Syrien

Assad droht Syrern mit Zwangsarbeit, wenn sie fremde Währungen benutzen

Werden täglich teurer: Lebensmittel in Syrien. (Bild: Keystone)

Werden täglich teurer: Lebensmittel in Syrien. (Bild: Keystone)

Zu allem Elend kommt im Bürgerkriegsland Syrien jetzt auch eine Krise des syrischen Pfundes. Das Geld verliert rasant an Wert. Schuld daran ist vor allem ein Nachbarland Syriens..

Fast neun Jahre nach dem Ausbruch des Syrien-Konfliktes treibt die eskalierende Wirtschaftskrise im Bürgerkriegsland die Menschen wieder auf die Strassen. In der Provinz Suweida an der Grenze zu Jordanien riefen hunderte Demonstranten: «Wir wollen leben.» Der Grund für ihre Verzweiflung: ein dramatischer Kursverfall des syrischen Pfundes.

Der Einbruch der Landeswährung macht den Alltag für viele Syrer noch härter, als er vorher schon war. Präsident Baschar al-Assad will den Währungsverfall mit drakonischen Strafen stoppen. Seit Samstag ist das syrische Pfund bei geschäftlichen Transaktionen als Währung zwingend vorschrieben. Wer bei Geschäften mit ausländischen Währungen erwischt wird, muss mit bis zu sieben Jahren Zwangsarbeit rechnen.

Krieg verursacht in Syrien Schaden von 220 Milliarden

Der Krieg in Syrien hat nicht nur rund eine halbe Million Menschen getötet und zwölf Millionen weitere zu Flüchtlingen gemacht, er hat auch die Wirtschaft des Landes zerrüttet. Schon vor vier Jahren schätzte die Weltbank die wirtschaftlichen Verluste auf mehr als 220 Milliarden Dollar.

Seitdem hat Assad mit russischer und iranischer Hilfe zwar die drohende Niederlage gegen die Rebellen abgewendet, doch der Krieg und die Zerstörung des Landes sind weitergegangen. Tausende Fabriken, Schulen und Krankenhäuser sind zerbombt, die frühere Wirtschaftsmetropole Aleppo liegt in Trümmern.

Der Kollaps des syrischen Pfundes macht den Syrern das Leben nun zusätzlich schwer. Preise für Grundnahrungsmittel wie Zucker und Reis schiessen in die Höhe, in vielen Wohnhäusern gibt es keine Heizung und keinen Strom.

Der Zerfall zeigt sich am Wechselkurs zum US-Dollar: Im September mussten Syrer noch 600 Pfund für einen US-Dollar bezahlen – in den vergangenen Wochen waren es zeitweise 1200 Pfund. Ein Angebot der syrischen Zentralbank vom Montag, den Bürgern jeden gehorteten Dollar zu einem Kurs von 700 Pfund abzukaufen, dürfte in der wütenden Bevölkerung kaum Interessenten finden.

Dass die Währung jetzt so drastisch absackt, hat mehrere Gründe. Im Dezember unterzeichnete US-Präsident Donald Trump ein neues Gesetz, mit dem die amerikanische Regierung erstmals die Hilfe aus Russland und dem Iran für Syrien mit Sanktionen belegen kann.

Auch die Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran nach der Ermordung des iranischen Generals Qassem Soleimani verschärfte die Währungskrise in Syrien: Der Iran unterstützte Syrien in den vergangenen Jahren mit hunderten Millionen Dollar, könnte sich aber wegen eigener Schwierigkeiten gezwungen sehen, die Überweisungen nach Damaskus zu kürzen.

Am schwersten aber wird Syrien von der Krise im südwestlichen Nachbarland Libanon getroffen. Auf libanesischen Banken liegen laut Schätzung von Finanzexperten mehrere Milliarden Dollar von Syrern, die ihr Geld sicher im Ausland parken wollen.

Nach Ausbruch der Wirtschaftskrise und der Protestwelle im Libanon im vergangenen Herbst begrenzten die libanesischen Banken das Wochenlimit für Dollar- Abhebungen jedoch auf maximal rund 300 Dollar.

Opposition weiss ganz genau, wer schuld ist

Die Assad-Regierung allein sei für den Währungsverfall verantwortlich, erklärte der syrische Oppositionspolitiker Riyad al-Hassan in Istanbul. Assad habe die Staatskasse zur Finanzierung seines Krieges gegen das eigene Volk missbraucht und eine regime-nahe «Mafia» das Land plündern lassen.

Der Staatschef selber will von solchen Einwänden nichts wissen. Assads jüngste Dekrete sehen die Bestrafung von Kritikern vor, die mit ihren Stellungnahmen «das Vertrauen in die Stärke der Landeswährung untergraben».

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