Kommentar

Die Schwarzen haben keine Wahl

Die Proteste nach dem Mord an George Floyd sorgen für grosse Unruhen in den USA.

Die Proteste nach dem Mord an George Floyd sorgen für grosse Unruhen in den USA.

US-Präsident Donald Trump sagt Randalierern den Kampf an. Derweil macht Amerikas einzige Hoffnung auf einen Kurswechsel am 3. November keine gute Falle.

Amerika könnte so grossartig sein. Stattdessen liegt das Land derzeit am Boden, gelähmt von Hass und Wut, halb erstickt an der Trauer über den sinnlosen Verlust so vieler unschuldiger Menschenleben. Joe Biden, der 77-jährige designierte Präsidentschaftskandidat der Demokraten, brächte eigentlich beste Voraussetzungen mit, in dieser dunklen Stunde aufzutrumpfen. Biden weiss, wie sich Verlust anfühlt: Er hat seine erste Frau und seine Tochter bei einem Autounfall verloren, einer seiner Söhne ist an einem Hirntumor verstorben.

Und Biden wüsste eigentlich auch, wie man als verständnisvoller Zuhörer politisch Kapital aus der Krise schlagen könnte. Trotzdem macht Amerikas einzige Hoffnung auf einen Kurswechsel am 3. November derzeit gar keine gute Falle. Wochenlang verschanzte er sich in seinem Haus und ging im Wahn der Welt fast vergessen. Seit kurzem aber traut er sich wieder an die Öffentlichkeit und ruft allen in Erinnerung, wie fest er selber in jenen paternalistischen Fesseln steckt, von denen sich Amerika dringend lösen muss, wenn es die jüngste politische Krise meistern will. In einem Radiointerview sagte Biden jüngst an die Adresse farbiger Wähler: «Wenn ihr euch nicht zwischen Trump und mir entscheiden könnt, dann seid ihr nicht wirklich schwarz.»

Noch ein weisser alter Mann, der ihnen sagt, was sie sind und was sie zu tun haben: Das ist nicht das, was die erzürnten schwarzen US-Bürger jetzt brauchen.

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