Zum Abschluss des dreitägigen Weltkongresses der Familien in Verona haben am Sonntag etwa 10'000 Menschen für eine intensivere Familienpolitik demonstriert. Die Demonstranten, die durch die Strassen der Innenstadt zogen, forderten von der italienischen Regierung konkret mehr Unterstützung für "traditionelle Familien".

An der Demonstration beteiligten sich katholische sowie Anti-Abtreibungs-Organisationen. Sie wurden vom Bürgermeister von Verona, Federico Sboarina, begrüsst. Angeführt wurde die Kundgebung von Massimo Gandolfini. Er ist Präsident des katholischen Verbands "Family Day", der sich für eine restriktive Änderung des seit den 70er-Jahren in Italien geltenden Gesetzes zur Schwangerschaftsunterbrechung einsetzt. Sechs Millionen Kinder seien seit 1978 in Italien wegen dieses Gesetzes nicht zur Welt gekommen, kritisierte Gandolfini.

Netzwerk aus den USA

Der Weltkongress der Familien, zu dem 3000 Teilnehmer aus mehr als 100 Ländern angereist waren, befasst sich mit Themen rund um die "traditionelle Familie" in der modernen Welt. Ausgerichtet wurde er von internationalen katholischen Organisationen und Familienorganisationen vor allem aus den USA und Europa. Hinter dem Treffen steht ein christliches Netzwerk evangelikaler Prägung aus den USA, das gegen Abtreibung und gegen die Homo-Ehe eintritt.

Auch der italienische Innenminister und Chef der rechten Regierungspartei Lega, Matteo Salvini, hatte sich am Samstag für die Unterstützung heterosexueller Paare ausgesprochen. Ihnen müsse geholfen werden, mehr Kinder zu bekommen, sagte Salvini in einer Ansprache.

Grillo: "Rechtsextremer" Kongress

Spitzenpolitiker der mit der Lega verbündeten Fünf-Sterne-Bewegung hielten sich von der Veranstaltung fern. Gesundheitsministerin Giulia Grillo, die der Bewegung angehört, bezeichnete den Weltkongress der Familie als "rechtsextrem".

Etwa 20'000 Personen hatten sich am Samstag in Verona an einer von Frauenverbänden organisierten Protestdemonstration gegen den Weltkongress der Familien beteiligt. Die Demonstrantinnen, angeführt von führenden Politikerinnen, beschuldigten die Teilnehmer des Weltkongresses, "mittelalterliche Positionen" zu vertreten.

Unterstützt wurde der Protest auch vom stärksten italienischen Gewerkschaftsverband CGIL sowie von Homosexuellenorganisationen. "Hände weg von unseren Rechten", riefen die Demonstranten. Die Demonstranten warfen den Teilnehmern am Kongress Heuchelei vor. Mehrere rechte Spitzenpolitiker, die das Event aktiv unterstützten, seien mehrmals geschieden, kritisierten sie.