London

EU-Feind in den Sog der Russland-Affäre: Nigel Farages Geheimbesuch bei Julian Assange

Das FBI nimmt Nigel Farage unter die Lupe. (Archiv)

Das FBI nimmt Nigel Farage unter die Lupe. (Archiv)

Der Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage gerät wegen eines Besuchs bei Wikileaks-Gründer Julian Assange in Erklärungsnot.

Nigel Farage hatte ganz einfach Pech: Wäre Ian Stubbings nicht gewesen, niemand hätte erfahren, dass der ehemalige Ukip-Chef und Brexit-Vorkämpfer am 9. März Wikileaks-Gründer Julian Assange besucht hatte.

Stubbings, ein 35-jährige Londoner, ging wie oft auf seinem Arbeitsweg an der ecuadorianischen Botschaft im Stadtteil South Kensington vorbei, in der sich Assange seit nunmehr fünf Jahren versteckt. Als Stubbings an diesem Donnerstagmorgen jedoch ein ihm bekanntes Gesicht beim Betreten des Gebäudes beobachtete, berichtete Stubbings umgehend auf Twitter davon.

Wenig später meldeten sich die ersten Reporter bei Farage. Dieser konnte – oder eher wollte – sich aber nicht erinnern, was er in der Botschaft gemacht hatte. In einem Interview mit der deutschen Wochenzeitung «Zeit» räumte Farage später ein, dass er tatsächlich den Wikileaks-Gründer besucht hatte – «aus journalistischen Gründen».

Nun trifft Nigel Farage wohl jeden Tag alle möglichen und mitunter auch unmöglichen Leute. Und seit er als Kommentator für «FoxNews» und den britischen Radiosender «LBC» arbeitet, mag das auch aus «journalistischen Gründen» passieren. Brisant wird es aber, wenn man weiss, dass Farage enge Kontakte zu Personen aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump unterhält.

Assange seinerseits hat mit der Veröffentlichung von gehackten E-Mails der Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton möglicherweise die US-Wahlen mitentschieden. Es besteht ausserdem der Verdacht, dass die Veröffentlichung der Mails von Russland orchestriert wurde.

Die Frage, die sich deshalb aufdrängt, lautet: Fungierte Farage als Mittelsmann zwischen den Trump-Leuten und Assange beziehungsweise den Russen?

Auch das FBI ist interessiert

Laut einem Bericht der britischen Zeitung «Guardian» interessiert sich nun auch die amerikanische Bundespolizei FBI dafür. Zwar werde Farage weder eines Fehlverhaltens beschuldigt, noch sei er selbst Zielperson der Ermittlungen.

Doch: «Wenn man eine Verbindungslinie zwischen Russland, Assange und Trump-Vertrauten zieht, ist Nigel Farage die Person mit den meisten Berührungspunkten», zitiert die Zeitung eine mit den Untersuchungen vertraute Person. Farage selber bezeichnet entsprechende Berichte als «reine Hysterie». Er sei nie vom FBI kontaktiert worden und habe auch keine Kontakte zu den Russen.

Zu einem, der laut der «New York Times» im Zentrum der FBI-Ermittlungen steht, hat Farage aber sehr wohl Kontakt gehabt. Die Rede ist von Roger Stone, langjähriger Polit-Berater von Trump und erklärter Farage-Freund. Stone machte unlängst öffentlich, dass er über einen Kommunikationskanal zum Wikileaks-Chef Assange verfüge, der über einen
«gemeinsamen Freund» laufe.

Aber auch mit Trumps-Chefberater Steve Bannon versteht sich Farage gut. Die beiden kennen sich seit dem Jahr 2012 und Farage war mehrere Male Bannons Gast in den USA. Etwa zur gleichen Zeit lernte Farage auch Personen aus dem Stab von Jeff Sessions kennen, damals Gouverneur von Alabama.

Ob es wirklich eine Verbindung vom Trump-Umfeld zu Farage über Assange bis nach Russland gab, bleibt unklar und im Moment Gegenstand von Spekulationen. Gegenüber der «Nordwestschweiz» bezeichnete Farages Pressesprecher die Vorwürfe als «Quatsch» und «wilde Verschwörungstheorie». Die Frage sei aber erlaubt: Wenn Nigel Farage Assange lediglich aus «journalistischen Gründen» in der Botschaft besucht hat, wann wird man dann einen entsprechenden Bericht sehen können?

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