Frankreich

An Karfreitag soll die Notre-Dame-Kathedrale auferstehen

Vor einem Jahr stand die Notre-Dame-Kathedrale in Flammen.

Vor einem Jahr stand die Notre-Dame-Kathedrale in Flammen.

Am Karfreitag findet eine Zeremonie statt. Streit gibt’s um die Gelder für den Wiederaufbau.

Ein Unheil verdrängt das andere. Im Bann der Coronakrise denkt kaum noch jemand an die Brandkatastrophe, die Paris vor fast genau einem Jahr (am 15. April 2019) heimgesucht hatte. Verlassen steht die Notre-­Dame-Kathedrale inmitten der menschenleeren Stadt. Seit knapp einem Monat ruhen die Arbeiten im ausgebrannten Korpus der Kathedrale.

Über dem Kirchenschiff hängt wie ein Leichentuch ein engmaschiges weisses Netz, das vor Steinschlag schützen soll. Noch nicht einmal aller Brandschutt ist beseitigt. Mitte März hätten sich Arbeiter von Kranen aus abseilen sollen, um havarierte Fensterbögen aus dem Baugerippe zu entfernen. Doch dann kam die Ausgangssperre.

Seither hat Notre-Dame nur noch von zwei Dieben Besuch erhalten. Sie wurden nachts verhaftet, als sie Steine aus dem Gotteshaus abtransportieren wollten. Doch jetzt interessiert sich niemand mehr für ein steinernes Souvenir dieses Monumentes, das nicht das spirituelle, sondern auch geografische Zentrum Frankreichs darstellt: Von seinem Vorplatz aus werden sämtliche Distanzen im ganzen Land gemessen. Auch wenn die verkohlte Basilika wie erstarrt in den Pariser Himmel ragt, hat sich ihre Lage radikal verändert.

Jetzt steht das Personal in den Spitälern im Fokus

Die Anteilnahme hat sich verlagert. Die nationale, ja weltweite Solidarität, die der verkohlten Kathedrale vor einem Jahr zuteil wurde, gilt jetzt dem Spital- und Pflegepersonal. In den sozialen Medien liest man Kommentare, die Spenden für den Wiederaufbau der Notre-Dame sollten an die Krankenhäuser umgeleitet werden.

Solche Stimmen bleiben indes in der Minderheit. Viele Franzosen sehen in der Notre-­Dame ein Symbol für den nationalen Widerstandswillen. Und gerade an Ostern ist das Martyrium des ausgebrannten Gotteshauses ein Symbol für die österliche Wiederauferstehung.

Erzbischof Michel Aupetit will am Karfreitag einen Gottesdienst im Kirchenschiff abhalten. Er hat die Erlaubnis für eine – vom Sender www.ktotv.com ab 16.30 Uhr direkt übertragene – Zeremonie «in einem sehr kleinen Kreis» erhalten. Präsident Emmanuel Macron bittet ansonsten darum, in Frankreich an Ostern, zum Ramadan-Beginn und zum jüdischen Pessachfest auf religiöse Versammlungen zu verzichten.

© CH Media

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