Frankreich

Banlieue-Aktivisten stellen sich hinter den Pariser Attentäter

Die Opfer des Terroranschlags wurden am Dienstag in Paris geehrt.

Die Opfer des Terroranschlags wurden am Dienstag in Paris geehrt.

Der Mann, der vergangene Woche vier Polizisten erstochen hat, hat in den Vorstädten viele Sympathisanten.

Entrüstungssturm in Frankreich: Banlieue-Aktivisten stellen sich in aller Öffentlichkeit hinter den Attentäter, der in der Pariser Polizeizentrale ein Blutbad angerichtet hatte. Ein Komitee des selbsternannten «Vorstadt-Kandidaten» Hadama Traoré hat für Donnerstag sogar zu einer Solidaritätskundgebung vor dem Rathaus von Gonesse (nördlich von Paris) aufgerufen. In dieser Gemeinde wohnte der Polizeifunktionär, der vor einer Woche vier Arbeitskollegen umgebracht hatte und kurz darauf von einem weiteren Polizisten erschossen wurde.

Traoré, dessen polemische und oft polizeifeindliche Kommentare in den sozialen Netzwerken hunderttausende von Klicks bewirken, meinte zur Begründung, der Attentäter sei an seinem Arbeitsplatz wegen seines Hörschadens diskriminiert worden.

Er habe zwar eine «irreparable und scheussliche Tat» begangen und «Unschuldige umgebracht». Wenn aber die Ursachen – die Diskriminierung – nicht behoben seien, müssten sich diese Anschläge wiederholen, meinte Traoré, der bei den letzten Europawahlen für eine Banlieue-Liste angetreten war.

Die Reaktion folgte auf dem Fuss. Von den Appellen zahlreicher Politiker unterstützt, gab Innenminister Christophe Castaner bekannt, er wolle die Kundgebung untersagen lassen, da sie eine «Niedertracht und Beleidigung für unsere Polizisten» sei. Gegen den Organisatoren, der bei der Präfektur effektiv ein Genehmigungsgesuch für die Demo eingereicht hatte, kündigte er Rechtsschritte an.

Leichtes Spiel für Aktivisten

Der Fall weckt Erinnerungen an den mörderischen Anschlag von 2015 auf die Redaktion des französischen Satire-Magazins Charlie Hebdo, bei dem im insgesamt elf Menschen erschossen worden waren. Die nationale Solidarität um den Slogan «Je suis Charlie» hatte rasch Risse erhalten, weil viele muslimishce Einwohner der französischen Immigrantenvorstädte die Karikaturen des Satiremagazins ablehnten.

Der neuste Demoaufruf in Gonesse wäre wohl auch ohne Verbot kaum befolgt worden. Allein schon die breite Medienreaktion zeigt aber auf, dass es in Frankreich abseits der Fernsehbilder von der polizeilichen Trauerfeier auch eine andere Realität gibt.

Diese Realität wird von Aktivisten wie dem 34-jährigen Hadama Traoré weidlich ausgeschlachtet. Der in einer berüchtigten Wohnsiedlung von Aulnay-sous-Bois aufgewachsene Sohn malischer Eltern erklärte, die Teilnahme an seiner Kundegebung sei «für alle Muslime eine Pflicht». Was diese Religion mit der angeblichen Diskriminierung eines Hörgeschädigten zu tun haben soll, vermochte er nicht zu sagen.

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