Wirtschaft
Rotoflex-CEO an Podium in Grenchen: «Wir haben wegen eines Kundenabgangs 40 Prozent Umsatz verloren»

An einer Podiumsdiskussion im Parktheater Grenchen zum Unternehmertum in Krisenzeiten sprach Pascal Diemand, Geschäftsführer der Grenchner Firma Rotoflex, über die aktuellen Schwierigkeiten seiner Firma – bekräftigte aber auch mit Globetrotter-CEO André Lüthi sein Vertrauen in den Unternehmergeist.

Jocelyn Daloz 0 Kommentare

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Digitales Wirtschaftspodiumv.l.: Richard Aschberger, SVP Kantonsrat, Susanne Sahli, Wirtschaftsförderung, André Lüthi, VRP/CEO Globetrotter Group, Pascal Diemand, CEO Rotoflex

Tom Ulrich

Mut, Führung, Vertrauen: Es fehlte nicht an positiv konnotierten Wörtern in dieser Podiumsdiskussion, die an einem Freitagvormittag im leeren Parktheater Grenchen stattfand. Die Zusammenkunft organisierte die Wirtschaftsförderung Grenchen, die Solothurner Handelskammer sowie der Grenchner Industrie- und Handelsverband und wurde live übertragen.

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Wirtschaft
Rotoflex-CEO an Podium in Grenchen: «Wir haben wegen eines Kundenabgangs 40 Prozent Umsatz verloren»

An einer Podiumsdiskussion im Parktheater Grenchen zum Unternehmertum in Krisenzeiten sprach Pascal Diemand, Geschäftsführer der Grenchner Firma Rotoflex, über die aktuellen Schwierigkeiten seiner Firma – bekräftigte aber auch mit Globetrotter-CEO André Lüthi sein Vertrauen in den Unternehmergeist.

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Digitales Wirtschaftspodiumv.l.: Richard Aschberger, SVP Kantonsrat, Susanne Sahli, Wirtschaftsförderung, André Lüthi, VRP/CEO Globetrotter Group, Pascal Diemand, CEO Rotoflex

Tom Ulrich

Mut, Führung, Vertrauen: Es fehlte nicht an positiv konnotierten Wörtern in dieser Podiumsdiskussion, die an einem Freitagvormittag im leeren Parktheater Grenchen stattfand. Die Zusammenkunft organisierte die Wirtschaftsförderung Grenchen, die Solothurner Handelskammer sowie der Grenchner Industrie- und Handelsverband und wurde live übertragen.

Unter dem Thema «Break the rules» unterhielten sich SVP Kantonsrat und Regierungsratskandidat Richard Aschberger, Wirtschaftsförderin Susanne Sahli, Rotoflex-CEO Pascal Diemand und Globetrotter-CEO André Lüthi über die aktuelle Situation der Schweizer Wirtschaft und wie Unternehmen einen Lichtblick in der Wirtschaftskrise sehen können.

Globetrotter erlebte 2020 einen Rückgang des Umsatzes um 78 Prozent

Dabei stellte vor allem das vorgängige Referat von André Lüthi einen Appell an die rund hundert Zuschauerinnen und Zuschauer aus Wirtschaftskrisen dar, kühn zu sein und unternehmerisch zu bleiben. Dass ausgerechnet der CEO des viertgrössten Reisebürounternehmens der Schweiz mit Enthusiasmus und Elan in die Zukunft blicken will, hat Globetrotter doch bloss 22% seines üblichen Umsatzes im 2020 gemacht, ist ein Signal an die Wirtschaftskreise an sich.

Der wortwörtliche Weltenbummler, der schon am Nordpol war und 43 Reisen in das Himalaya-Gebirge wagte, nahm dabei seine eigene Laufbahn als mögliches Vorbild, um nicht nur während der Krise das Businessmodell zu überdenken.

