Über 72'000 einzelne Feuer seit Beginn des Jahres. Und seit drei Wochen Dauerfeuer im Amazonas in Brasilien. Diese Zahlen sind erschreckend, die Bilder dazu tragisch.

Nur erreichen eben diese Bilder die Menschen ausserhalb Brasiliens kaum. Doch seit gestern Mittwoch ist dies anders. Die Menschen in Brasilien teilen die Bilder der verheerenden Feuer auf den Sozialen Netzwerken unter dem Hashtag #PrayforAmazonas – betet für den Amazonas.

Und so wurde das Ausmass der Katastrophe klar, als eine dicke Rauchwolke den Himmel über der Stadt Sao Paulo verdecke, die mehr als 2,000 Kilometer von den Waldbränden entfernt gelegen ist. Der Tage wurde plötzlich zur Nacht, der Himmel wurde schwarz.

Die Feuer sind besonders tragisch, da der Amazonas-Regenwald als Lunge der Welt gilt. Schätzungen zufolge binden die Pflanzen des Regenwalds jährlich mehr als zwei Milliarden Tonnen CO2. Je mehr Bäume niedergebrannt werden, desto weniger Kohlendioxid können sie aus der Atmosphäre abbauen. Und das könnte verheerende Auswirkungen auf das Weltklima haben.

Die Grafik der Zeitung The Guardian zeigt die Waldbrände in Brasilien.

Die Grafik der Zeitung The Guardian zeigt die Waldbrände in Brasilien.

Und die Waldbrände haben bereits jetzt Auswirkungen auf die Menschen in den Städten, viele Menschen klagten wegen des dichten Rauchs über Atembeschwerden. Am meisten betroffen jedoch sind die Bewohner der Wälder. Dies sind einerseits indigene Völker, von denen es in Brasiliens Regenwälder immer noch verschiedenste Gruppen und Stämme gibt. Ihnen wird mit den Feuern die Lebensgrundlage, ihre Dörfer, ihr Hab und Gut genommen.

Tiere verenden in den Flammen

Und dann sind da noch jene Wesen, die schon vor den Menschen im Wald waren: die Tiere. Jaguare, Äffchen, Hasen, Tiere. Ihr gewohnter Lebensraum wird durch die Feuer vollständig zerstört. Und viele von ihnen verenden in den Flammen.

Doch dabei sind Waldbrände im Regenwald während der Trockenheit eigentlich keine Seltenheit. Das belegen zumindest die Daten des staatlichen brasilianischen Weltraumforschungsinstitut INPE. So soll es im ganzen Jahr 2018 in Brasilien 39'759 Waldbrände gegeben haben. Jetzt haben wir August. Und seit Januar sind es bereits 72'843 registrierte Waldbrände, schreibt das INPE.

«Ich bin Kaiser Nero»

Eine drastische Zunahme. Das INPE geht davon aus, dass ein Teil der Feuer bei Weitem nicht nur durch die aktuell trockenen Witterungsverhältnisse ausgebrochen sein können, sondern auf Brandstiftung – zum Beispiel bei der Rodung des Urwalds – zurück zu führen sei. Diese Annahme teilt auch Ricardo Mello, der Leiter der Abteilung Amazonas beim WWF, wie er gegenüber der BBC sagt: «Die verheerenden Waldbrände sind eine Konsequenz der teilweise illegalen Abholzung des Urwalds

Die Bilder öffnen sich beim Anklicken des Tweets auf separater Seite.

Die Rodung der Wälder wird gerade auch von Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro unterstützt, der in seinem Land «Käpt’n Kettensäge» genannt wird. Dies, weil er bei seinem Amtsantritt im Januar erklärt hatte, er wolle die Amazonasregion stärker für die Landwirtschaft und den Bergbau zu erschliessen und so vermehrt eine Abholzung der Wälder zulassen.

Mit Erfolg. Bis diesen Juni wurden 60% mehr Regenwald abgeholzt als im gleichen Zeitraum 2018. Und nun brennen grosse Teile des Urwalds. Auf die Feuer angesprochen, erklärte Bolsonaro gegenüber Journalisten polemisch «früher war ich Käpt’n Kettensäge. Heute bin ich Kaiser Nero und setze den Amazonas in Flammen.» Derzeit sei eben Waldbrand-Saison.

NGOs für die Feuer verantwortlich?

Zudem machte Bolsonaro indirekt Natur- und Umweltschutzorganisationen für die Feuer verantwortlich. Diese sollen die Feuer absichtlich gelegt haben, um ihn und seine Regierung in Probleme zustürzen, da er einerseits die Abholzung des Urwalds unterstütze und den Hilfsorganisationen andererseits Hilfsgelder gestrichen hätte – nun würde ihnen das Geld fehlen. Beweise oder Belege für seine Vermutungen legte Präsident Bolsonaro nicht offen.

Doch auch wenn sich Politiker und Hilfsorganisationen gegenseitig verdächtigen, die Waldbrände gehen weiter. Mittlerweile sind neben Brasilien auch die Nachbarstaaten Paraguay und Bolivien betroffen. Flughäfen mussten geschlossen werden, brasilianische Bundesstaaten haben den Notstand ausgerufen.

Ein schnelles Ende der Brände jedoch ist bei den aktuellen klimatischen Verhältnissen im Amazonas nicht in Sicht. Und so bleibt den Menschen in Brasilien nur eines: Beten für den Amazonas.