USA

Der Kampf der mächtigen Milliardäre Trump und Koch – und die weitreichenden Folgen

Kontrahenten: Donald Trump (l.) und Milliardär Charles Koch.

Kontrahenten: Donald Trump (l.) und Milliardär Charles Koch.

Die beiden Multi-Milliardäre Charles Koch und Donald Trump liegen sich in den Haaren, weil der Industrielle die Wirtschaftspolitik des Präsidenten nicht unterstützt. Für die Republikanische Partei könnte das weitreichende Folgen haben.

Donald Trump legt nach: Am Donnerstag griff der Präsident auf Twitter erneut den schwerreichen Industriellen Charles Koch an, der sich zuvor kritisch über seine Einwanderungs- und Handelspolitik geäussert hatte. Koch habe gesagt, dass der von seiner Regierung angezettelte Handelskrieg sich negativ auf Arbeiter im Ausland auswirke. «Das ist korrekt», hielt Trump fest. Und: «AMERICA FIRST!» Zuvor hatte er Koch als «Globalisten» und «kompletten Witz» bezeichnet, weil sich der Industrielle gegen die Sicherung der Grenze zu Mexiko und Massnahmen zur Stärkung der amerikanischen Volkswirtschaft ausspreche.

Charles Koch hält zusammen mit seinem kranken Bruder David 84 Prozent des Konglomerats «Koch Industries», der zweitgrössten privaten Gesellschaft in den USA. Er jedenfalls, schrieb Trump, sei auf die Unterstützung der «Koch Brothers» nicht angewiesen. «Ich brauche weder ihr Geld noch ihre schlechten Ideen.»

Der Auslöser dieser Tirade? Eine scharfe Warnung von Charles Koch an die Adresse des Präsidenten und seiner Verbündeten, ausgestossen während einer Konferenz, die alle sechs Monate stattfindet und an der die «Koch Brothers» gleichgesinnte Unternehmer um sich scharen. Demnach würden es sich die Kochs künftig zweimal überlegen, ob sie republikanische Politiker unterstützen.

400 Millionen für die Politik

«Wir werden dieses Jahr viel strikter sein», sagte Charles Koch. Mit seiner Interessengruppe «Americans for Prosperity» (AFP) will er 2018 bis zu 400 Millionen Dollar in den amerikanischen Wahlkampf investieren. Als Lackmustest werde dabei die Wirtschafts- und Einwanderungspolitik dienen. AFP-Präsident Tim Phillips rief in Erinnerung, dass die «Koch Brothers» sich für den freien Welthandel einsetzten und auch bezüglich Einwanderung recht liberale Positionen verträten: Ansichten, die in Konflikt mit Trumps Politik stehen.

Der 82-jährige Charles und der 78-jährige David Koch (ausgesprochen «Coke», wie das Süssgetränk) gehören zu den grosszügigsten Geldgebern konservativer Politiker. Trump insinuierte am Donnerstag, bei diesen Spendenzusagen handle es sich bloss um leere Versprechen. Diese Behauptung ist nachweislich falsch. Alleine im Wahlkampfjahr 2016 haben die «Koch Brothers» geschätzte 250 Millionen Dollar an politischen Unterstützungsgeldern ausgegeben.

In linken Kreisen gelten sie als moderne Inkarnation des «Gottseibeiuns». Progressive Aktivisten sagen, die Brüder seien einzig am Abbau staatlicher Auflagen interessiert und kümmerten sich nicht um das Wohl des Landes.

Mit Trump sind die Kochs nie so recht warm geworden. So lehnte Charles es vor zwei Jahren ab, einen Wahlaufruf zugunsten des republikanischen Präsidentschaftskandidaten abzugeben. Dies führte zu Spekulationen, dass er, der staatskritische Industrielle, für die Demokratin Hillary Clinton stimmen werde – Spekulationen, die Charles energisch zurückwies.

Gerüchte über Gegenkandidaten

Offen ist, ob der Zwist zwischen dem Milliardär in der Teppichetage (geschätztes Vermögen von Charles Koch: 53 Milliarden Dollar) und dem Milliardär im Weissen Haus (geschätztes Vermögen von Donald Trump: 3 Milliarden Dollar) längerfristige Auswirkungen hat. Obwohl in Washington bereits darüber spekuliert wird, ob Charles in zwei Jahren einem republikanischen Herausforderer Trumps unter die Arme greifen wird, ist es noch zu früh für solche Gedankenexperimente. Bisher vermied es Koch, den Präsidenten persönlich zu kritisieren. Er sagte am Rande der Konferenz der «Koch Brothers», er finde es schlecht, dass die Regierung Trump die Gräben in der amerikanischen Gesellschaft vertiefe. Diese Gräben bestünden aber schon lange. «Ich hasse die Sünde, nicht den Sünder.»

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