Amok in Denver

Amokläufer war Student auf Jobsuche - Debatte über Waffenkontrolle

Ein Passant unterhält sich mit einer Polizistin in der Nähe des Kinos, wo der Amoklauf stattfand.

Ein Passant unterhält sich mit einer Polizistin in der Nähe des Kinos, wo der Amoklauf stattfand.

Ein Amokläufer hat bei einer nächtlichen Batman-Filmpremiere in einem Kino bei Denver im US-Bundesstaat Colorado 12 Menschen erschossen und 59 verletzt. Der Täter trug eine Gasmaske wie der Bösewicht Bane in dem Actionfilm «The Dark Knight Rises»

Über das Motiv des 24 Jahre alten Schützen, der nach dem Blutbad in der Stadt Aurora festgenommen wurde, herrschte Rätselraten. US- Präsident Barack Obama äusserte sich entsetzt. Er brach eine Wahlkampftour in Florida ab, um nach Washington zurückzukehren. Die Nation müsse nun «zusammenstehen als amerikanische Familie», sagte Obama.

Der Amokläufer hatte den Kinosaal im US-Bundesstaat Colorado kurz nach Filmbeginn betreten und wild um sich geschossen, wie Augenzeugen erzählten. Zuvor habe er Tränengas in den Saal gesprüht. Viele der zumeist jungen Premierengäste dachten zunächst, die Schüsse gehörten zum Film.

Schreckliche Szenen im Kino

Als klar wurde, dass die Schüsse echt waren, brach unter den Zuschauern Panik aus. Videoaufnahmen von Zuschauern zeigten schreckliche Szenen: Menschen schrien und drängten zu den Ausgängen, einige waren blutüberströmt.

Viele der Verletzten hatten Schusswunden, einige erlitten Rauchvergiftungen, andere waren auch chemischen Substanzen ausgesetzt gewesen, wie der Lokalsender KUSA-TV berichtete. Polizeisprecher Frank Fania sagte, es sei sich nicht sicher, ob alle Wunden von Schüssen stammten. Einige sähen aus wie von Granatsplittern herrührend.

Ein Augenzeuge berichzet was im Kino wärend der Schiesserei geschah

Batman-Filmpremiere: Ein Augenzeuge berichtet was im Kino wärend der Schiesserei geschah

Täter ergibt sich widerstandslos

Der Täter trug bei seinem Angriff eine schusssichere Weste, wie KUSA-TV unter Berufung auf die Polizei weiter berichtete. Auch von einem Kostüm war in einigen Medien die Rede. Bei der Festnahme auf einem Parkplatz hinter dem Kinokomplex habe er vier Schusswaffen bei sich getragen. Polizeisprecher Fania sagte, der Mann habe sich ohne Widerstand festnehmen lassen.

Die Polizei schloss Terrorismus als Tatmotiv aus und geht davon aus, dass der Mann allein handelte. Er sei der Polizei zuvor nicht aufgefallen, berichteten Medien unter Berufung auf Ermittlungsbeamte. Polizeichef Dan Oates erklärte, der Täter habe vor diesem Tag laut seinem Strafregister keinerlei kriminelle Handlungen begangen.

Nach der Tat wurde zunächst das Auto des Täters auf Sprengstoff untersucht, später auch seine Wohnung. Vorsichtshalber wurden dabei umliegende Appartements evakuiert. Die Polizei teilte mit, in der Wohnung des Mannes seien Sprengfallen entdeckt worden, die nun entschärft werden müssten. Der Amokläufer soll nun am Montag einem Gericht vorgeführt werden.

Das Handyvideo zeigt das Chaos, das nach der Schiesserei vor dem Kino in Aurora herrscht

Das Handyvideo zeigt das Chaos, das nach der Schiesserei vor dem Kino in Aurora herrscht

Amokläufer war auf Jobsuche

Der Täter ist nach Angaben der Behörden ein Student der Neurowissenschaften, der Schwierigkeiten bei der Jobsuche hatte. Wie die Universität in Denver mitteilte, war er für ein Doktorandenprogramm eingeschrieben. Allerdings sei er im Begriff gewesen, die Hochschule zu verlassen, sagte die Sprecherin Jacque Montgomery am Freitag.

Die Polizei veröffentlichte zudem eine schriftliche Stellungnahme der Familie des Festgenommenen. «Unsere Herzen sind mit jenen, die von dieser Tragödie betroffen sind», hiess es darin. Ein Nachbar der Familie bezeichnete den Täter als «gewöhnlich schüchtern».

Debatte über Waffenkontrolle

Das Blutbad löste eine Debatte über die Waffenkontrolle in den USA aus. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg rief Obama und dessen republikanischen Herausforderer bei der Präsidentenwahl, Mitt Romney, dazu auf, für eine Verschärfung der Waffengesetze zu sorgen.

Bloomberg ordnete nach CNN-Angaben zudem Sicherheitsvorkehrungen bei «Batman»-Vorführungen in seiner Stadt an. Das Filmteam selbst sagte geplante Werbeauftritte in Paris ab.

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