eine junge Frau gekommen. Der Tod der 29-Jährigen in der Wohnsiedlung Creggan werde als «terroristischer Vorfall» behandelt.

Dies teilte die örtliche Polizei in der Nacht zum Freitag über Twitter mit. «Wir behandeln dies als terroristischen Vorfall und haben zudem Mordermittlungen eingeleitet.» Zuvor hatte die britische Polizei darüber informiert, dass in Creggan Brandsätze geschleudert und mehrere Schüsse abgefeuert worden seien.

Auf Bildern vom Ort des Geschehens waren brennende Autos und verkohlte Fahrzeugwracks zu sehen. Zu den Hintergründen gaben die Behörden zunächst keine Details preis. Es wird allerdings vermutet, dass der jährliche Protest an Ostern im ursprünglichen Nordirland-Konflikt auch in diesem Jahr der Auslöser für die Krawalle war. Die Gewalt trug sich vor dem Osterwochenende zu - einem Zeitpunkt, zu dem irisch-katholische Nationalisten an den Aufstand gegen die Briten im Jahr 1916 erinnern.

Aufflammende Kontroverse

Londonderry hat rund 85'000 Einwohner und liegt im äussersten Nordwesten der nordirischen Provinz an der Grenze zur Republik Irland. Dort wohnen vor allem Katholiken, die ihre Stadt schlicht Derry nennen. In dem britischen Landesteil treiben paramilitärische Gruppierungen ihr Unwesen.

Die Vorsitzende der nordirischen Democratic Unionist Party (DUP), Arlene Foster, verurteilte in der Nacht auf Freitag die «sinnlose» Gewalt. «Diejenigen, die in den Siebziger-, Achtziger- und Neunzigerjahren Schusswaffen in unsere Strassen gebracht haben, lagen falsch. 2019 ist es genauso falsch.»

 
Auch die Vize-Vorsitzende der nationalistischen Sinn Fein, Michelle O'Neill, verurteilte den Tod der jungen Frau. «Das war ein Angriff auf die Gemeinschaft, ein Angriff auf den Friedensprozess und auf das Karteifreitagsabkommen.»

Das Karfreitagsabkommen von 1998 hatte den Nordirland-Konflikt beendet. In der britischen Provinz hatten sich jahrzehntelang irisch-katholische Nationalisten und protestantische Loyalisten bekämpft. Seit den Sechzigerjahren starben dabei 3500 Menschen, viele wurden von der irisch-republikanischen Untergrundorganisation IRA getötet.

Brexit als Anlass

Seit Jahresbeginn sind wiederholt Sprengsätze in Londonderry explodiert, ohne dass es dabei Verletzte gegeben hätte. Einer davon detonierte im Januar vor einem Gericht mitten in der Stadt, nachdem kurz zuvor eine Warnung bei den Behörden eingegangen war.

Zuletzt waren die Sorgen gewachsen, dass sich die Gewaltspirale in der Ex-Bürgerkriegsregion im Zuge des Brexits und der künftig zur EU gehörenden Republik Irland wieder in Gang setzt. In dem über Jahrzehnte währenden Konflikt standen katholische Nationalisten, die eine Vereinigung mit Irland anstreben, protestantischen Unionisten gegenüber, die weiterhin zu Grossbritannien gehören wollen. (cbe/sda/afp/dpa)