Ohne Businessplan zum Erfolg

Für Lüthi sollte die Triebkraft jeder Unternehmerin die Leidenschaft sein. So habe er bei Globetrotter stets Mitarbeitende gesucht, die ihr Hobby, Reisen, zum Beruf machen wollten und fordert von ihnen, dass sie vorgängig selber die Welt entdecken, bevor sie ihre Stelle als Reiseberatende angehen. «Es sollten sich viele Unternehmer – aber auch Politiker – die Frage stellen, ob sie wirklich lieben, was sie machen», sagte er mit einem geraden Blick in die Kamera.

Seine eigene Leidenschaft habe ihm zum Erfolg verholfen, nicht sorgfältig ausgearbeitete Businesspläne – solche habe er gar nie erstellt, und trotzdem hat er ein kleines Unternehmen von weniger als zehn Mitarbeitenden zu einer Holding mit 450 Mitarbeitende entwickelt – mittlerweile hundert weniger. Das gehöre für ihn zum Mut, «Regeln zu brechen»: Dabei meint er nicht etwa Gesetze oder Covid-Verordnungen, sondern die Mantras der in Business-Schools vermittelten Lehren – dabei spricht er leicht überspitzt von «Excel-Talibanen».

Bergmetaphern als Stütze

Dabei will er auch seine eigene Unternehmergeschichte nicht verklären. André Lüthi sagt:

«Es ist auch immer etwas Glück dabei.»

Lüthi untermauerte seine Argumente mit Metaphern aus seinen eigenen Reisen. So gehörte auch bei seiner Kilimandscharo-Besteigung mit dem Velo Glück dazu.

Er sprach vom Mut, den es brauche, um einem steilen Bergpfad in Nepal zu folgen. Mut brauche es auch, um von den üblichen unternehmersichen Pfaden abzuweichen. Als Geschäftsführer solle man auch, wie ein Bergführer, gleichzeitig Vertrauen erwecken und auch «das Seil locker lassen» –, um den Angestellten genügend Freiraum zu lassen.

Rotoflex-CEO Pascal Diemand: Mit einem Kunden 40 Prozent Umsatz weniger

In der anschliessenden Diskussion nahm aber das Hauptthema, die Coronakrise, Überhand. So erwähnte der CEO des Grenchner Farbstoffherstellers für Verpackungsmaterial Rotoflex, Pascal Diemand, die schwierige Situation seines Unternehmens: In der Krise verlor die Firma einen wichtigen Kunden in der Ukraine, was einen 40-prozentigen Umsatzrückgang auslöste.

Lüthi kritisierte die kantonalen Unterschiede in der Handhabung der Covid-Härtefälle – so würden Reisebüros im einen Kanton bei gleichem Umsatz und gleicher Anzahl Mitarbeitenden Hunderttausende von Franken weniger erhalten als in anderen Kantonen. Regierungsratskandidat Aschberger liess sich die Gelegenheit nicht nehmen, die aktuelle Regierung in die Verantwortung zu nehmen für die verzögerte und chaotische Bearbeitung der Härtefälle-Gesuch in Solothurn.

Doch welche «Regeln» gilt es zu brechen?

Wie konkret Geschäftsführende aus der Krise navigieren können, kann wohl keine geschickte Bergmetapher beantworten. Immerhin sieht das aktuelle Jahr für die Tourismusbranche düster aus – Globetrotter rechnet mit einem Umsatz, der 40 Prozent unter dem Vorcoronaniveau bleiben soll. Globetrotter fährt die Strategie, nicht um jeden Preis Kosten zu sparen: «Eigentlich müsste ich ja 80% meiner Kosten senken – dabei geht aber viel Know-how verloren und jegliche Fähigkeit, nach der Krise wieder auf festen Beinen zu stehen.» So hat er zwar Kosten reduziert, fährt aber keine zahlengetriebene Unternehmenspolitik.

Bei Rotoflex will Diemand die aktuelle Zeit nutzen für interne Innovationen – er spricht dabei die Möglichkeit an, mit nachhaltigen Verpackungsherstellern zu arbeiten –, um nach der Krise mit frischem Wind anzufangen.

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