Kunstwerke, Gebrauchsgegenstände, Filmrollen: Mehr als 20'000 Sex-Artefakte beherbergt das Museum of Sex in New York. Darüber herrscht seit Mitte Juni ein neuer Direktor: Serge Becker, geboren im Aargau. "Ein Bueb aus Teufenthal", wie ihn die "NZZ" kürzlich zitierte.

Becker hat sich im New Yorker Nachtleben einen Namen gemacht. Er führt mehrere In-Lokale, darunter die "Bowery Bar", das "Time Café" oder das "Miss Lily's", das erst gerade nach Dubai expandiert hat. In seinen Restaurants und Clubs lässt sich auch die Prominenz gerne sehen, etwa Beyoncé, die Kardashians und Jay-Z. Becker ist 1982 nach New York gekommen, nachdem er in Zürich die Kunstgewerbeschule besucht und als DJ gearbeitet hatte. In dieser Funktion knüpfte er auch erste Kontakte in die us-amerikanische Ostküstenmetropole. Dort nennen sie den erfolgreichen Unternehmer heute "Swiss Goldfinger".

Nun soll der 56-Jährige dem Museum of Sex zum Erfolg verhelfen. Es steht an prominenter Lage mitten in Manhattan – an der 27. Strasse, Ecke 5th Avenue – gehört aber nicht zu den renommiertesten Häusern der Stadt. Das soll sich ändern – und Becker hat einen Plan: Er will das Museum mittels Ausstellungen, Podiumsdiskussionen, Apps und Partys als Ort der Begegnung etablieren. Oder wie er der "NZZ" sagt: "Ich will ein Forum für intelligente Gespräche schaffen, die nirgendwo sonst geführt werden."

70 Prozent Frauen

Derzeit entwirft ein Künstler für ihn etwa einen Virtual-Reality-Raum, in dem jeweils vier Besucher und ein Darsteller versuchen werden, ihre Berührungsängste zum Thema Sex abzulegen. Gerade die Amerikaner seien "verkrampft" im Umgang mit Sexualität, reagierten entweder mit Stress oder Exzess auf das Thema, sagt Becker. Sein Publikum beschreibt er als jung. 70 Prozent seien Frauen.

Becker sieht sich und seine Karriere von Sex stark geprägt. In einem Interview beschreibt er Sex als "endlos faszinierend". Dass der Beischlaf viel von seiner Mysteriums-Qualität eingebüsst hat, bedauert der Wahl-New-Yorker. Ein grosser Teil des Reizes sei verloren gegangen, seit die Gesellschaft offen darüber spreche: "Man ist ihm gegenüber fast gefühllos geworden", sagt Becker.

Auch Tiere Teil der Ausstellung

Das Museum of Sex wurde 2002 gegründet. Es hat sich zum Ziel gemacht, die Geschichte, Evolution und kulturelle Bedeutung der menschlichen Sexualität zu bewahren und zu präsentieren. In den acht Ausstellungen ist aber auch ein Teil dem Liebesleben der Tiere gewidmet: Ein Film zeigt etwa Pandas und Seerobben beim gemeinsamen Geschlechtsakt. Was man daraus lernt? Dass Sex auch bei Tieren eine grössere Bedeutung haben kann, als nur der Fortpflanzung zu dienen. (mwa)