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Attacke in Halle: Beweismittel sichergestellt ++ Zentralratspräsident: «neue Qualität des Rechtsextremismus»

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Nach den Schüssen auf eine Synagoge in Halle im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt und dem Tod von zwei Menschen ist die Wohnung des Attentäters durchsucht worden. Dabei seien Beweismittel sichergestellt worden, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Donnerstagmorgen.

(sda) Von der Durchsuchung in Benndorf bei Eisleben hatte zuvor der Sender MDR Sachsen-Anhalt berichtet. Dort soll der Mann mit seiner Mutter gelebt haben.

Der Täter war zuvor offenbar nicht als Rechtsextremer aufgefallen. Geprüft werde, ob es Mittäter gegeben habe. Die Bundesanwaltschaft sieht den Anschlag rechtsextremistisch und antisemitisch motiviert - auch das Bekennervideo sei eindeutig antisemitisch und rechtsextremistisch. «Er hat geplant, Menschen zu töten», so ein Ermittler. Letztlich habe er aber seinen Anschlagsplan nicht umsetzen können, hiess es.

Einzelheiten über den offenbar verletzten 27-Jährigen aus Sachsen-Anhalt wurden zunächst nicht bekannt. Derzeit wird das Umfeld des Mannes ermittelt.

Die Bundesanwaltschaft sieht in dem Angriff eine staatsgefährdende Tat. Ermittelt wird unter anderem wegen Mordes und Mordversuches. Übernommen hat die oberste Anklagebehörde das Ermittlungsverfahren wegen des «spezifischen staatsgefährdenden Charakters der Tat und der besonderen Bedeutung des Falles».

Der Täter war am Mittwoch festgenommen worden. Er hatte nach Angaben aus Sicherheitskreisen gegen Mittag versucht, die Synagoge in Halle mit Waffengewalt zu stürmen. Mehr als 50 Menschen hielten sich zu diesem Zeitpunkt dort auf und feierten das wichtigste jüdische Fest, Jom Kippur.

Nachdem der Anschlagsversuch gescheitert war, soll der Mann vor der Synagoge und danach in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen und mindestens zwei weitere verletzt haben. Er soll die Tat gefilmt und per Helmkamera live ins Internet übertragen haben, bevor er vom Tatort floh.

Zentralratspräsident sieht «neue Qualität des Rechtsextremismus»

Der Zentralrat der Juden in Deutschland sieht im Angriff von Halle in Sachsen-Anhalt eine «neue Qualität des Rechtsextremismus in Deutschland». Zentralratspräsident Josef Schuster sagte am Donnerstag im Deutschlandfunk, der Anschlag auf die Synagoge verändere das Gefühl jüdischer Menschen in Deutschland. «Es macht sich Sorge breit.»

In Halle hatte am Mittwoch ein mutmasslicher Rechtsextremer die dortige Synagoge angegriffen und zwei Menschen getötet.

Er beobachte eine politische Entwicklung, die Rechtsextremismus fördere, sagte Schuster weiter. Deshalb sei die Tat nicht ganz unerwartet gewesen. Nun sei entscheidend, dass die deutschen Behörden sicherstellten, dass jüdische Menschen unbeschadet eine Synagoge besuchen können.

Prinzipiell schienen die technischen Schutzmassnahmen sehr gut gewesen zu sein, so Schuster. «Aber wäre hier ein Polizeiposten gewesen, hätte der Mann unschädlich gemacht werden können.»

Jenseits von Reaktionen aus der Politik und von Sicherheitsbehörden wünscht sich der Zentralratspräsident mehr Zivilcourage gegen Antisemitismus im Alltag: Bei Stammtischparolen und Judenwitzen solle man aufzeigen, wo die Grenzen sind.

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