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Der neue griechische Premier liebt Basketball und Polohemden

Der neue griechische Premier Kyriakos Mitsotakis (51) in Athen.

Der neue griechische Premier Kyriakos Mitsotakis (51) in Athen.

Kyriakos Mitsotakis (51) spricht fliessend Deutsch und will «Hellas» auf Kurs bringen. Seine konservative Partei hat im Parlament die absolute Mehrheit.

Kyriakos Mitsotakis konnte am Sonntag gleich doppelt feiern: seinen Namenstag und seinen Wahlsieg. Gestern dann wurde er als Ministerpräsident Griechenlands vereidigt. Zu den persönlichen Gegenständen, die der 51-Jährige am Montag mit in sein neues Büro genommen hat, gehören auch jene Familienfotos, die bisher hinter seinem Schreibtisch im Hauptquartier der konservativen Partei Nea Dimokratia standen. Es sind viele Fotos, denn die Mitsotakis-Sippe ist gross. Ein Bild zeigt seinen verstorbener Vater Konstantinos Mitsotakis. Der öffnete die erzkonservative Partei Nea-Dimokratia als Vorsitzender in den 80er Jahren für liberales Gedankengut und war von 1990 bis 1993 Ministerpräsident.

Ex-Banker aus Polit-Dynastie

Kyriakos Mitsotakis kommt aus einer der ältesten Polit-Dynastien des Landes. Sein Urgrossonkel war der kretische Staatsmann Eleftherios Venizelos, der das Land zwischen 1910 und 1933 mit Unterbrechungen 15 Jahre lang regiert hatte. Sowohl sein Grossvater als auch sein Urgrossvater waren Abgeordnete. Seine Schwester Dora Bakogianni war Aussenministerin. Kyriakos Mitsotakis selber aber zögerte mit dem Einstieg in die Politik. Nach dem Wirtschaftsstudium an den Elite-Universitäten Harvard und Stanford arbeitete er als Analyst bei der Chase Bank in London, beim Beratungsunternehmen McKinsey und bei mehreren griechischen Banken, bevor er 2004 erstmals für einen Parlamentssitz kandidierte. Im Januar 2016 wurde er in einer Mitgliederwahl zum Vorsitzenden der Nea Dimokratia. Seit seiner Ernennung liegt die Partei ununterbrochen vor dem Linksbündnis Syriza.

Manche sehen in Mitsotakis einen Repräsentanten der alten politischen Elite, die das Land mit Korruption und Vetternwirtschaft in die Krise geführt hat. Er selbst versteht sich dagegen als Erneuerer. Mitsotakis hat sich als Parteichef nicht nur mit einem Stab junger Mitarbeiter umgeben. Auch die Kandidatenlisten, mit denen seine Partei zur Wahl antrat, spiegeln einen Neubeginn: Sieben von zehn Kandidaten traten zum ersten Mal für ein politisches Mandat an.

Niemand sagt dem Neuen «Du»

Mitarbeiter beschreiben Mitsotakis als «fordernden Teamplayer». Der Chef selber ist fleissig und schont sich nicht. «Er fordert Leistung», sagt einer aus dem Stab. «Aber wenn du einmal einen Fehler machst, wird er dich niemals persönlich deswegen angreifen.»

Mitsotakis bleibt höflich, wahrt die Form. Dazu gehört auch ein bestimmtes Mass an Distanz. Nur wenige seiner engsten Vertrauten, vielleicht ein halbes Dutzend Männer und Frauen, duzen ihn – und auch das nur im privaten Gespräch, nie öffentlich.

Seine 51 Jahre sieht man dem dreifachen Vater nicht an. Der 1.87 Meter grosse Grieche hält sich fit: Regelmässig trifft er sich mit Freunden zum Basketballspielen. Mitsotakis tritt leger auf und krempelt gern die Hemdsärmel hoch. Im Wahlkampf trug er häufig Jeans und Polohemd. Formell sein kann er aber auch. Bei offiziellen Anlässen erscheint er stets im Anzug mit Krawatte – im Gegensatz zu seinem Vorgänger Alexis Tsipras, der selbst zu Staatsempfängen mit offenem Hemdkragen kam.

Noch etwas unterscheidet die beiden: Während Tsipras nur mühsam ein paar holprige Brocken Englisch über die Lippen brachte, spricht Mitsotakis fliessend Englisch, Französisch und Deutsch. Zumindest sprachliche Verständigungsprobleme sollte es deshalb nicht geben, wenn «der Neue» sich mit seinen europäischen Kollegen austauscht.

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