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Erdogans blutige Söldnertruppe

In Syrien steigen Rauchsäulen empor.

In Syrien steigen Rauchsäulen empor.

Sie präsentieren sich als die offiziellen Streitkräfte der syrischen Exilregierung, doch für Kritiker sind sie nicht anderes als islamistische Milizen im Sold der Türkei: An den syrischen Kämpfern, die unter dem Namen Syrische Nationalarmee die türkischen Truppen bei der Offensive in Nordsyrien unterstützen, scheiden sich die Geister.

(sda/afp) Erste Berichte über Gräueltaten an der kurdischen Zivilbevölkerung scheinen nun den schlechten Ruf der türkischen Hilfstruppen zu bestätigen.

Hervorgegangen ist die Syrische Nationalarmee Anfang Oktober aus dem Rebellenbündnis Freie Syrische Armee (FSA). Letztere war wenige Monate nach Beginn des Aufstands gegen Machthaber Baschar al-Assad im März 2011 von abtrünnigen Soldaten gegründet worden. War die FSA in den ersten Kriegsjahren noch die grösste und wichtigste Rebellengruppe, verlor sie mit der Zeit mangels ausländischer Unterstützung zunehmend an Boden.

Geschwächt durch jahrelange Kämpfe, interne Spaltungen und die Rivalität mit anderen Rebellen- und Dschihadistengruppen verschwand die FSA zwischenzeitlich fast von der Bildfläche. Doch im August 2016 tauchte sie wieder auf, als sie an der Seite der türkischen Armee in den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) im Norden der Provinz Aleppo zog.

«Wenn Erdogan dieses Land will, dann soll er es haben.»

"Wenn Erdogan dieses Land will, dann soll er es haben."

"Wenn Erdogan dieses Land will, dann soll er es haben."

Ruf als Söldnertruppe

Auch als die Türkei im Januar 2018 die syrische Kurdenmiliz in der Region Afrin angriff, war die FSA wieder dabei. Kritiker warfen den bärtigen Milizionären damals vor, radikale Islamisten zu sein, die sich nur graduell von den IS-Kämpfern unterschieden.

Die Plünderungen bei der Einnahme von Afrin und Aufnahmen von FSA-Kämpfern, die mit toten kurdischen Kämpfern posierten, taten wenig, um ihren Ruf als undisziplinierte Söldnertruppe zu verbessern.

Anfang Oktober schlossen sich die FSA-Milizen dann mit der Nationalen Befreiungsfront zusammen, einem vorwiegend islamistischen Rebellenbündnis, das Teile der Provinz Idlib kontrolliert und von der Türkei bezahlt, ausgerüstet und trainiert wird. Seitdem firmieren die Gruppen unter dem klangvollen Namen Syrische Nationalarmee und präsentieren sich als bewaffneter Arm der syrischen Exilregierung in der Türkei.

Ein Sprecher der Formation sagte, für die jüngste Offensive in Nordsyrien seien nun 14'000 Kämpfer mobilisiert worden. Eine «grosse Zahl» der vorwiegend arabischen Milizionäre stamme aus der Region um Tal Abjad und Ras al-Ain und sei von dort vertrieben worden, als die YPG-Miliz die Kontrolle über das Gebiet übernommen habe, sagte der Sprecher Jussef Hammud. Überprüfen lässt sich dies ebenso wenig wie die Angaben zu ihrer Kampfstärke.

An vorderster Front eingesetzt

Der Experte Charles Lister vom Middle East Institute geht davon aus, dass sich bisher rund tausend syrische Milizionäre an der Offensive beteiligen. Sie würden an vorderster Front eingesetzt und spielten daher eine «entscheidende Rolle» bei dem Einsatz.

Laut Lister operieren sie «unter der strengen Aufsicht der türkischen Armee», doch konnte dies offenbar nicht verhindern, dass sie erneut Übergriffe auf die örtliche Zivilbevölkerung begingen.

Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, wurden am Samstag während der Kämpfe in der Grenzstadt Tall Abjad neun Zivilisten von protürkischen Milizionären «hingerichtet», darunter auch eine kurdische Politikerin.

Der «Generalstab» der Syrischen Nationalarmee warnte daraufhin seine Kämpfer, dass ihnen bei Vergehen «schärfste Strafen» und ein Prozess wegen «militärischen Ungehorsams» drohe.

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