Kommentar

Die EU sollte den Griechen helfen

Gerd Höhler

Gerd Höhler

Die Politiker in Athen und in Brüssel haben nichts aus dem Feuersturm vor elf Jahren gelernt.

Es ist das übliche Muster: Nach der Feuerkatastrophe von Athen breitet sich Betroffenheit aus. Die griechische Regierung spricht von einer «nationalen Tragödie», Nachbarländer sagen Unterstützung zu, die EU kondoliert und stellt Finanzhilfen in Aussicht. Für die vielen Dutzend Todesopfer und ihre Hinterbliebenen kommt das alles zu spät.

Auf den Tag genau vor elf Jahren wurde Griechenland schon einmal von einem verheerenden Feuersturm heimgesucht; 73 Menschen starben. Lehren haben daraus weder die Politiker in Athen gezogen noch die in Brüssel. Immer noch gibt es kein flächendeckendes Netz freiwilliger Feuerwehren, wie man es in anderen europäischen Ländern kennt. Nach diesem neuerlichen Weckruf sollte Griechenland endlich seine Feuerwehren effizient – das heisst dezentral – organisieren. Zugleich muss Europa den immer wieder von grossen Waldbränden heimgesuchten Ländern beistehen.

Die Feuergefahr wächst mit dem Klimawandel, nicht nur am Mittelmeer. Löschflugzeuge sind ein wirksames, aber auch kostspieliges Mittel. Finanzschwache Staaten wie Griechenland sind hier überfordert. Sie können keine teuren Flotten halten, die vielleicht nur alle paar Jahre gebraucht werden. Mit dem Aufbau einer gemeinsamen, europaweit auf strategisch wichtigen Flughäfen stationierten Armada von modernen Wasserbombern kann Brüssel zeigen, was Katastrophenschutz bedeutet. Wenn das keine Gemeinschaftsaufgabe ist, was dann? Die EU könnte damit nicht nur helfen, Menschenleben zu retten, sondern zugleich ihre gerade in den Südländern strapazierte politische Akzeptanz aufbessern.

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